Notmassnahmen
Das Stadttheater Biel muss dringend saniert werden

Das Stadtthetaer Solothurn wurde umgebaut, doch auch das Haus in Biel hat dringenden Sanierungsbedarf. Das weiss auch Theaterdirektor Dieter Kaegi. Es braucht schnellstens Notmassnahmen. Doch diese müssen warten.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Der Eingangsbereich, die Visitenkarte des Stadttheaters.
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Das Stadttheater Biel hat Sanierungsbedarf
Hier halten sich die 41 Orchestermitglieder auf.
An einzelnen Stühlen nagt unerbittlich der Zahn der Zeit.
Enge Gänge ohne Fluchtwege in der oberen Etage.
Via mittelalterlich anmutendem Flaschenzug müssen Bühnenbildelemente hochgehievt werden.

Der Eingangsbereich, die Visitenkarte des Stadttheaters.

Tina Dauwalder

Das Stadttheater Biel, ein ehemaliges Zeughaus inmitten der schönen, aber etwas verlorenen Bieler Altstadt, ist in schlechtem Zustand. Es bietet heute 280 Personen Platz und ist mit dem Stadttheater Solothurn Aufführungsstätte des Theaters und Orchesters Biel Solothurn TOBS.

1989, vor 25 Jahren, wurde im Haus zum letzten Mal saniert. Jetzt ist die Bausubstanz derart prekär, dass Theaterdirektor Dieter Kaegi sich grosse Sorgen um die Sicherheit von Mitarbeitern und Publikum macht. Dringende Notmassnahmen in den Bereichen Brandschutz, Notbeleuchtung und Absturzsicherung müssen angegangen werden. Weil die Finanzlage in Biel aber alles andere als rosig ist, werden diese Massnahmen frühestens im Sommer 2016 durchgeführt, heisst es. «Es kann sehr bald sehr rasch gehen, dass wir wegen der Sicherheit der Mitarbeiter und Zuschauer nicht mehr spielen dürfen.»

So liess sich Kaegi bereits im vergangenen November im «Bund» zitieren. Auch in der Solothurner Zeitung mahnte Kaegi am 17. Januar 2015 in einem Interview zur Neueröffnung des Stadttheaters Solothurn: «Die Situation dort (in Biel, die Red.) ist äusserst besorgniserregend: Das Theatergebäude ist in einem desolaten Zustand, und ich sorge mich sehr um die Sicherheit der Mitarbeiter und auch diejenige des Publikums. Das Gebäude müsste dringend renoviert werden; die Situation ist niemandem zumutbar.» Die Alarmglocken schrillen also.

«Ich sage nichts mehr», hiess es aber nun vonseiten Kaegis, als wir uns vor ein paar Tagen selbst ein Bild vom Zustand des Bieler Theaters machten. Der sonst so eloquente Intendant wollte sich nicht mehr zu dieser Thematik äussern. Was war passiert? Ganz einfach: Das «Bieler Tagblatt» titelte am 28. Januar mit einer weiteren Aussage Kaegis: «Ich bin überrascht, dass man hier überhaupt noch Theater spielen darf», und liess den Theaterdirektor weiter ausführlich zu Wort kommen. Zu viel der Worte für den zuständigen Kulturstadtrat Cédric Némitz, denn er verpasste Kaegi daraufhin einen Maulkorb. So starteten wir den Versuch, von TOBS- Stiftungsratspräsident Andreas Marti Näheres zu erfahren. Hier hiess es: «Leider kann ich Ihnen auch nicht Auskunft geben.»

So machten wir uns selbst auf, im Haus einen Augenschein zu nehmen. Der Eingangsbereich erinnert tatsächlich eher an die improvisierte Garderobe mit Bar einer Mehrzweckhalle als an ein Stadttheater. Die schönen alten Steinstürze des ehemaligen Zeughauses kommen gar nicht zur Geltung, stören eher. Der Bühnenbereich könnte zumindest einen neuen Anstrich vertragen, an einzelnen Stühlen nagt der Zahn der Zeit.

Prekär ist die Sicherheitssituation im Hinterhof. Ohne Sicherungen müssen die Mitarbeiter via Flaschenzug Bühnenbildelemente in die oberen Stockwerke hieven. Beengt und verwinkelt sind die Gänge, keine Rauchmelder sind zu sehen. Der Schminkraum und die Mitarbeiter-Toiletten erinnern an Anlagen aus der Jahrhundertwende.

Fakt ist immerhin: Der Bieler Gemeinderat hat den Kredit für die nötigsten Notmassnahmen von 160'960 Franken gesprochen. Bleibt zu hoffen, dass bis dahin nichts Gravierendes passiert. Und klar ist: Neben Geld braucht es in dieser Sache im zweisprachigen Biel viel kulturpolitisches Fingerspitzengefühl.

Denn müsste das Stadttheater seine Türen schliessen, stünde einiges auf dem Spiel. Nicht nur die Spielstätte Biel, sondern gar die Zukunft des TOBS, Theater und Orchester Biel Solothurn. Denn ohne die finanzielle Unterstützung und das Publikum aus der Stadt Biel und dem Kanton Bern kann TOBS nicht überleben. Ein weiteres Zitat aus dem Kaegi-Interview: «Wir wollen keine Totalsanierung, aber doch eine Renovation, die das Haus wieder ansehnlich und sicher macht.»