Gerlafingen
Das Stahlwerk Gerlafingen sieht den bisherigen Standort nicht gefährdet

Die verstärkte Integration des Stahlwerkes in die Beltrame-Gruppe soll zu keinem Stellenabbau führen. Der Standort Gerlafingen sei nicht in Gefahr, heisst es. Die Absetzung von Chef Lukas Stuber wird derweil nicht weiter kommentiert.

Franz Schaible
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Gerlafingen produziert rund einen Viertel des Gesamtvolumens der Gruppe.

Gerlafingen produziert rund einen Viertel des Gesamtvolumens der Gruppe.

Solothurner Zeitung

Ein überraschender Wechsel an der Spitze eines Unternehmens führt oft zu Unsicherheiten beim Personal. Insbesondere dann, wenn die Konzernmutter im Ausland sitzt und der Standort «verstärkt in die Gruppe integriert» werden soll. Genau dies hat die italienische Beltrame-Stahlgruppe vergangene Woche für ihr Stahlwerk im Wasseramt, der Stahl Gerlafingen AG, angekündigt.

Die angekündigten Massnahmen «zur Steigerung der Effizienz, der Produktivität und der konsequenten Nutzung der Synergien innerhalb der Firmengruppe» sind in diesem Fall aber nicht gleichbedeutend mit einem Stellenabbau, wie jedenfalls Daniel Aebli, Personal- und Kommunikationschef beim Stahlwerk, versichert.

Die Massnahmen würden zu keinem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen führen und auch die erneute Einführung von Kurzarbeit sei kein Thema. Ist der Standort Gerlafingen in Gefahr? Auch darauf antwortet Aebli mit «Nein». Gerlafingen produziere rund ein Viertel des Gesamtvolumens der Gruppe; davon ein grosser Teil im nach wie vor robusten Bewehrungsstahlmarkt Schweiz. «Die Beltrame-Gruppe braucht Gerlafingen und wir die Gruppe.»

Einkauf und Produktionsplanung

Mit der verstärkten Integration wolle man Einsparpotenzial nutzen. Etwa beim gruppenweit koordinierten Einkauf von strategischen Materialien. Dazu brauche es verbesserte Absprachen der Einkäufer der verschiedenen Standorte. Zudem soll, so Aebli, auch die unternehmensweite Produktionsplanung besser aufeinander abgestimmt werden.

Beispiele für die angepeilte Produktivitätssteigerung seien eine höhere Stundenleistung auf der Kombiwalzstrasse oder eine geänderte Pausenorganisation im Ringcenter (Mattenproduktion), damit die Maschinenzeiten erhöht werden könnten.

Die Absetzung von Lukas Stuber als Werkschef (Chief Operating Officer) wird nicht weiter kommentiert. Da das Stahlwerk aber eine lokale operative Führung brauche, übernehme Adriano Zambon, General Manager der Gruppe, die Leitung temporär. Bis zur Ernennung eines neuen COO rechnet Aebli mit «einigen wenigen Monaten».

10 Prozent weniger Ausstoss

Das Werk ist unterschiedlich ausgelastet. Im Bereich Baustahl sei die Auslastung sehr gut. Gerechnet wird mit einer Jahresproduktion von 520 000 Tonnen. Dagegen bleibe die Lage im Bereich Profilstahl unbefriedigend. Grund seien Überkapazitäten im europäischen Markt und der starke Franken.

Mit einer erwarteten Produktion von 100 000 Tonnen liege man 50 Prozent unter Budget. Deshalb wurde bereits im Sommer die Produktion von zwei auf eine Schicht reduziert. Dies führte zum Abbau von 25 Arbeitsplätzen, und teilweise wurde Kurzarbeit eingeführt. Insgesamt wird Gerlafingen 2013 rund 620 000 Tonnen Stahl produzieren gegenüber 690 000 Tonnen im 2012.