Egerkingen
Dem Schwiegersohn in den Hintern geschossen: Schütze vom McDonald's will mildere Strafe

Eine Ehe, die nur wenige Tage hielt, war Anlass für eine Schiesserei auf dem Parkplatz des Egerkinger McDonald’s im Januar 2012. Bojan K.*, der seinem damaligen Schwiegersohn einen Schuss ins Gesäss verpasst hatte, will eine mildere Strafe.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Mildere Strafe für einen Schuss? Das Obergericht muss entscheiden.

Mildere Strafe für einen Schuss? Das Obergericht muss entscheiden.

ae/bar

Bojan K. wurde im Dezember 2014 vom Richteramt Thal-Gäu wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 61⁄2 Jahren verurteilt. Der aus dem albanischen Kulturkreis stammende, heute 50-jährige Schweizer akzeptierte das Urteil nicht, weshalb sich nun das Obergericht mit dem Fall befassen muss.

«Es tut mir sehr leid. Ich schwöre, dass ich niemanden umbringen wollte», beteuerte Bojan K. vor dem Obergericht. «Mein damaliger Schwiegersohn hat mich gepackt. Ich habe zweimal in den Boden geschossen. Bei der Rauferei hat sich noch ein weiterer Schuss gelöst. Aber ich habe nicht auf ihn gezielt», verteidigte sich der Hilfsarbeiter.

Angst vor Blutrache

Dreissig Jahre lebt Bojan K. in der Schweiz. Deutsch kann er nicht, aber er besitzt mittlerweile den roten Pass. «Der Vater der anderen Familie hat mich schwer beleidigt», begründete der Angeklagte, warum der Streit eskalierte. Was der denn genau gesagt habe, wollte das Gericht wissen. «Er hat gesagt, deine Tochter hat die Schweizer Mentalität. Ich will sie nicht mehr. Sie soll sich einen anderen Mann suchen.» Er sei verzweifelt gewesen.

Oberrichter Kamber sprach Bojan K. auf die 18 000 Franken an, die seine Familie der Familie des Opfers überwiesen hat. «Das hat mit der Mentalität im Kosovo zu tun. In der Schweiz gilt das nicht, hier ist ein Rechtsstaat. Ich habe befürchtet, dass Blutrache ausgeübt wird.» Ob damit alles in Ordnung sei, wollte der Richter wissen. «Ja, es herrscht jetzt wieder Frieden zwischen den Familien.»

«Er hat aus egoistischen Motiven gehandelt», betonte Staatsanwalt Toni Blaser in seinem Plädoyer. «Es gab für ihn keine schlimmere Schmach, als die im Kosovo organisierte, kirchliche Hochzeit absagen zu müssen.» Der erste Schuss sei bewusst in den Boden abgegeben worden. «Obwohl er durch das Opfer am Arm festgehalten wurde, versuchte er danach, gezielte Schüsse auf den Körper abzugeben.»

Somit sei der Tatbestand der versuchten, vorsätzlichen Tötung erfüllt. Etwas Positives fand aber auch der Ankläger: «Es ist Bojan K. anzurechnen, dass er nicht mehr weiter schoss, obwohl sich noch Munition im Magazin befand.» Der Staatsanwalt forderte erneut einen vollumfänglichen Schuldspruch und eine Freiheitsstrafe von 61⁄2 Jahren. Zudem beantragte er Sicherheitshaft wegen Fluchtgefahr.

Ein zufälliger Schuss

Die Verteidigung bezeichnete diesen Antrag als absurd. Bojan K. habe keine Tötungsabsicht gehabt. «Es stimmt nicht, dass mein Mandant trotz blockiertem Unterarm versucht hat, auf das Opfer zu zielen», sagte Rechtsanwalt Thomas Wüthrich. «Der Schuss, der das Opfer traf, wurde im Kampf nur zufällig so abgegeben.»

Der Verteidiger betonte, dass die ersten Einvernahmen von einer Deutschschweizer Polizistin schlecht und falsch übersetzt worden seien. Das habe zu grossen Missverständnissen und einer falschen Anklage geführt. «Mein Mandant hatte Angst vor der Familie des Schwiegersohns und wollte sich verteidigen können. Nur deshalb hat er die Waffe mitgenommen.» Die Tatsache, dass die Tochter etwas vorausging und der Angeklagte unbemerkt das volle Magazin in die Pistole einführen konnte, bezeichnete der Verteidiger als «ein vernünftiges Vorgehen».

«Es stimme nicht, dass das Handgemenge erst nach dem ersten Schuss begonnen habe. «Mein Mandant fühlte sich durch das Handgemenge angegriffen und hat aus Angst den Warnschuss in den Boden abgegeben.» Auch die Gefährdung des Lebens sei also nicht gegeben.

Schwere Lebensumstände

Falls das Gericht trotzdem wieder zu einem Schuldspruch im Sinne der Anklage komme, müsse das Strafmass bedeutend tiefer als der ordentliche Strafrahmen angesetzt werden, der zwischen fünf und 20 Jahren liegt.

Der Verteidiger sprach die aussergewöhnlich tragischen Lebensumstände des Angeklagten mit schwerer Krankheit, Arbeitsunfall und Kündigung einer langjährigen Stelle an. «Es gibt viele Gründe, den durch das Gesetz vorgegebenen Strafrahmen zu unterschreiten.» Eine Freiheitsstrafe von unter vier Jahren sei gerecht.

Die öffentliche Urteilsverkündung ist auf Donnerstag, 11.15 Uhr, angesetzt.

*Name von der Redaktion geändert.