Eine Branche in der Schweiz kennt keine Rezession. Das Bau- und Baunebengewerbe brummt seit einigen Jahren. Die Neubautätigkeit sowie das ausgebrochene Renovations- und Umbaufieber lassen die Temperaturen steigen und sorgen für prall gefüllte Auftragsbücher. Selbst die seit Anfang Jahr leicht gestiegenen Hypothekarzinsen führen noch nicht zu einer Abkühlung, wie eine Umfrage unter Firmen in der Region Solothurn-Oberaargau zeigt.

«Wir können viele Offerten schreiben»

«Der Geschäftsgang in den Jahren 2011 und 2012 war sehr, sehr gut gewesen», berichtet beispielsweise Christian Giesser, Chef des gleichnamigen Maler- und Gipserbetriebes in Langenthal. Zwar beobachtet er seit Anfang Jahr eine leichte, saisonbedingte Zurückhaltung bei den Kunden. Er sei aber zuversichtlich, dass das ganze Jahr wiederum sehr gut ausfallen werde. «Wir können viele Offerten schreiben.» Diese Einschätzung gelte für die Branche im ganzen Oberaargau. Griesser ist gleichzeitig auch Präsident des Maler- und Gipsermeisterverbandes Langenthal und Umgebung. Sein Berufskollege Urs Weder in Bettlach kann diesen Befund nur bestätigen. «Die Auslastung war in den vergangenen Jahren gut», berichtet der Chef der Weder Maler GmbH. Auch wenn sich die Lage in den letzten Monaten etwas beruhigt habe, «hat die Branche keinen Grund zum Klagen», zeigt sich Weder optimistisch, der zugleich Präsident des Maler- und Gipsermeisterverbandes des Kantons Solothurn ist.

«Ein Superjahr»

Auch die Schreiner proftieren durch die von attraktiven Zinsen für Hypothekarkredite ausgelöste Bauwut. Nach zwei Jahren mit einer sehr guten Auftragslage sei «der Start ins laufende Jahr noch besser ausgefallen», erklärt Michael Marti. Er ist Inhaber und Chef der Devaud und Marti AG in Bellach, die nach eigenen Angaben mit 35 Angestellten die grösste Schreinerei im Kanton Solothurn ist. Deshalb erwartet er für das ganze Jahr 2013 einen noch etwas besseren Geschäftsgang. Dies gelte für alle drei Geschäftsbereiche Fenster, Türen und Innenausbau. Dachdeckermeister Fritz Jörg kann dieser Prognose nur zustimmen. «Wir konnten in den zwei vergangenen Jahren den Umsatz jeweils um zehn Prozent steigern. Nach den überdurchschnittlich guten zwei ersten Monaten rechnen wir für 2013 nochmals mit einer weiteren Steigerung», sagt der Chef des Dachdecker- und Spenglerbetriebes E. Jörg AG in Bätterkinden mit Niederlassungen in Solothurn und in Schnottwil. Gar «ein Superjahr» erwartet Thomas Kläy, Chef der Kläy Haustechnik AG in Lohn. Dies könne er aufgrund des Auftragsbestandes vorwegnehmen. «Wir haben auch schon Aufträge für das Jahr 2014 im Haus.» In den vergangenen Jahren sei es gelungen, den Umsatz jährlich um fünf bis zehn Prozent zu steigern.

Alle befragten Unternehmer haben aber mit demselben Problem zu kämpfen: Die Preise für ihre Arbeit stagnieren, wie Michael Marti von der Schreinerei Devaud und Marti AG bestätigt. Erklärungen dafür seien schwierig zu finden. Einen Grund sieht er darin, dass heute jeder Anbieter die Kapazitäten problemlos dem Auftragsbestand anpassen könne, indem er Temporärpersonal anstelle. «Jeder Betrieb hat lieber zu viele statt zu wenig Aufträge. Das drückt die Preise», schildert er die Folge. Der Kampf um Aufträge sei hart, der Preisdruck enorm, ergänzt der Langenthaler Gipsermeister Christian Giesser. Zudem beobachtet er einen Trend hin in Richtung Generalunternehmer, die sich zwischen Handwerker und Bauherr stellen; dadurch erhöht sich der Preisdruck noch mehr. Auch sei es heute nicht mehr ungewöhnlich, wenn er als regional tätiger Gipser- und Malerbetrieb plötzlich gegen deutsche Betriebe offerieren müsse.

Qualität entscheidet über das Überleben

Diesem stetigen Preisdruck kann Thomas Kläy gar nichts abgewinnen und warnt vor negativen Folgen, wenn sich die Baukonjunktur abschwäche. Betriebe ohne vernünftige Preispolitik würden dann ums Überleben kämpfen müssen. «Das Ziel eines Betriebes darf nicht sein, immer der Preisgünstigste zu sein.» Deshalb akquiriere er Aufträge nicht um jeden Preis. «Wenn die preisliche Schmerzgrenze unterschritten ist, dann sagen wir Nein.» Er, der den 1932 gegründeten Betrieb in dritter Generation führt, ist überzeugt, dass «letztlich die gute Qualität der gelieferten Arbeit über das Überleben eines Betriebes entscheidet».