Solothurner Obergericht
Das Urteil über Silvain C.: «Er nimmt die Leute aus, wenn er kann»

Die Richter verurteilten mit Silvain C.* einen «treuen Kunden» und bereits rechtskräftig verurteilten Hochstapler und Schwindler.

Hans Peter Schläfli
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Silvain C. wurde am Solothurner Obergericht verurteilt.

Silvain C. wurde am Solothurner Obergericht verurteilt.

Webseite Kanton Solothurn

Ende Juni 2013 wurde Silvain C. wegen mehrfacher Anstiftung zu ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie qualifizierter Geldwäscherei zu einer Freiheitsstrafe von 31⁄2 Jahren verurteilt. 2010 hatte eine seiner vielen Freundinnen von einem Konto ihres langjährigen Arbeitgebers rund 1,3 Millionen Franken abgezweigt.

«Ich war ihm hörig, ich habe mich unterwürfig verhalten», hatte die Frau damals vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt erklärt. Sie wusste nicht, dass sie nur eine von vielen Geliebten war, die dem eloquenten Charmeur auf den Leim gegangen war.

Das ergaunerte Geld verprasste der Hochstapler, indem er sich als Eventmanager im Jetset ausgab. Luxusautos und teure Partys waren sein Ding. «Er nimmt die Leute aus, wo immer sich ihm eine Gelegenheit bietet», hiess es in der Urteilsbegründung. Von einem Basler Gericht wurde er ebenfalls wegen Gelddelikten zu einem weiteren Jahr Gefängnis verurteilt.

Im April 2015 wurde Silvain C. aus Haft entlassen und nach Frankreich ausgeschafft.
Pendent waren noch die Vorwürfe wegen mehrfachen Betrugs, der Veruntreuung und der Urkundenfälschung. Vom Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt war Silvain C. in diesen Punkten freigesprochen worden, aber die Staatsanwaltschaft zog den Fall an das Obergericht weiter.

Dies, obwohl diese Vorwürfe schon über zehn Jahre zurückliegen und der Franzose mit senegalesischen Wurzeln längst ausgeschafft und mit einer Einreisesperre belegt wurde. «Wichtige Rechtsfragen müssen geklärt werden und auch der Anspruch der Opfer auf Sühne rechtfertigt dieses Verfahren», sagte Ankläger Domenic Fässler.

Geleaster Porsche verkauft

Mit der Entschuldigung, es sei ihm nicht möglich, sich gültige Reisedokumente zu beschaffen, liess sich Silvain C. von der Gerichtsverhandlung dispensieren. Eines seiner vielen weiblichen Opfer hat ihm auch nach über zehn Jahren noch nicht verziehen und war zu Aussagen bereit. Sie sei damals davon überzeugt gewesen, in Silvain C. die grosse Liebe ihres Lebens gefunden zu haben, sagte die Frau.

«Er brauchte ein repräsentatives Auto, um seine Kunden zu beeindrucken. Deshalb sollte ich für ihn einen Porsche Carrera leasen.» Sie bestätigte dem Gericht, dass sie das Personalienblatt der Leasingfirma nie unterschrieben hatte. «Diese Unterschrift muss von Silvain sein», beteuerte das Opfer. «Ich habe das Auto nie gesehen. Er hat den Porsche abgeholt und sofort verkauft.»

Eine andere Frau bewegte der Schwindler dazu, ihm während mehr als einem Jahr immer wieder grosse Geldbeträge für angebliche Geschäftstätigkeiten zu überweisen. Hier bestätigte das Obergericht den Freispruch wegen Betrugs aus der ersten Instanz.

Die Aussagen dieses Opfers seien nicht verwertbar, weil man Silvain C. das Recht auf eine Konfrontation nicht gewährt hatte. Die Kontoauszüge allein genügten nicht zu einer Verurteilung wegen Betrugs.

Den Verkauf des geleasten Porsches stufte das Obergericht aber als Veruntreuung ein. «Er hat mit dem Verkauf die Eigentümerstellung eingenommen, obwohl ihm das Fahrzeug nur anvertraut worden war», so die Begründung.

Die gefälschte Unterschrift bewertete das Obergericht als Urkundenfälschung. So wurde Silvain C. zu einer unbedingten Zusatzstrafe von vier Monaten zur bereits verbüssten Freiheitsstrafe verurteilt. Eine schwere Persönlichkeitsstörung wurde ihm strafmildernd angerechnet.

Name von der Redaktion geändert.