Schafzüchterverband

Dem Solothurner Schafzuchtverband sterben die Schafzücher weg

Trotz rückläufigem Schafbestand feierten Solothuner Züchter 50-Jahre-Jubiläum in Selzach. Der Schafzuchtverband zählt 12 Vereine und 120 Schafzüchter im Kanton. Beim Nachwuchs hapert es aber.

Zahlreiche Züchter fahren mit ihren Anhängern auf dem Werkhof in Selzach ein. Blökend und bockend schieben sie ihre Tiere voran. Der Aufmarsch der Züchter hat begonnen. Am Samstag hat der Solothurner Schafzuchtverband sein 50-jähriges Bestehen in Form einer Jubiläumsaustellung gefeiert. Auf dem Platz hinter dem Werkhof werden die Schafe eingepfercht. Fünf bis acht stehen zusammen in einem Gehege. Pipa, Uschka, Lisa und ihre wolligen Freundinnen posieren gekonnt für ein Foto. Die Besucher und Züchter fachsimpeln über die Rassen der Tiere und tätscheln Einzelnen die Köpfe. «Er ist erst einjährig», eröffnet ein Züchter stolz und zeigt dabei auf eines seiner Tiere, das in Grösse und Masse seinen älteren Genossen um nichts nachsteht. Wohin man kuckt, recken die Schafe fordernd ihre Köpfe, schupsen ihre Kameraden im Gehege herum. Musik ertönt im Hintergrund. Es ist ein gemütliches Schaf- und Züchtertreffen an der Jubiläumsaustellung in Selzach.

Der Ausstellungsleiter, André Meister, stellt vor erwartungsvollem Publikum die vertretenen drei Schafrassen «Texel», «braunes Fleischschaf» und «schwarzbraunes Bergschaf» vor.

Immer weniger Schafe im Kanton

Der Import drückt auch im Kanton Solothurn auf die Preise: Hatte ein Kilo Wolle vor 20 Jahren noch 12 Franken gekostet, so ist es heute nur einen Franken wert. «Es gibt zu viele günstige, ausländische Händler und alternative Stoffe», erklärt Heinz Bieri, Präsident des Schafzuchtverbandes im Kanton Solothurn, die Veränderung. Zusätzlich würden mehr als 50 Prozent des Schaffleisches aus dem Ausland gekauft: «Vor allem Edelstücke des Schafes kommen aus Irland und Neuseeland. Wir sind hierbei zu teuer.»

Dies sei einer der Gründe, weshalb der Schafbestand im vergangenen Jahrzehnt drastisch rückläufig war: «Vor sechs Jahren zählten wir 2400 Schafe im Kanton Solothurn. Heute haben wir rund ein Drittel weniger, nur noch 1600», erklärt Walter Zangger, früherer Präsident des Schafzuchtverbandes. Ursache dafür sei die fortschreitende Überalterung: «Die ursprünglichen Schafzüchter sterben weg und es rücken keine Junge nach», erklärt der aktuelle Präsident Heinz Bieri. Früher sei es dem Bauernjungen vorbestimmt gewesen, dass er Landwirt werde. Das sei mittlerweile nicht mehr so. «Heute gibt es leider nur noch eine Handvoll junger Schafzüchter.» Da mache es keinen grossen Einfluss mehr auf den Schafbestand, dass die Züchter tendenziell mehr Tiere halten.

Schafezüchten aus Leidenschaft

Trotz der etwas düsteren Veränderungen erfreut sich die Jubiläumsausstellung einer frohen Stimmung. Die anwesenden Züchter zeigen sich optimistisch: «Es wird ein gutes Jahr», freut sich ein Züchter aus Rüttenen, während er seinem Bock über den Kopf streichelt. Seine Tiere hätten bereits zahlreichen Nachwuchs geworfen.

«Alle Mitglieder des Verbandes sind Züchter mit Herzblut. Wir lieben unsere Tiere», betont Heinz Bieri. Innerhalb des Verbandes gäbe es keinen Züchter, der mit dem Tierschutz in Konflikt käme. «Für uns ist die Schafzucht eine leidenschaftliche Freizeitbeschäftigung und ein Nebenerwerb», findet Walter Zangger die passenden Worte.

Seit nun 50 Jahren besteht der Solothurner Schafzuchtverband. Er zählt 12 Vereine und 120 Schafzüchter im Kanton und veranstaltet seit 45 Jahren die «interkantonale Schafausstellung» in Deitingen.

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