«Daten – der Stoff für den Goldrausch des 21. Jahrhunderts?» Das Thema brennt offenbar unter den Nägeln. Der diesjährige Anlageapéro der Baloise Bank SoBa im Landhaus Solothurn zog jedenfalls sehr viele Interessierte an, der Saal war prallvoll gefüllt. Die mit der fortschreitenden Digitalisierung erzeugten Datenmengen würden sowohl die Wirtschaft wie die Gesellschaft verändern, eröffnete Bank-CEO Jürg Ritz die Veranstaltung.

Die Verarbeitung und Nutzung der gesammelten Unmengen an Datensätzen ermöglichten neue Geschäftsmodelle. «Traditionsreiche Firmen verschwinden, neue entstehen. Insbesondere verändert sich das Konsumverhalten – Zalando boomt, Ex Libris schrumpft.»

Der Gastreferent, der renommierte Ökonom und Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar, sprach anschliessend von einer «Ökonomie der game changer», von völlig neuen Geschäftsmodellen. Er erwähnte zwei Beispiele. Airbnb sei mit einer Million Betten zur weltweit grössten Hotelkette aufgestiegen, ohne ein einziges Bett zu besitzen. Oder der Fahrdienst Uber befördere jährlich eine Milliarde Passagiere, ohne ein einziges Auto zu besitzen. Deshalb ist für ihn klar: «Die Digitalisierung ist mehr als eine technische Entwicklung.»

Die Veränderung nehme auch Einfluss auf den Alltag der Konsumenten. So gebe es bereits Tankstellen, welche den Benzinpreis nach dem Verhalten der Kunden bestimmen. Eine Software sammle die entsprechenden Daten via Autokennzeichen und analysiere so das Verhalten der Kunden.

Ziel: Der Kunde soll den Preis zahlen, der für ihn gerade noch an der Schmerzgrenze liegt. «Ein smarter Verkäufer kennt heute den Käufer besser als er sich selbst», folgerte Staubhaar. Das zeige, dass die Daten zur wertvollsten Ressource aufgestiegen seien. Ironie sei, dass «wir diese Daten, sei es beim Einkauf, beim Zahlen oder beim Surfen im Internet, den Firmen kostenlos zur Verfügung stellen».

«Die Musik spielt in den USA»

Die forschreitende Digitalisierung und die damit verbundene Umkrempelung der Wirtschaft sei nicht aufzuhalten. Der Hotspot für völlig neue Geschäftsmodelle sei und werde auch künftig die USA sein. «Dort spielt die Musik der Zukunft», ist Ökonom Straubhaar überzeugt. Nicht nur deshalb zeichnete er ein positives Bild für die US-Wirtschaft.

Man müsse kein Freund von Präsident Donald Trump sein, aber seine bisher einzige realisierte Massnahme, die Steuersenkung, sei sicher nicht schlecht für die Wirtschaft. Dasselbe gelte für die Abschwächung des Dollars. «Die US-Firmen können leichter exportieren.» Gleichzeitig würden die Importe währungsbedingt verteuert, was den Konsum in den USA von US-Gütern anheize. Straubhaar sieht deshalb «gute Zeiten für die US-Konjunktur».

Aber auch für die Schweizer Konjunktur prognostiziert Straubhaar ein gutes ökonomisches Jahr 2018. Europa als wichtigster Absatzmarkt sei gut unterwegs, selbst die eingeleiteten Reformen in Südeuropa würden langsam greifen. Das Vertrauen der Märkte in die europäische Wirtschaft werde den Euro weiter aufwerten, insbesondere auch gegenüber dem Schweizer Franken. Ein spezielles Augenmerk sei auf Frankreich, dem neuen Wirtschaftsmotor zu richten. Dort sei es der neuen Regierung gelungen, mit einem neuen ökonomischen Ansatz nötige Reformen einzuleiten. «Deshalb muss die Schweiz den Blick nicht nur nach Norden, sondern auch nach Westen richten.»

«2018 wird gutes Aktienjahr»

Für die Anleger machte Straubhaar eine klare Aussage: «Wie das vergangene Jahr wird auch 2018 ein sehr gutes Jahr für Investitionen in Aktien.» Das Anlageumfeld werde nämlich durch einen Spieler, die Europäische Zentralbank (EZB), bestimmt.

Solange die EZB milliardenschwere Kaufprogramme für Staats- und Unternehmensanleihen fahre, könne getrost auf steigende Aktienkurse gesetzt werden. Die Zinsen blieben tief, der Anlagenotstand führe dazu, dass jeder Aktien kaufe. In diesem Umfeld werde auch die Schweizerische Nationalbank vorderhand keine Zinswende einläuten.

Warnung vor Sorglosigkeit

Zur selben Einschätzung kam Rainer Wyss, Leiter Anlagen und Handel bei der Baloise Bank SoBa, in seinem Ausblick. «Im Moment sieht es für Aktienanleger wolkenlos aus.» Der Performance-Vorsprung von Aktien gegenüber Staatsanleihen werde vorderhand weiter anhalten. Allerdings dürfe das nicht zur Sorglosigkeit führen. Denn Überraschungen kommen meistens ohne grosse Vorwarnung. Deshalb bleibe für Anleger «die Diversifikation das A und O jeder Geldanlage».