Die Gewerkschaft Syndicom schlägt Alarm: Sie rechnet damit, dass in den nächsten Jahren Dutzende Poststellen im Kanton verschwinden. Das soll eine Auflistung zeigen, die dieser Zeitung vorliegt.

47 Poststellen gibt es im Kanton derzeit noch. Syndicom rechnet damit, dass diese Zahl über kurz oder lang auf das gesetzliche Minimum reduziert wird. Demnach müssten – im schlimmsten Fall – dereinst gerade noch folgende Poststellen offen bleiben: Balsthal, Breitenbach, Dornach, Grenchen 1, Kriegstetten, Niedergösgen, Oensingen, Olten 1 und Solothurn 1.

Bestätigt sind diese Zahlen nicht. Bei der Post spricht man von einer «Fantasieliste», erstellt «nach eigenem Gutdünken» der Gewerkschaft. – «Wir befürchten, dass damit bei Mitarbeitenden und Bevölkerung vor allem Unsicherheit und Angst geschürt werden soll», sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler.

Kanton führt Gespräche

Dass in den kommenden Jahren zahlreiche klassische Poststellen verschwinden werden, ist allerdings unbestritten. Im Oktober hat der gelbe Riese angekündigt, schweizweit bis 2020 bis zu 600 der 1400 Poststellen zu schliessen.

Wie viele Poststellen im Kanton geschlossen werden, ist laut Post noch nicht bekannt. «Zum heutigen Zeitpunkt existiert keine Liste», sagt Post-Sprecher Flüeler. Derzeit laufen Gespräche zwischen den Kantonen und der Post, in denen über das Netz diskutiert wird. Man wolle wissen, wo sich der Kanton bevölkerungsmässig und raumplanerisch entwickeln werde, um das künftige Poststellennetz zu erarbeiten, so Flüeler. Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, bestätigt, dass die Post mit dem Kanton die Diskussion über das künftige Poststellennetz begonnen hat. «Wir wurden informiert. Jetzt kann der Kanton eine schriftliche Stellungnahme abgeben.» Dabei soll die Post unter anderem auf regionalpolitisch wichtige Faktoren aufmerksam gemacht werden. Motschi glaubt, dass die Post die Aspekte durchaus anschauen werde. Letztlich aber liege der Entscheid beim Konzern. «Wir haben kein Druckmittel.»

Ersatz oder doch nicht so richtig?

Die Post betont: Man will «ersatzlose Schliessungen von Poststellen vermeiden.» So dürften Poststellen auch durch Agenturen, etwa in Läden, ersetzt werden. Das macht die Situation für die Gewerkschaft Syndicom nicht besser: «Postagenturen sind kein gleichwertiger Ersatz», hält Syndicom-Sprecher Christoph Capacoel fest. «Postagenturen führen zu einer Ungleichbehandlung der Bevölkerung.» Denn nicht an jedem Standort würden die gleichen Dienstleistungen angeboten. «Es kann sein, dass in einer Gemeinde nur die Hälfte der möglichen Dienstleistungen vorhanden sind, in der anderen aber alle.» Eingeschriebene Briefe wie Betreibungen können zudem in Agenturen nicht abgeholt werden. Der Münzwechsel sei auch nicht möglich.

Syndicom rechnet damit, dass der Abbau von Poststellen auch nach dem Jahr 2020 und nach den 600 geschlossenen Poststellen weitergehen wird, wenn die Post keine Antwort auf die Digitalisierung findet: «Es wird irgendwann einfach der nächste Abbau bekannt gegeben», so Capacoel. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Post insgesamt zu ratlos auf die Herausforderungen der Zukunft reagiere. «Sie hat keine klare Strategie.» Die bisherigen Versuche der Post, etwa Drohnen oder Paketroboter, sind aus Sicht der Gewerkschaft nicht «mehr als Spielzeug und Nebelpetarden».

Für die Post ist derweil klar: Um Schliessungen kommt sie nicht herum. Die Zahl der Briefe nimmt ab, Online-Banking verdrängen die Einzahlungen am Schalter. Paket-Automaten und Abholstationen ermöglichen allen, die pendeln und nicht zuhause sind, ihre Pakete auf dem Arbeitsweg abzuholen. Insgesamt soll die Zahl der sogenannten «Zugangsmöglichkeiten» gar von heute 3700 auf 4000 steigen.

SP will Regierung verpflichten

Ob die Zahlen der Gewerkschaft konkret sind oder nicht: Mit der Frage, wie viel Grundversorgung und Service public die Post im Kanton führen muss, wird sich die Solothurner Politik noch befassen müssen: Die SP hat im Kantonsrat im November einen Auftrag eingereicht, der «Massnahmen gegen flächendeckende Poststellenschliessungen» fordert. Der Vorstoss will die Regierung in die Pflicht nehmen, sich gegen den Abbau von Leistungen für Kunden und KMU und für die Gemeinden zu wehren. Es ginge längst nicht mehr um Klein- und Kleinstpostellen, so die SP. «Jetzt droht schon konkret Gemeinden mit 3000 bis 5000 Einwohnern eine Schliessung.» Bisher hat die Regierung noch nicht zum Vorstoss Stellung genommen.

Für die Gewerkschaft Syndicom braucht es einen grösseren Einsatz, als nur in einzelnen Gemeinden für den Erhalt zu kämpfen. «Der Erhalt geht dann auf Kosten einer anderen Poststelle. Denn die Post hat das Ziel, 600 Poststellen zu schliessen.»