Verein Savoir-vivre
Das wird alles unternommen, damit sich Expats «möglichst schnell heimisch fühlen»

Integration von auswärtigen Fachleuten und Standortförderung, das sind zwei Seiten einer Medaille. Um diese soll bald auch die Region Solothurn mitspielen.

Raphael Karpf
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Ein wahrer Magnet für Expats Die Firma Biogen in Luterbach.

Ein wahrer Magnet für Expats Die Firma Biogen in Luterbach.

Hansjörg Sahli

Barockstadt, Filmtage, Literaturtage. Ein Gesamtbild der Region sähe in etwa so aus. Die Attraktivität als Wohn- und Wirtschaftsstandort habe darin noch keinen Platz gefunden. So die These des Fördervereins «EspaceSolothurn Marketing». Dies will der Verein, der auch unter dem Namen «Verein Savoir-vivre» bekannt ist, ändern. Er setzt dafür auf die Integration von Fachleuten. Aus der Schweiz, besonders aber auch aus dem Ausland.

Spezialisten in der Fremde: Ob im Auftrag der Firma oder auf eigene Initiative, sogenannte Expats arbeiten und leben, teils temporär, teils längerfristig, in unbekanntem Territorium. Das bringt Herausforderungen mit sich. Stichwort Krankenversicherung. Stichwort internationale Schulen. Auch im Kanton Solothurn, wobei dies gerade in nächster Zeit noch zu einem grösseren Thema werden dürfte.

Expats: Die Gesetzeslage

Der Begriff Expat kommt im Ausländerrecht nicht vor. Je nach Herkunftsland wird zwischen Dienstleistungserbringern und Entsandten unterschieden.
Für den Raum EU/EFTA gilt grundsätzlich das Personenfreizügigkeitsabkommen. Für Personen, die entweder selbstständig oder für eine Firma mit Sitz in diesem Raum länger als 90 Tage pro Jahr in der Schweiz arbeiten, jedoch nicht.

Für diese sogenannten Dienstleistungserbringer gibt es Kontingente von jährlich und schweizweit 2250 Zulassungen (2000 Kurzaufenthalts- und 250 Aufenthaltsbewilligungen), die seit 2015 auch immer ausgeschöpft wurden.
Aus Drittstaaten werden grundsätzlich nur gut qualifizierte Arbeitskräfte zugelassen. Seit 2015 wurden jährlich 6900 Aufenthalts- und Kurzaufenthaltsbewilligungen erteilt. Etwa ein Drittel davon (2500) sind sogenannte Entsandte, also Personen, die von Firmen mit Sitz in Drittstaaten temporär in die Schweiz geschickt werden und einen ausländischen Arbeitsvertrag haben. (RAK)

2019 eröffnet die Biogen in Luterbach eine neue Produktionsstätte, 600 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Eine Mehrzahl davon soll zwar mit Schweizerinnen und Schweizern besetzt werden, doch um die Einstellung von Expats wird man kaum herumkommen. Darin sieht Karin Heimann, Präsidentin des Vereins, eine Chance. Mit verschiedenen Projekten sollen deshalb Neuzuzüger integriert werden und eine Plattform erhalten.

Konkret arbeite man mit regionalen Immobilienbesitzern zusammen. Wohnungen werden vom Verein möbliert und fixfertig an Neuzuzüger vermietet. Dies soll den Einstieg erleichtern. 2017 wurden zudem Informationsanlässe für Expats lanciert. Diese werden bei Bedarf simultan auf englisch übersetzt und liefern Grundkenntnisse zu Versicherungen, Steuern, dem Gesundheits- und dem Bildungswesen.

Der Anlass im Januar zum Thema Gesundheitswesen, in Zusammenarbeit mit der Solothurner Spitäler AG, stiess mit rund 40 Teilnehmern aus verschiedensten Ländern auf grosses Interesse. Am 24. Mai findet der nächste statt: in Zusammenarbeit mit der «International School Solothurn» zum Thema Bildungssystem. Übrigens: Mit der Biogen ist man im Gespräch über ein firmenspezifisches Angebot. Zustande gekommen ist dieses allerdings noch nicht.

Kampf und Fachkräfte

Im nationalen Wettbewerb habe die Region das Nachsehen. Nicht so nah an nationalen Institutionen und Botschaften wie Bern, nicht so gut vernetzt wie Zürich. Die Region habe Fachkräften aus dem In- wie Ausland aber einiges zu bieten. Das Angebot müsse nur noch besser vermarktet werden. «Wir sehen uns als Ergänzung zu bestehenden Standortförderungs-Organisationen, nicht als Konkurrenz», betont Heimann.

Die Liste von Partnern ist lang. Von der Regionalplanungsgruppe über die Stadt Solothurn, den Solothurn Tourismus bis hin zur kantonalen Wirtschaftsförderung. Das gemeinsame Ziel: Standortattraktivität. Die Rechnung ist einfach: Ein attraktiver Standort für Spezialisten nützt Arbeitgebern wie Immobilienbesitzern, am Ende profitiert die ganze Region.

Diese sehr spezifische Zielgruppe zu erreichen, sei aber nicht immer einfach, erklärt Heimann: «Viel läuft über den persönlichen Kontakt. Wir arbeiten mit Firmen aus der Region zusammen, insbesondere mit KMU. Die jeweiligen Personalabteilungen fungieren dann als Mittler». So komme man mehrheitlich mit Einzelfällen in Kontakt. Und da gerade ausländische Fachleute oft nur temporär da seien, würde auch ein ständiger Wechsel herrschen.

«Savoir-vivre» vermittelt Wissen

Tarock spielen im Museum Blumenstein, die eigene Wurst produzieren im Restaurant Stalden oder bei einem Apéro über die grossen Zukunftspläne für das ehemalige Attisholz-Areal informiert werden. Mit verschiedensten Anlässen macht der «Savoir-vivre Club» auf das sportliche, kulinarische oder kulturelle Angebot der Region aufmerksam.

Gleichzeitig dient der Club als Vernetzungsplattform, um Kontakte zu knüpfen. «Damit sich Neuzuzüger möglichst schnell heimisch fühlen», so Heimann. Und dazu gehören nicht nur eine Wohnung und ein Grundwissen über die Schweizer Institutionen, sondern auch ein Gusto vom «solothurnischen Lebensgefühl».

Gegründet wurde Espace Solothurn Marketing im Jahre 2001 unter dem Namen Regiomarketing, damals als AG. In den folgenden Jahren lancierte die Organisation verschiedene Projekte, so baute sie beispielsweise die Seite solothurn.ch auf und startete das Magazin «savoir vivre». 2013 erfolgte dann die Umbenennung in espaceSolothurn Marketing AG, 2015 die Auflösung der AG und Gründung des gleichnamigen Vereins.