Naturpark Thal

Das Wiesel braucht mehr Wohnraum

Die Errichtung von Ast- und Steinhaufen ist notwendig für die Förderung der Wiesel: Sie dienen den Tieren als Unterschlupf und Aufzuchtstätte.

Die Errichtung von Ast- und Steinhaufen ist notwendig für die Förderung der Wiesel: Sie dienen den Tieren als Unterschlupf und Aufzuchtstätte.

Das Projekt «Thaler Wiesel» setzt sich für die Förderung der einheimischen Raubtiere ein.

«Im allerschlimmsten Fall gibt es im Thal keine Wiesel mehr. Genau können wir das aber nicht sagen», sagt Markus Jenny. Der Projektleiter Natur und Landschaft und stellvertretender Geschäftsleiter im Naturpark Thal, spricht darüber, was ohne Massnahmen zur Förderung der einheimischen Wieselarten geschehen würde. Zu diesem Szenario soll es jedoch nicht kommen.

Das Projekt «Thaler Wiesel» kümmert sich seit vier Jahren unter der Leitung von Andrin Dürst mit gezielten Massnahmen um die Pflege und den Aufbau von Wohnraum und Unterschlüpfen für die im Thal heimischen, jedoch bedrohten Wieselarten Hermelin und Mauswiesel. Als fast schon unersättliche Mäusevertilger besitzen die kleinen Raubtiere einen hohen Stellenwert in der Landwirtschaft: «Die sonst stark schwankenden Mäusepopulationen werden durch die Wiesel konstant niedrig gehalten», erläutert Jenny. Da freut sich auch der Landwirt, wenn sich weniger Schädlinge an seinem Gut verfressen. Doch die Zahl der «sympathischen» Raubtiere sei zurückgegangen. «Der Lebensraum der Wiesel ist geschrumpft, unter anderem durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die verstärkte Zerschneidung der Landschaft», erklärt Markus Jenny. Den Tieren fehle die Möglichkeit, sich vor ihren natürlichen Feinden zu schützen und Unterschlupf zu finden.

«Wohnraum» schaffen

Im Rahmen des Projektes solle dem nun entgegengewirkt werden und eine «Möblierung der Landschaft» stattfinden. Konkret heisst das: Bauen von Ast- und Steinhaufen, Errichtung von Hecken, Bachläufen und Gräben, in welche sich die Wiesel zurückziehen können. Von zentraler Bedeutung seien dabei die Ast- und Steinhaufen, welche die Kleinsäugetiere vor allem als Unterschlupf, Verstecke und Aufzuchtstätte des Nachwuchses verwenden. Das fördere die Stabilität der Population. Ob die Massnahmen auch den gewünschten Erfolg erzielen, kontrolliere man anhand sogenannter «Spurentunnel»: Bei dieser Methode werden «Spurenpapiere» in die neuen Ast- oder Steinhaufen gelegt. Sobald Wiesel die Bauten als Unterschlupf nutzen, zeichnen sich deren Spuren auf dem Papier ab. Diese Spuren geben Gewissheit darüber, ob die Wiesel die neue Infrastruktur annehmen oder nicht.

Schweizweit organisiert

Der Naturpark Thal ist mit dem Wiesel-Projekt nicht im Alleingang. Im Rahmen des schweizweiten Grossprojektes «Wiesellandschaft Schweiz» wurden seit 2012 insgesamt zehn weitere solche Projekte in den Kantonen Luzern, Bern, Aargau, Schaffhausen, Thurgau und Zürich lanciert.

Koordiniert werden diese von der Stiftung zur Förderung von Kleinkarnivoren «Win Wieselnetz»: Sie berät und betreut die jeweiligen Projektleiter und bietet Workshops sowie eine Onlineplattform für den gegenseitigen Austausch an. «Das Projekt wurde in drei Etappen realisiert», teilt Zoologin und Geschäftsführerin der Stiftung Cristina Boschi mit, welche die Projekte mit ihrem Fachwissen unterstützt. «Wir befinden uns nun in der dritten und letzten Etappe: Es werden keine neuen Projekte mehr lanciert, sondern nur noch bestehende betreut und aufrechterhalten.» Mit etwa zwanzig Prozent des Budgets für das Grossprojekt habe die Stiftung die Wiesel-Wiederansiedlung finanziell unterstützt. «Wir haben den Projekten jedoch mit viel fachlicher Arbeit geholfen, an weitere finanzielle Mittel zu gelangen», fährt Boschi fort. Das Projekt «Thaler Wiesel» allerdings profitiert ausserdem von der Unterstützung des Bundesamts für Umwelt: Als Teil des Pilotprojektes, das die ökologische Infrastruktur in Pärken von nationaler Bedeutung, fördern will, wird es seit 2016 teilweise finanziert. Dies dank dem Bundesbeschluss in 2014, die Bundesmittel zur Unterstützung der Pärke zu verdoppeln.

Laut Markus Jenny komme das Projekt dieses Jahr zu einem Abschluss. Die Sensibilisierung beispielsweise der Landwirte stehe dieses Jahr im Vordergrund. Dem Ziel, die Populationsräume ökologisch aufzuwerten und das Wiesel im Thal nachhaltig wieder zu besiedeln, steht somit kaum etwas im Weg.

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