Obwohl das hiesige Wetter noch nicht allzu winterlich scheint, ist für die heimischen Igel schon bald die Überwinterungszeit angesagt: Doch vorher müssen sie sich Winterspeck anfressen und einen Unterschlupf finden, daher stolpert man in diesen Tagen oftmals über ein kleines Tier.

Kinder und Erwachsene erfreuen sich oft am Anblick der Stacheltiere: Staunen und Bewundern ist erlaubt, viel mehr sollte aber mit den Wildtieren nicht angestellt werden. Experten geben Tipps und Tricks im Umgang mit Igeln.

Tierschutzorganisationen und Stiftungen warnen laut vor gut gemeinter Fürsorge: Igel seien gesetzlich geschützte Wildtiere, die nur im äussersten Notfall in Obhut genommen werden dürfen. Nur spezifische Igelstationen und Tierärzte haben die Erlaubnis, Igel zu behausen; ansonsten sei dies strafbar und könne durchaus – trotz guter Absichten – für die Tiere gefährlich sein, berichten verschiedene Organisationen.

Auch sonst ist im Umgang mit ihnen Vorsicht geboten. Anita Wüthrich, Mitarbeiterin im Grenchner Tierheim Aarebrüggli, erklärt, dass die stacheligen Vierbeiner ihrem Revier stets treu bleiben: «Es sind Gewohnheitstiere.»

Daher sollten sie nicht umplatziert werden. «Wenn sie sich an einem gefährlichen Ort aufhalten, sollten sie nur im Notfall zur nächst gelegenen Grünfläche getragen werden», erklärt Wüthrich. Der Wald sei gar nicht des Igels Habitat. Sollte der hauseigene Garten das Lieblingsplätzchen eines stacheligen Vierbeiners geworden sein, sollten diese Gäste mehrzeitlich in Ruhe gelassen werden.

Füttern dürfe man sie mit Katzenfutter; andere Nahrungsmittel erweisen sich als ungesund für diese stacheligen Gartenbewohner, berichtet Wüthrich.

Nur eine Igelstation in Solothurn

Kranke, verletzte oder zu kleine Igel, die den Winterschlaf nicht überleben würden, können im Grenchner Tierheim Aarebrüggli abgegeben werden: Hier befindet sich die einzige Igelstation des Kanton Solothurns. Willkürlich sollten aber die Tiere nicht in die Station gebracht werden. Anita Wüthrich erklärt, dass es besser wäre, «zuerst im Tierheim anzurufen, um abzuklären, ob eine Einlieferung wirklich notwendig ist». So werden oftmals im Winter aus gutem Willen viele aktive Tiere in die Igelstation gebracht, um sicherzustellen, dass sie den Winterschlaf überleben können.

Was Laien jedoch nicht wissen: «Die Überwinterung der Tiere hängt von der Temperatur ab.» Bis zum Nullpunkt seien die Igel üblicherweise noch aktiv, so Wüthrich. Für Nichtexperten scheint es zudem schwierig zu erkennen, ob ein Igel effektiv krank ist: «Kann sich ein Igel nicht mehr einkugeln, ist er wahrscheinlich schon sehr krank», erklärt Anita Wüthrich. Ansonsten könne dies anhand des Verhaltens festgestellt werden. «Kranke Tiere essen nicht mehr»; im Falle eines Parasitenbefalls ertöne hingegen ein pfeifendes Geräusch beim Essen. Verletzte Igel sollten unbedingt von einem Tierarzt gepflegt werden.

Da es sich um ein Wildtier handelt, muss man für die Kosten allerdings nicht aufkommen. Auch in diesem Fall gilt: «Im Zweifelsfall beim Tierarzt anrufen und die Beobachtungen mitteilen», sagt Wüthrich.

Faktor Mensch

Oftmals verursacht gerade der Mensch die schlimmsten Verletzungen der Igel: Fadenmäher, Motorsensen, Netze und Gitter können den stacheligen Vierbeiner zum Verhängnis werden. Aber nicht nur das. Wie Anita Wüthrich erklärt, werden in Grenchen die meisten Tiere wegen einer Vergiftung eingeliefert. «Entweder essen die Igel Schnecken, die Gift gegessen hatten, oder sie essen das Gift selbst.» Nach einer gewissen Menge könne dies der Tod für die Kleinen bedeuten.

Um diesen sehr alten Säugetieren – sie haben die Mammut-Ära überlebt – einen Fortbestand zu garantieren, ist also äusserste Vorsicht geboten.