«Ich wusste bereits im Alter von vier Jahren, dass ich Drummer werden will», erklärt Gregor Lisser. Mit acht Jahren sei er dann endlich alt genug gewesen für den Schlagzeugunterricht. «Zuerst spielte ich in verschiedenen Schülerbands, später hatte ich die Möglichkeit in der Solothurner Ambassador Big Band und in der Swiss Army Big Band unter der Leitung von Pepe Lienhard mitzuspielen. Als Drummer in einer Big Band zu spielen, ist schlicht grandios.» Den ersten Kontakt mit Jazzmusik machte er mit 15 Jahren und habe noch die Kantonsschule Solothurn besucht, erinnert sich der Musiker.

«Später hat der Weg dann an die Hochschule der Künste Bern - Abteilung Jazz geführt, wo ich die Vielfalt des Jazz zu schätzen gelernt habe.» Während des Studiums gründete er die Band pommelHORSE – zu deutsch Pauschenpferd. Mit dieser European Jazzband konnte er, dank der «Prioritären Jazzförderung» durch Pro Helvetia die Welt bereisen und hatte zahlreiche Auftritte im Ausland.

Inspiration findet er zuhause

«Nach dem Studium 2011 ging ich drei Monate nach New York. Die Musikszene war damals hochinteressant für mich, und es war unglaublich viel los. Vielleicht zu viel, mir reichten die drei Monate», erklärt Lisser lachend. Er sei irgendwie froh gewesen, dass er wieder zurück in die Heimat kommen konnte. Hier finde er auch die meiste Inspiration für seine Kompositionen. Diese sind übrigens alles andere als laut und wild. «Die Kompositionen auf meinem Konzeptalbum haben eine entschleunigende Dramaturgie und eine beruhigende Wirkung, wenn man das Album als Ganzes und am Stück hört. Es trägt den Namen «On eleven». Das ist einerseits eine englische umgangssprachliche Bezeichnung für spazieren und andererseits natürlich ein Bezug zu Solothurn.»

Ein Album als Visitenkarte

Man merkt, wie sehr dem Schlagzeuger die Musik am Herzen liegt, für ihn sei Musik etwas Sakrales, erklärt er offen. Sein Album bietet allerdings nicht nur Entschleunigung, sondern auch gewisse Kuriositäten. «Ich habe in einem Stück das Innenleben eines Kraken vertont.» Der Krake sei sein Lieblingstier, erklärt Lisser. «The Kraken» heisse das Stück und sei sehr hörenswert, meint Lisser mit einem Zwinkern.

Komplexe Kompositionen

Sein Album hat er als kammermusikalische Besetzung im Double Quartet aufgenommen. Es sind alles bis zu siebenminütige Onetakes, die von den insgesamt acht Musikern gleichzeitig und am Stück eingespielt wurden. «Double Quartet heisst, dass der Klangkörper aus einem Jazzquartett und einem Streichquartett besteht. Die komplexen Kompositionen verlangten eine solche Formation.» Die Freude über das erste eigene Album – «Das erste Album, auf dem mein Name darauf steht» – ist nicht zu übersehen.

Das Komponieren sei seine Leidenschaft. «Die zugänglichen Stücke sollen Emotionen und Bilder bei den Zuhörern wecken.» Das Album sei finanziell natürlich ein Verlustgeschäft, es gehe mehr darum, als Musiker eine Visitenkarte zu haben und das künstlerische Profil zu schärfen. Sein angestrebtes Ziel sei es, innerhalb der nächsten fünf Jahren am North Sea Jazz Festival in Rotterdam aufzutreten. Derzeit ist Lisser eine Mischung aus Schlagzeuglehrer und Freelance Drummer für Konzerte und Studioaufnahmen. «Das ist im Moment mein Geschäftsmodell», erklärt er schmunzelnd.

Mehr Infos zu Gregor Lissers neuem Album sowie Konzertdaten finden sie hier.