«Diesmal haben wir nur einen einzigen Gast aus der Politik: Unseren Sekretär Benvenuto Savoldelli», schmunzelte Präsident Peter Oesch bei der Eröffnung der Jahresversammlung von Gastro Solothurn am Dienstag im Landgasthof Kreuz in Kappel. Savoldelli war am 14. April in den Oltner Stadtrat gewählt worden – und vielleicht kandidiert er gar als Stadtpräsident. «Es ist noch offen, ob er sein Mandat bei uns weiterführen kann», sagte Oesch vieldeutig, «aber wir kämpfen um ihn!»

Das Jahr 2012 sei für die Gastrobetriebe in der Schweiz schwierig gewesen, gekennzeichnet durch Umsatzeinbussen und einen Rückgang bei den ausländischen wie inländischen Gästen. Doch Oesch zeigte sich zuversichtlich, dass die Talsohle erreicht sei, denn gegen Ende Jahr sei eine leichte Entspannung eingetreten.

Auf Grundausbildung pochen

Im Kanton setzt sich Gastro Solothurn dafür ein, dass im neuen Wirtschaftsgesetz wieder eine minimale Grundausbildung für den Erwerb der Wirtebewilligung aufgenommen wird (wir berichteten). Am 29. August konnte der Verband Regierungsräte, Kantonsräte und Chefbeamte an der Auswärtssession des Kantonsrates in Nunningen festlich bewirten und bei den Politikern seine Anliegen zu Gehör bringen. Gesamtschweizerisch haben die Wirte ihre Volksinitiative «Schluss mit der Mehrwertsteuer-Diskriminierung des Gastgewerbes!» im Feuer, die verlangt, dass die Konsumationen im Gastgewerbe zum gleichen (tieferen) Steuersatz besteuert werden wie die Nahrungsmittel.

Ruhige Bahnen

Abgesehen von der Unsicherheit um die Zukunft des Sekretärs scheint bei Gastro Solothurn alles in ruhigen Bahnen zu verlaufen. Aus dem Vorstand wurden Gregory Dörfler (Hotel Krone, Solothurn) und Jürg Bütikofer (Gasthof Kreuz, Aetingen) verabschiedet. Als Nachfolgerin gewählt wurde Stephanie Privé (Restaurant Bistraito, Solothurn), die Präsidentin der neuen Sektion Solothurn-West. Jürg Bütikofer wurde in den Kreis der Ehrenmitglieder von Gastro Solothurn aufgenommen. Als Nachfolgerin der Revisorin Jacqueline Vögtli (Hochwald) stellte sich spontan Iris Keller («Schönmatt», Gempen) zur Verfügung.

Einer der grössten Arbeitgeber der Schweiz

Die Jahresrechnung 2012 schliesst mit einem Reingewinn von 13 000 Franken, sie wurde ebenso genehmigt wie das Budget mit den gleich bleibenden Jahresbeiträgen. Eine erste Rückstellung von 10 000 Franken wurde für die Delegiertenversammlung von Gastro Suisse getätigt, die voraussichtlich 2016 im Kanton Solothurn stattfinden wird. Das Darlehen für das Gastro-Bildungszentrum in Olten konnte von 200 000 auf 170 000 Franken reduziert werden und soll rasch weiter abgebaut werden. So stand der Décharge-Erteilung an den Vorstand nichts im Weg. Auch die Familienausgleichskasse von Gastro Solothurn befindet sich laut Peter Oesch in gesundem Zustand.

Seit 2008 hat sich der Mitgliederbestand von Gastro Solothurn von 589 auf 509 verringert. Unverändert gross ist aber die Bedeutung des Gastgewerbes auf dem Arbeitsmarkt: Mit landesweit 214 000 Beschäftigten und 9000 Lernenden ist es einer der grössten Arbeitgeber der Schweiz, wie Präsident Peter Oesch in Erinnerung rief.

Hoffnung auf Liberalisierung

Aus dem Vorstand von Gastro Suisse berichtete Josef Schüpfer (Basel) von einem sehr guten Zustand der Pensionskasse mit einem Deckungsgrad von 110 Prozent und einmalig tiefen Verwaltungskosten von 60 Franken pro Versicherten und Jahr: «Unsere Pensionskasse ist eine Perle», erklärte Schüpfer. Politisch setzt Gastro Suisse Hoffnung auf die Senkung des Mehrwertsteuersatzes, aber auch auf eine Liberalisierung des Agrarmarkts: «Mit der Liberalisierung wird das Gastgewerbe wieder aufblühen», prognostizierte Schüpfer. Bedenken der Schweizer Produzenten seien unberechtigt, denn die Liberalisierung bringe auch ihnen Erfolg: Der Wein- und der Käsemarkt seien völlig liberalisiert, und noch nie habe die Schweiz so viel Wein und Käse exportiert wie 2012.