Besonders an sonnigen Wochenenden sind am Weissenstein zahlreiche Delta- und Gleitschirmflieger zu beobachten, wie sie sich vom aufsteigenden Wind durch die Lüfte tragen lassen. Starten tun die meisten von ihnen auf dem «Göiferlätsch» direkt unter dem Kurhaus. Ist damit nun Schluss? «Startplatz Weissenstein vor dem Aus» schreibt der Delta- und Gleitschirmclub Weissenstein (DCW) auf seiner Homepage. In den letzten Jahren hätten die Flugbewegungen und damit auch die «unerwünschten Nebenerscheinungen» zugenommen. «Piloten und Pilotinnen laufen durch das hohe Gras zum Startplatz, starten vom falschen Feld und zeigen sich im Falle des Hinweisens von korrekt agierenden Piloten und Pilotinnen uneinsichtig oder gar feindselig», erklärt der Club. Schon mehrmals hat er in den letzten Jahren auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Genutzt hat es offenbar nicht viel. 

Am letzten Wochenende sei die Situation eskaliert. Der Verpächter des Startplatzes wolle das Gelände sperren, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, schreibt der Delta- und Gleitschirmclub Weissenstein. So dramatisch schildert es Pächter Franz Niederberger vom Sennhaus nicht. «Schliessen werden wir den Startplatz wohl nie können. Die Opposition wäre zu gross.» Und der Gondelbahn will Niederberger auch nicht schaden. Er weiss, wie wichtig die Piloten für den Berg sind.

Und doch nervt er sich ob der fehlenden Rücksichtnahme. Obwohl es einen Weg zum Startplatz gebe, werde immer wieder die Abkürzung durch den Juragarten genommen. Letztens sei sogar ein Pilot oberhalb des Sennhauses im hohen Gras gelandet. Die Entschuldigung: Die Schnüre waren verhakt. «Jeder hat eine Ausrede. Wenn wir uns solche Sachen in der Stadt erlauben, was wäre dann?», fragt sich Niederberger, dessen Familie seit 1983 das Sennhaus gepachtet hat. Der Landwirt spricht von 10 Prozent, die sich über die Regeln hinwegsetzen würden. «Es ist schade für die, die sich daran halten.» Was er mit der Warnung erreichen möchte: «Die Leute sollen wachgerüttelt werden.» 

Viele gehen durch die rote Fläche unterhalb des Kurhauses zum Startplatz.

Viele gehen durch die rote Fläche unterhalb des Kurhauses zum Startplatz.

Der Delta- und Gleitschirmclub Weissenstein nimmt die Warnung nicht auf die leichte Schulter. Auch beim Landen in Oberdorf komme es immer wieder zu Problemen. «Das korrekte Landefeld wird grosszügig missachtet», schreibt der Club. Selbst namhafte Flugschulen würden sich nicht an die Clubabmachungen halten.

Der Landeplatz in Oberdorf ist grün markiert

Der Landeplatz in Oberdorf ist grün markiert

Nach diesem Wochenende wurden die Regeln für den geordneten Flugbetrieb am Weissenstein und beim Landefeld in Oberdorf verdeutlicht:

  1. Der Zugang zum Startplatz hat ausschliesslich über den eingezeichneten Weg zu erfolgen.
  2. Die Wiese oberhalb des Startplatzes darf das ganze Jahr hindurch nicht betreten werden.
  3. Startvorgänge sind ausschliesslich vom eingezeichneten Gelände unterhalb des Zaunes zulässig.
  4. Toplandings sind auf dem gesamten Weissenstein verboten.
  5. Landungen in Oberdorf sind ausschliesslich im eingezeichneten Feld mittels korrekt geflogener Volte zulässig.

Wer gegen diese Regeln verstösst, soll künftig mit einer Verwarnung geahndet werden. «Im Wiederholungsfalle kann der DCW ein Fluggebietsverbot aussprechen. Der Schweizerische Hängegleiter-Verband kann zudem Verbandsausschlüsse beschliessen.» Das bestätigt dessen Direktor Christian Boppart. «Wenn jemand völlig uneinsichtig ist, müssen wir die Person vom Verband ausschliessen können.» Er spricht aber von einem «krassen Einzelfall» und der «letzten Massnahme». Dialog und Verständnis wecken seien eindeutig prioritär. Fliegen kann der Pilot weiterhin, denn das Brevet behält er.

Ein Flug vom Weissenstein mit dem Gleitschirm

Bei 17'000 Hängegleiterpiloten in der Schweiz könne es durchaus sein, dass es an einem Ort zu verärgerten Leuten oder bösen Worten kommen könne. «Da ist es wichtig, dass wir die lokalen Clubs unterstützen und unsere Piloten daran erinnern, die Regeln einzuhalten», so Boppart. Er erinnert sich an einen Fall im Berner Oberland, der wegen Anwohnerproblemen vor Gericht landete. Oder die juchzenden Passagiere von Tandemflügen, welche einige Interlakner nervten. Interlaken ist mit 65'000 Starts der am häufigsten genutzte Startplatz. Die Zahlen zum «einzigartigen» Startplatz Weissenstein sind ihm nicht bekannt.

Der Vorstand des Delta- und Gleitschirmclubs Weissenstein betont, alles Mögliche zu unternehmen, um den Solothurner Hausberg als Startplatz für alle Hängegleiterpiloten und -pilotinnen erhalten zu können. «Wir bitten alle, beim Erhalt des Startplatzes Weissenstein mitzuhelfen und säumige Piloten und Pilotinnen auf diese Regeln hinzuweisen.»