«Wir sind hier. Wir sind laut. Weil man uns die Zukunft klaut!» Solche und ähnliche Sprechgesänge waren diesen Samstag quer durch Solothurn zu vernehmen. Mit Transparenten und Trillerpfeifen zogen im Rahmen der «Climate-Strike» Bewegung mehrere hundert Menschen durch die Barockstadt und forderten mehr Klimaschutz.

Nach dem Schülerstreik vor zwei Wochen vermochte dieses Thema erneut die Solothurner zu mobilisieren. Waren damals noch hauptsächlich Kantischüler mit dabei, waren diesmal Menschen aller Altersgruppen vertreten. Die Mutter mit ihrem Kleinkind marschierte ebenso wie die Schülerin oder die Grossmutter. Sehr zufrieden mit dem Aufmarsch ist Mit-Organisatorin Julia Hostettler. «Es ist schön, zu sehen, dass man Solothurn auf die Strasse bringen kann.»

Klima-Demo Solothurn 02.02.19

  

Zahlreiche Reden

In geordneten Bahnen zogen die Demonstranten durch die Stadt. An mehreren Orten, dem Kreuzackerplatz, vor der St. Ursen Kathedrale oder auf dem Märetplatz etwa, legte die Menge immer wieder Stopps ein, um verschiedenen Rednern zu lauschen. So stand unter anderen eine junge Frau vor der Menge und skandierte mit viel Herzblut: «Ich glaube, im Leben muss man sich entscheiden. Und wir hier haben uns entschieden, für unsere Erde zu kämpfen.» Viel Applaus folgte auf diese Ansprache.

Auch Kantonsrätin Barbara Wyss Flück (Grüne) schloss sich der Reihe der Redner an: «Mich freut es wahnsinnig, dass so viele junge Leute jetzt die Initiative ergriffen haben und aktiv werden. Es braucht aber nicht nur die Jungen, es braucht alle. Und darum bin ich auch hier.»

Eine andere Route als geplant

Die Demonstration verlief insgesamt lautstark aber friedlich. Zum einzigen Aufreger kam es, als die Menge die Altstadt im Norden verliess. Anstatt, wie mit der Polizei im Vorfeld geplant, über die wenig befahrene Nordringstrasse entlang der Stadtmauer in Richtung Amthausplatz weiterzuziehen, setzten die Demonstranten ihren Weg auf der Werkhofstrasse, der Hauptverkehrsachse durch Solothurn, fort. Die Polizei reagierte prompt und sperrte die Strasse für den Verkehr. Für einige Minuten kam es zu Rückstaus. Mit «Fahret Zug!» Parolen marschierten die Menschen an der Autokolonne vorbei, bis sie schliesslich auf dem Amthausplatz eintrafen. Die Polizei habe super reagiert, findet Hostettler lobende Worte für die Beamten. Die Stadtpolizei war am Abend nach der Demonstration für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar.

Forderungen an die Regierung

Am Ende des Marsches versammelten sich die Demonstranten auf dem Amthausplatz. Dort wurden Zettel und Stifte herumgereicht, wer wollte, konnte Forderungen und Wünsche an die Politik formulieren. All die Zettel werden man nun der Regierung übergeben, erklärt Hostettler. Der Ball liege nun bei ihr. «Wir hoffen, dass sie mit uns das Gespräch sucht.» Denn eines sei klar: «Es muss eine politische Lösung her.» Insofern sei die Demonstration als Weckruf in Richtung Politik zu verstehen.

Und wie wird es nun weiter gehen? Weitere Demonstrationen seien im Moment nicht geplant, erklärt Hostettler. Doch die Hände einfach nur in den Schoss zu legen, kommt für die engagierte junge Frau nicht infrage. Jetzt soll es auf einer anderen Ebene weitergehen. Mit Informationsveranstaltungen werde man versuchen, möglichst viele Menschen für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren. «Wir wollen ihnen einen Anstoss geben, was sie selber im Kleinen fürs Klima machen können», so Hostettler. Aber würde man von der Politik komplett ignoriert werden, seien natürlich auch wieder Demonstrationen auf dem Tisch.