Schwimmen

Das Wasser der Solothurner Hallenbäder könnte man trinken

Wie sauber sind Solothurner Bäder? Experten sind sich einig: «Alles im grünen Bereich». Im Bild das Hallenbad im Zuchwiler Sportzentrum.

Wie sauber sind Solothurner Bäder? Experten sind sich einig: «Alles im grünen Bereich». Im Bild das Hallenbad im Zuchwiler Sportzentrum.

In Hallenbädern herrscht Grossandrang. Im Gegensatz zu anderen Kantonen ist die Wasserqualität in den Solothurner Hallenbädern sehr gut. Worauf ist das zurückzuführen?

«Ein Schwimmbecken ist die grösste Toilette – und sie gehört mir», verkündet der amerikanische Olympiasieger Ryan Lochte in einem nicht ganz ernst gemeinten Youtube-Video. Doch auch andere Schwimmprofis gaben unlängst zu: Sie stiegen nicht eigens aus dem Wasser, wenn sie mal müssten.

Wie viele normale Badegäste es beim Schwimmen einfach laufen lassen, lässt sich nicht genau ermitteln. Klar ist: Der Harnstoffgehalt darf den Wert von zwei Milligramm pro Liter nicht überschreiten. Das ist nicht immer einfach. Gerade jetzt, wenn in den Hallenbädern Grossandrang herrscht. Im Kanton Basel bemängelte die kantonale Behörde in einem kürzlich veröffentlichten Bericht 30 von 188 Wasserproben: Entweder war das Wasser nicht sauber genug oder es enthielt zu viel Chemie, berichtete die «bz Basel». In zwei Proben wurden sogar das Bakterium Escherichia coli gefunden – ein Indiz dafür, dass im Wasser menschliche Fäkalien vorhanden sind.

Planschen Badegäste auch im Kanton Solothurn in verunreinigtem Wasser? Der Kantonschemiker gibt Entwarnung: «Alles im grünen Bereich», sagt Martin Kohler von der kantonalen Lebensmittelkontrolle. Die genauen Zahlen werden zwar erst im März veröffentlicht. Doch man könne in den Hallenbädern bedenkenlos schwimmen. Abweichungen gäbe es höchstens, wenn beispielsweise mal zu viel oder zu wenig Chlor vorhanden sei.

Wenn die Augen brennen

Sind Solothurner nun sauberer als Basler? Wird hier strenger kontrolliert? Oder machen die Badmeister eine bessere Arbeit? Einfach lassen sich diese Fragen nicht beantworten. Die Wasserqualität hängt von vielen Faktoren ab. Etwa von der Wasseraufbereitungsanlage, der Menge an Badegästen oder deren Duschverhalten: «Würden vorher alle gründlich duschen, könnten wir sehr viel Chlor und Frischwasser einsparen», sagt Maik Ruzicska, Leiter Anlagen im Sportzentrum Zuchwil. Das Problem: Wer ungeduscht ins Becken steigt, der bringt Schminke, Hautschüppchen, Haare, Sockenfussel und vor allem Schweiss ins Wasser. Zwar bindet Chlor die kleinen Schmutzpartikel, doch in Verbindung mit Wasser entsteht Chloramin. Dieses verursacht Augenbrennen und den unangenehmen Hallenbadgeruch.

Je mehr Leute baden, umso eher steigt somit der Gehalt an gebundenem Chlor. Für die Badmeister ist es ein ständiges Abwägen: Mehr freies, also ungebundenes Chlor dazugeben oder mehr Frischwasser. Im Normalfall neutralisiere die Filteranlage das gebundene Chlor, sagt Ruzicska, während er die komplexe Wasseraufbereitung erklärt. Unterhalb des Schwimmbeckens führen diverse Röhren in die beiden zwei Meter hohen Kessel, die Filter. Hier unten ist es noch wärmer als im Hallenbad. Und auch lauter: Die Wasseraufbereitungsanlage brummt.

Eine in die Beckenwand eingelassene Luke gewährt Einblick ins Schwimmbecken. Hier kontrollieren die Badmeister den Trübegrad des Wassers. Dreimal täglich nehmen sie Proben. Einmal vor der Eröffnung, einmal während des Betriebs und einmal abends. Jeden Monat sendet Ruzicska ausserdem Proben an das kantonale Labor. Dort wird das Wasser mikrobiologisch untersucht, ob Bakterien oder Keime darin vorkommen. Vorschrift wäre viermal jährlich. Doch in Zuchwil will man schnell reagieren können, falls einmal etwas nicht gut wäre. «Die Wasserqualität ist unsere Visitenkarte», sagt Ruzicska.

Zwei Bäder werden saniert

Auch in den anderen Hallenbädern sind die Badmeister sehr bedacht auf eine gute Wasserqualität. Im Hallenbad Falkenstein in Balsthal hätten sie bisher keine Probleme gehabt, sagt Leiterin Ursula Nufer. Neben den täglichen Kontrollen reinigten sie mit einem Wassersauger regelmässig das Becken.

Das Problem der brennenden Augen kenne man zumindest in Mümliswil nicht, sagt der Gemeindeschreiber Josef Tschan. Hier wird das Wasser seit Jahren mit einer Ozonisierungsanlage aufbereitet. Seit einem Jahr ist nun eine komplett neue Anlage in Betrieb. Seit dieser Woche und noch bis Anfang März ist das Bad allerdings geschlossen. Die jährliche Hauptreinigung steht an.

In Grenchen wird seit 2010 eine neue Wasseraufbereitungsanlage eingesetzt. «Die Qualität ist nun viel besser geworden», sagt Rolf Keller, der Hauswart des Schwimmbads. Auch er kontrolliert dreimal täglich das Wasser. Im Hallenbad Herzogenbuchsee geht man besonders offen mit den Resultaten um: Am Eingang hängen jeweils die aktuellen Ergebnisse. Und diese seien immer gut, sagt Nils Schären, der Chefbademeister. Meistens aber befänden sich die Chlorwerte an der oberen Grenze. Der Grund: Die Filteranlage ist mit 37 Jahren veraltet. Zudem kämen täglich zwischen 300 und 500 Gäste, was in Anbetracht der Beckengrösse ziemlich viele seien. Um die Werte einzuhalten, muss Schären ständig viel Frischwasser dazugeben. «Die Anlage läuft auf dem Maximum», sagt er. Das soll sich nun ändern: Kürzlich wurden für die Vorprojektierung einer Sanierung 300 000 Franken gesprochen.

Eine Sanierung steht ebenfalls in Olten an. Die geforderten Werte seien trotz der veralteten Infrastruktur immer erreicht worden, sagt Walter Wyss, Leiter Dienste der Kantonsschule. Im Frühling wird die Baukommission das genaue Sanierungsprogramm verabschieden. Voraussichtlich wird das Hallenbad in der verlängerten Sommerpause 2016 erneuert.

Besser als eine Dusche im Süden

Wer also schwimmen will, kann sich in den hiesigen Bädern bedenkenlos ins Wasser stürzen. Die Vorschriften in der Schweiz seien streng, meint Ruzicska. Nun steht er in der Badmeisterzentrale des Zuchwiler Hallenbads und blickt übers Schwimmbecken. Schwimmer ziehen ihre Längen, Schulkinder steigen die Leiter hoch zur Rutschbahn. «Im Wasser befindet sich weniger Chlor, als wenn man in manchen Feriendestinationen duscht», sagt er. Sogar ein Schluck Wasser wäre kein Problem.

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