Letzte Woche musste sich Jasin R.* wegen versuchter vorsätzlicher Tötung vor dem Amtsgricht Thal-Gäu verantworten. Er hat während dem Autofahren unzählige Male mit einem Schraubenzieher auf seine Freundin eingestochen. Die Tat ereignete sich vor rund zwei Jahren auf der Belchenrampe der A2 oberhalb von Egerkingen, wie Augenzeugen berichteten. Diese fanden die schwer verletzte Frau, nachdem der Beschuldigte sie an den Haaren aus dem Auto zerrte und sie auf der Strasse liegen liess. Grund für die Tat sei die heftige Eifersucht des Mannes gewesen. Er glaubte, seine Freundin sei ihm untreu. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder, von welchen sich zum Tatzeitpunkt drei im Auto befanden.

Aufgrund der Schwere dieser Tat war für die Staatsanwältin schnell klar: «Der Angeklagte hat den Tod seiner Lebensgefährtin in Kauf genommen.» Die Staatsanwältin forderte deshalb sieben Jahre unbedingt für den gebürtigen Kosovaren. Jasin R. bestreitet diese Absicht jedoch. Der amtliche Verteidiger verlangte einen Freispruch oder maximal eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung für seinen Mandanten.

Dem Schicksal überlassen

Jasin R. ist ein eher klein gewachsener Mann, seine Partnerin noch zierlicher: Bei einer Körpergrösse von 1,50 Meter wiege sie gerade einmal 45 Kilogramm, führte Amtsgerichtpräsident Guido Walser aus. Das Opfer war folglich körperlich deutlich unterlegen, hatte keine Chance gegen den Mann. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte immer weiter auf sein Opfer einstach, obwohl dieses bereits schwere Verletzungen aufwies. Dadurch, dass Jasin R. seine Freundin nach der Tat auf die Autobahn zerrte, sie dort liegen liess und wegfuhr, überliess er sie ihrem Schicksal. «Dass das Opfer überhaupt noch lebt, ist reines Glück», so Walser. «Nur dank medizinischen Massnahmen konnte sie dem Tod entgehen.»

Die Tat an sich sei äusserst verwerflich, meint Walser. Es wäre «weltfremd», eine andere Annahme zu treffen, als dass der Beschuldigte riskierte, seine Partnerin tödlich zu verletzen. Dieser sieht sich jedoch nach wie vor selbst als Opfer, da die Frau diejenige war, die den Schraubenzieher im Streit zuerst zückte.

Gefängnis und Landesverweis

Aufgrund des Sachverhaltes spricht das Amtsgericht Jasin R. für schuldig und verurteilt ihn zu 6 Jahren und 6 Monaten Gefängnisstrafe. Zudem wird der gebürtige Kosovare nach dem neuen Gesetz während 12 Jahren des Landes verwiesen. Weiter hat der Täter eine Entschädigung von 31'767 Franken sowie die Verfahrenskosten von 18'000 Franken zu tragen. Seine Partnerin, die an der Gerichtsverhandlung von letzter Woche anwesend war, blieb der Urteilsverkündung fern.

* Name von der Redaktion geändert