Seit zehn Jahren führt das Oltner Ehepaar sein Bed and Breakfast. Sie vermieten zwei Studio-Wohnungen in ihrem Einfamilienhaus. Als plötzlich die Polizei vor der Türe steht, staunen sie nicht schlecht. Bisher hatten sie keine Kenntnis von dem Gesetz, nach welchem sie eine Bewilligung brauchen. «Nach dem Polizeibesuch haben wir ein Gesuchsformular beim Amt für Wirtschaft- und Arbeit eingereicht. Wir warten zurzeit auf die Bewilligung», sagt die Betreiberin, die aufgrund des hängigen Gesuches lieber nicht in der Zeitung genannt werden möchte.

Der Grund für den Polizeibesuch in Olten: Nicht alle dürfen einfach so ihre Wohnung oder Zimmer darin vermieten. Eine nationale Regelung zu den im Trend liegenden einfachen Unterkünften gibt es nicht, jeder Kanton legt eigene Richltinien fest. Im Kanton Solothurn braucht es ab 10'000 Franken Jahresumsatz oder regelmässigen Besuchen eine Bewilligung. Dafür muss ein Gesuch gestellt und zusammen mit etwa Betreibungsregister- oder Strafregisterauszug eingereicht werden.

Laut Jonas Motschi vom Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) gibt es derzeit 133 solche bewilligten Betriebe im Kanton. In den vergangenen Jahren sei diese Anzahl relativ stabil geblieben, Tendenz leicht steigend. «Spontane Übernachtungen von Bekannten und Freunden stellen dagegen keine Gewerbsmässigkeit dar», erörtert Motschi das Gesetz. Dafür gilt: «Die Regelmässigkeit wird auch angenommen, wenn für die Beherbergung aktiv geworben oder diese auf Plattformen aufgeführt wird.» Eine Plattform ist airbnb.ch, auf welcher Unterkünfte online angeboten werden. Eine Abfrage ergibt über 100 Treffer im Kanton Solothurn.

101 Angebote findet, wer auf airbnb.ch nach Unterkünften im Kanton Solothurn sucht.

101 Angebote findet, wer auf airbnb.ch nach Unterkünften im Kanton Solothurn sucht.

Von einer benötigten Betriebsbewilligung hat aber auch eine BnB-Betreiberin aus Grenchen nichts gewusst. Das Thema scheint heikel – auch sie will nur anonym in der Zeitung genannt werden. «Ich habe den Betrieb meines Gästehauses mit dem Verein Grenchen Tourismus abgesprochen», sagt die Betreiberin. Auf ihrer Homepage vermittelt Grenchen Tourismus der Betreiberin Gäste. Ebenfalls überrascht ist Christoph Siegrist, Präsident des Vereins. «In dieser Klarheit waren uns die gesetzlichen Bestimmungen bisher nicht bekannt», sagt Siegrist auf Anfrage.

Er hat das Thema in einer abendlichen Vorstandssitzung des Vereins aufgegriffen. Und auch dort hatte niemand Kenntnis von dem Gesetz. «Wir werden die Anbieter von privaten Gästeunterkünften, welche sich auf unserer Webseite befinden, auffordern, sich mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit in Verbindung zu setzen», kündigt Siegrist an.

Bewilligungspflicht: «Nicht neu»

Dass es für die Beherbergung von Gästen eine Bewilligung braucht sei nichts Neues, sagt hingegen Motschi vom AWA. «Diese Regelung gibt es wohl, seit es Wirtschafts- und Arbeitsgesetze überhaupt gibt.» In Bezug auf die neuste Version des Wirtschafts- und Arbeitsgesetzes, das am 1. Januar 2016 eingeführt wurde, habe man informiert wie immer: Über die Medien, es gab eine Vernehmlassung zum Gesetz. Es gehöre auch zur Bürgerpflicht, sich zu informieren, bevor man einen Betrieb öffne. «Nichtwissen schützt vor Strafe nicht», so Motschi. Die Strafe wäre eine Anzeige wegen «Ausübens einer bewilligungspflichtigen Tätigkeit ohne Bewilligung.» Dafür droht eine Busse bis zu 20 000 Franken.

Aktive Kontrollen gibt es laut Motschi aber nicht. Dafür Stichproben: «Bei Meldungen von Nachbaren ordnen wir Kontrollen an und überprüfen, ob eine Bewilligung vorliegt.» Motschi weist darauf hin, dass der Kanton AirBnBs – auch wenn diese, gerade im Ausland oder grossen Tourismusregionen im Trend sind – nicht speziell einschränken oder fördern will. Sie zählen zu Beherbergungsbetrieben wie alle anderen auch.

Laut einer Wertschöpfungsstudie von Region Solothurn Tourismus brachten BnB-Angebote im Kanton vergangenes Jahr 37'000 Gäste in den Kanton – insgesamt waren es 1'156'000 über alle Angebote. Hofer spricht von den Unterkünften einerseits als Chance für den Tourismus im Kanton, «weil AirBnBs auch neue Kundengruppen erreichen, die kein Hotel buchen würden.» Zum anderen stellten die Angebote teils auch eine Konkurrenz dar.

Eher von einer Ergänzung spricht man im Hotel Roter Ochsen – dieses nutzt sogar selbst die Plattform airbnb.ch, um eine Wohnung in Solothurn im Auftrag ihres Eigentümers zu vermitteln. Laut Rolf Trechsel, Hotelier, sind BnB-Angebote eher Konkurrenz, wenn es um längere Aufenthalte geht. Für kürzere Aufenthalte würden sich BnBs hingegen kaum lohnen. Man müsse auch zu ungewöhnlichen Zeiten die Wohnungsschlüssel übergeben, Fragen der Gäste beantworten und die Wohnung putzen.

Würden diese wichtigen Tätigkeiten vernachlässigt, erhalte man schlechte Bewertungen im Internet – und beim nächsten Mal vielleicht keine Gäste. Und hinzu kommt auch noch die Bewilligung, die auch die einfachen Unterkünfte brauchen. Hotels könnten diese Aufgaben durch ihre Organisation wohl effizienter erledigen. «Wer also denkt, es sei leicht verdientes Geld, irrt sich», sagt Trechsel.