Wahlanalyse

Das Wehklagen des FDP-Urgesteins Rolf Büttiker

Rolf Büttiker

Rolf Büttiker

Der Politsezierer Rolf Büttiker ist zurück: Erstmals seit seinem Rücktritt als Ständerat hat der 62-Jährige die grosse Bühne der kantonalen Politik betreten.

Das Finale der nur alle vier Jahre stattfindenden Parlaments- und Regierungsratswahlen hat FDP-Mann Büttiker aus der Reserve gelockt. Doch den Weg nach Solothurn in die Rythalle hat das Animal politique nicht etwa als Zaungast angetreten. Denn ungeachtet des Karriereendes im Bundeshaus und der darauffolgenden Verschnaufpause, bewegt die Politik den Wolfwiler wie zu seinen besten Aktivzeiten. So erstaunt es nicht, dass er als Politexperte bei Tele M1 ins Rampenlicht trat.

Als Eidgenosse im nationalen Machtzentrum zu Bern, war sich der Langzeit-Ständeherr medial einiges gewohnt und doch hat ihn der Medientrubel auf kantonaler Ebene sichtlich überrascht: «Unglaublich, das Interesse der Radio- und Fernsehsender, sowie natürlich auch der Printmedien. Jetzt ist mir klar, weshalb man vom altehrwürdigen Steinernen Saal des Rathauses in die Mehrzweckhalle ausweichen musste». Nicht ausweichen konnte Büttiker bei seinen Einschätzungen am Mikrofon. Abgesehen davon, dass dies auch nicht seinem Temperament entsprechen würde.

So hält er auch mit einem Tag Distanz nicht mit deutlichen Worten zurück. Das gute Resultat von Brigit Wyss sei die Überraschung schlichtweg. Hoch einzustufen sei es nicht zuletzt deshalb, weil für ein Mitglied einer kleinen Partei die Hürde bei einer Majorzwahl ganz klar höher liege. Zudem habe es sich um eine besonders schwierige Ausgangslage gehandelt. «Wyss ist es ganz offensichtlich gelungen, etliche Stimmen bei der SP abzuholen, die es mit zwei Männern wissen wollte», sinniert Büttiker, um dann anzufügen, dass ihm solche Erfolge schon wehtäten. Die Erklärung ist einfach, Brigit Wyss stammt aus einem freisinnigen Elternhaus und dessen Erfolg versprechenden Nachwuchs hätte man natürlich gerne in den eigenen Reihen.

Auf Abwege geraten

Und das Wehklagen des FDP-Urgesteins geht gleich weiter. Auch Martin Flury ist aus Büttikers Sicht auf Abwege geraten. Der Landwirt aus Deitingen ist neu in den Kantonsrat gewählt worden – aber «leider» für die BDP. «Ich kannte seinen Vater gut, er war ein erfolgreicher FDP-Politiker. Junge Leute wie der Sohn würden unserer Partei gut tun.»

Doch Büttiker kennt das Politgeschäft gut genug und will nicht hadern: «Ist doch klar, ich mag dem jungen Flury die Wahl natürlich trotzdem gönnen.» Die FDP hat doch einen Remo Ankli. Ob er denn mit dem nicht zufrieden sei, wollen wir wissen. Doch, doch, man habe bei dieser Kandidatur absolut richtig entschieden. Diese sei zudem auch ein staatspolitischer Gewinn. Im Kanton seien 15 wichtige Mandate zu vergeben und wenn davon keines von einem Schwarzbuben (er könne auch weiblich sein) besetzt würde, wäre das ein denkbar schlechtes Signal für den Zusammenhalt des Standes Solothurn (auf 15 kommt Büttiker durch Addition von 7 Nationalräten, 2 Ständeräten, 5 Regierungsräten und den Staatsschreiber).

Parteien unter der Lupe

Und wie beurteilt der Gäuer die breiter gewordene Parteienlandschaft? Die Grünen hätte er insgesamt stärker erwartet. Er glaubt allerdings, dass dies mit der GLP zusammenhängt, da bei diesen ebenfalls ein Hauch von grün mitschwingt. Das Manko der BDP sieht er bei deren ungleichmässigen Abdeckung: «Die haben noch zu viele Löcher auf der Kantonskarte, besonders im unteren Teil.» Der EVP könne man den einen Sitz ruhig lassen. Kritischer beurteilt er die SP. Sie sei zwar gut vertreten in den Städten und den Agglomerationen, aber in den Gemeinden draussen läuft zum Teil gar nichts mehr. «Schauen wir doch mal Oensingen und die Industrieregion Gäu an. Dort existieren sehr viele Arbeitsplätze, aber die Sozialdemokraten haben niemanden von dort im Rat, das geht doch nicht.» Die CVP habe nach Proporzglück vor vier Jahren nun Proporzpech gehabt. «Die Partei hat einfach zu wenig Zuwachs und der nationale Trend ist eben auch nicht himmelhochjauchzend.» Das Wallis lasse grüssen.

Die SVP betrachtet Büttiker als stabil, obwohl es noch Luft nach oben habe: «Solothurn ist im Vergleich nicht auf dem Level der anderen Kantone». Kritische Worte gibt es auch zur eigenen Partei. «Wir haben uns achtbar geschlagen, aber im Vergleich zu früheren Jahren sind wir weit unten angelangt». Geht die Talfahrt noch weiter, Rolf Büttiker? «Ich hoffe nicht, wir waren im liberalsten Kanton der Schweiz einmal die Volkspartei schlechthin. Dorthin müssen wir zurück.» Und wie soll das gehen? «Wir müssen wieder näher zu den Menschen, Themen aufgreifen und wesentlich kecker, angriffiger auftreten. Für die Jungen sind wir vielfach zu angepasst, zu brav.» Sagt ein ehemaliges FDP-Schwergewicht, das auch schon mal flott aus den Reihen tanzte.

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