Kennen Sie die Marx-Brothers? Chico, Groucho, Harpo und Zeppo? Ihren anarchistschen, schwarzen Humor? Mögen Sie ihn? Wenn ja, sehen Sie sich «Before I speak I have something to say» an, derzeit am Theater und Orchester Biel Solothurn Tobs zu sehen. Das Stück ist eine Art Hommage an den Humor, insbesondere des Groucho Marx, der beiden Schauspieler Max Merker und Matthias Schoch.

Merker und Schoch zeigen eine Revue mit Songs, Slapstick-Einlagen, Filmsequenzen, historischen Interviews und Marx-Comedy-Klassikern. Sie werden in 70 Minuten ohne Pause zelebriert und die beiden Protagonisten wechseln die Rollen im Minutentakt; mal sind sie die Brüder, mal sich selbst, mal Comic-Figuren, mal eine Frau.

The straight woman

Eine ganz bestimmte Frau nämlich: Margret Dumont. Eine Schauspielerin, die heute wohl nur noch die allerwenigsten kennen, ohne die aber der Humor und damit der Erfolg des Groucho Marx und seiner Brüder gar nicht funktioniert hätte.

So ist denn dieses Stück auch eine Art Liebesgeschichte und Liebeserklärung an diese matronenhafte Frau, die als sogenannter «straight man» bei Groucho immer ihr Fett wegbekam. Ein Beispiel: Groucho Marx macht der gut betuchten Witwe einen Heiratsantrag: «Könnten Sie sich vorstellen, meine Socken zu waschen?» Bei einem solchen Satz als Bühnenpartnerin nicht zu lachen, ist die Aufgabe des straight man, oder eben der straight woman. Die tragische Konsequenz aber: Der Komiker bekommt die Lacher, die Lorbeeren – und damit das Geld. Die straight woman kehrt einsam in ihre Garderobe zurück und stirbt schliesslich verarmt.

Eine Szene aus «A Night at the Opera» (1935) von den Marx Brüdern. Zu sehen sind Groucho und Margret Dumont

Eine Szene aus «A Night at the Opera» (1935) von den Marx Brüdern. Zu sehen sind Groucho und Margret Dumont

Komik und Tragik liegen bekanntlich nahe beieinander. Und besonders beim Marx-Humor bleibt einem das Lachen meist im Hals stecken. Ausser in Grouchos Hals. Ihm war es nur wichtig, dass das Publikum lachte – und dies möglichst lange und ausgelassen.

Groucho verinnerlicht

Nach der Revue über den Stummfilmstar Buster Keaton, den Max Merker zusammen mit Aaron Hitz vor zwei Jahren auf die Bühne brachte, ist es nun die zweite Produktion am Tobs, in der Merker Figuren aus der Filmgeschichte auf seine ganz eigene Art porträtiert. Zusammen mit Dramaturg Martin Bieri und Schauspielkollege Matthias Schoch hat er dieses Stück konzipiert – und geht dabei bis zum Äussersten.

Trailer des Stücks «Before I speak I have something to say» vom Theater Orchester Biel Solothurn

Trailer des Stücks «Before I speak I have something to say»

Merker brilliert als Komiker mit perfektem Timing, mit Sprachwitz, mit körperlichem Einsatz bis zur völligen Nacktheit. Groucho’s Paradigmen hat Merker verinnerlicht – er ist einmal Groucho selbst, dann wieder die gute Margaret. Es reichen Perücke und ein angemalter schwarzer Schnäuzer, ein alter Morgenmantel. Matthias Schoch zelebriert seine Musikalität als Pianist, Drummer, Sänger und Entertainer, als Double von Groucho, als Erzähler oder als sich selbst.

Tänzerische Anleihen an Michael Jackson oder das Einander-im-Spiegel-Gegenüberstehen kommen immer wieder vor und verblüffen die Zuschauer. Hin und wieder löst sich das Stück vom reinen Erzählen der Groucho-Margret-Story hin zur Kritik an unserer Konsumgesellschaft. «Was würdest Du anders machen, wenn Du die Zeit zurückdrehen könntest?» – «Ich würde meine Brille nur noch bei Fielmann kaufen.» Humor ist Geschmackssache. Nicht jeder kann über einen Riesenpenis, der seinen Dienst versagt, lachen.

«Before I speak I have something to say« ist eine Koproduktion des Tobs mit dem Theater Rote Fabrik Zürich, dem Kleintheater Luzern und dem Theaterdiscounter Berlin. Am Premierenabend wurde das Stück simultan von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt und die Textpassagen waren als Untertitel zu lesen. Dies ist ein Angebot «Kultur inklusive», bei dem Tobs mitmacht. – Ein Spass für alle, die derben und absurden Humor oder Pingu und Bibo aus der Sesamstrasse lieben.

Die Premieren des Stücks «Before I speak I have to say something» werden von einer Gebärdensprache-Dolmetscherin in die Deutschschweizer Gebärdensprache übersetzt. Hier ein Eindruck aus Solothurn.

Die Premieren des Stücks «Before I speak I have to say something» werden von einer Gebärdensprache-Dolmetscherin in die Deutschschweizer Gebärdensprache übersetzt. Hier ein Eindruck aus Solothurn.

Weitere Aufführungen bis 26.1.; Premiere in Biel: 10.11.