Jeder, der das nötige Kleingeld hat, kann sich einen Defibrillator kaufen. Die Preise bewegen sich gemäss Andreas Leutwyler, Geschäftsführer des Sanitäts- und Rettungsdienstes Solothurn (SRS), zwischen 2500 und 5000 Franken. In diesem Preis sei eine mindestens vierstündige Schulung inbegriffen: «Uns geht es darum, dass die Helfer auch instruiert sind, um im Notfall Hemmungen auszuschliessen.»

Am Anfang war ein Herzflimmern

Lanciert worden war die Debatte zum ersten Mal durch eine Motion der Oltner Nationalrätin Bea Heim, welche dank eines rechtzeitig verfügbaren Defibrillators ein Kammerflimmern überlebt hatte.

Seit gut drei Monaten hat auch das Naturmuseum Solothurn einen Defibrillator im Eingangsbereich hängen. Eine Antwort auf die Frage nach dem Fachwissen braucht Kurator Max Widmer nicht zu scheuen. Er hatte die Ausbildung bereits bei seiner Schulung als Rettungsschwimmer absolviert.

Gefragt, ob man bei der Feuerwehr wisse, wo die Defibrillatoren hängen, entsinnt sich Martin Allemann, Kommandant der Feuerwehr der Stadt Solothurn, einer engagierten Debatte im Schatten der Motion Bea Heims zur flächendeckenden Einführung der Geräte. In der Folge habe die Stadt entschieden, in den öffentlichen Gebäuden Solothurns Defibrillatoren zu montieren, so etwa im Landhaus, im Stadtpräsidium und in den Museen.

Die vom Feuerwehrkommandanten erwähnte Debatte wurde ausgelöst durch eine Änderung des Gebäudeversicherungsgesetzes. Heinrich Schwarz vom kantonalen Gesundheitsamt verweist auf eine Gesetzesänderung, welche es den Gemeinden erlaubte, das sogenannte First-Responder-Programm auf die Feuerwehren zu übertragen. Intention dieser Änderung war, diesen Rettungsdienst einer Institution zu übertragen, die binnen fünf bis acht Minuten zur Stelle sein kann. Die Wahl fiel auf die Feuerwehr.

Es gilt das föderalistische Prinzip

«Die Kosten für die Anschaffung der Geräte und die Erstausbildung des zuständigen Personals hat das Gesundheitsamt in vollem Umfang getragen», erinnert sich Heinrich Schwarz. 2007 war vom Solothurner Kantonsrat ein Betrag von 310000 Franken genehmigt worden, 230000 Franken für die Anschaffung der Defibrillatoren und 80000 Franken für die Schulung. Offiziell sei die Aktion für zwei Jahre gelaufen: «aus Goodwill auch etwas länger», verdeutlicht Schwarz die Anerkennung des Gesundheitsamtes für engagierte Gemeinden.

Gemäss Paul Haus, dem kantonalen Feuerwehrinspektor, haben die meisten Feuerwehren des oberen Kantonsteils keine Defibrillatoren: «Wir wissen nicht, welche Feuerwehren im Projekt mitgemacht haben, das oblag den Gemeinden.» Die Defibrillatoren des First-Responder-Programms hatten die Bezirke Olten, Gösgen, Gäu und Thal an ihre Feuerwehrkommandos übergeben. Sie sind dabei geblieben.

«Es kann jeder einen kaufen und ihn sich an den Gartenzaun hängen», vergegenwärtigt Beat Walser, Leiter des Rettungsdienstes Solothurn die freie Verfügbarkeit der Geräte. «Die Verteilung der Defibrillatoren läuft über Private und nicht über die Rettungsdienste, weshalb wir nicht wissen, wo sie platziert sind», schränkt Walser die eigene Zuständigkeit ein. Dass sie registriert seien, entziehe sich seiner Kenntnis.

Roland Rölli, Chef des Warendienstes für den Samariterbund bestätigt: «Meines Wissens gibt es kein Register.» Was die Wartung betreffe, so seien alle Geräte mit Leuchtdioden oder akustischen Signalgebern ausgestattet, die eine bedrohlich niedrige Batteriespannung anzeigen würden. Die Batterien hielten je nach Bauart zwischen drei bis fünf Jahren und können ersetzt werden.

Eine Absage per Tattoo

Roland Rölli, hat von einer «Fundi-Bewegung» Kenntnis, die sich im Fall eines Kammerflimmerns prinzipiell nicht wiederbeleben lassen wolle. Das gehe so weit, dass sich diese Personen an der üblicherweise frei gemachten Stelle in Herznähe ein Tattoo stechen liessen mit der Absage an jegliche Hilfeleistung.

Die letzte Anfrage geht an Jean-Louis Zurcher, Sprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Er verweist auf die Motion Nummer 06.3576 mit entsprechendem Antrag des Bundesrats: «Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.» Die im März 2009 abgeschriebene Motion forderte die flächendeckende Einführung von Defibrillatoren «an allen Orten mit hohem Publikumsverkehr.» Eingereicht hatte sie die Oltner Nationalrätin Bea Heim. So schliesst sich der Kreis. Heims Motion wurde abgeschrieben. Ihrem Ziel aber ist sie wohl näher, als es eine Institutionalisierung je erreicht hätte.