Nach der beschwingten Ouvertüre von Mozarts «Hochzeit des Figaro» kehrte das Sinfonie Orchester Biel Solothurn (SOBS) zur Vorgeschichte des Grafenpaares zurück, intonierte «Barbiere di Siviglia» - und plötzlich erklang zwischen Rossini-Girlanden die Melodie von «Happy Birthday», brachte die Zuhörenden erstmals zum Schmunzeln. Nichts zu hören von Verschleisserscheinungen, das jubilierende SOBS ertönte frisch und vital, servierte originelle Variationen von «Happy Birthday» à la manière deHändel und anderen grossen Komponisten.

Vor 50 Jahren gelang es Jost Meier und Edi Benz, die verschiedenen Amateur- und Berufsorchester der Stadt Biel zu einem einzigen Klangkörper zu verschmelzen. Das damalige Unterfangen hat sich gelohnt: heute geniesst das Sinfonie Orchester Solothurn im In- und Ausland einen ausgezeichneten Ruf. Mit einem wahren «Best of»-Reigen, bei dem weder die Barcarole aus Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» und der gegenwärtig gespielten «Rheinnixen» fehlte, noch andere Klassik-Hits, eröffneten die Musikerinnen und Musiker das Jubiläumsjahr. Wendig, spielfreudig und von Chefdirigent Kaspar Zehnder brillant geführt, intonierte das SOBS ein Highlight nach dem anderen, liess das Neujahrskonzert zu einer rauschenden Geburtstagsparty werden. Die Streicher spielten die ersten Töne von Carmens «Habanera», als der punktierte Rhythmus plötzlich neben der Hauptmelodie des rebellischen Vogels Liebe zum viel zitierten «Happy Birthday» driftete und einmal mehr Publikumslachen erntete. Bei einem derartig beschwingt inszenierten Jubiläum passten Edgars «Pomp and Circumstance Marches» und Verdis Triumphmarsch hervorragend zu den spritzigen Happy Birthday-Variationen. Zumal die «Aida»-Trompeten das oft zitierte Geburtstagsmotiv schmetterten und die Nabucco-Ouvertüre mit dem populären Gefangenenchor fanfarenartig umschlossen.

«Ein Orchester ohne Publikum hat keine Daseinsberechtigung. Wir brauchen Euch», meinte der eloquent und amüsant moderierende Kaspar Zehnder und formierte die Zuhörenden zum Summ-Chor. Für einmal nicht aus der im Frühling auf dem Spielplan stehenden «Madama Butterfly», sondern für die Meditation aus Massenets Oper «Thaïs», mit deren Solopart die junge Konzertmeisterin Vladyslava Luchenko punktete und für einen elegischen Augenblick sorgte.

Das Sinfonie Orchester Biel Solothurn glänzt ja nicht nur in Oper und Konzert, sondern ist auch im Genre «Leichte Muse» daheim. Mit dem Potpourriaus Lehárs «Die lustige Witwe» kamen Operettenfreunde auf ihre Kosten. Die Zugabe «An der schönen blauen Donau» liess Neujahrsstimmung im Dreivierteltakt aufsteigen und einmal mehr das virtuose Einflechten des abschliessenden «Happy Birthday» bewundern.

Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri gratulierte der Jubilarin, dankte und lobte die Qualität. Das angsprochene Niveau spiegelte sich in der farbigen Wiedergabe von Dvoraks «Slawischen Tänzen» und Brahms «Ungarischen Tänzen». In den Dank schloss Fluri auch Teres Liechti Gertsch mit ein. Die Präsidentin des Vereins Freunde des Sinfonie Orchester Biel Solothurn kämpfte 2015 «wie eine Löwin» um das Überleben des SOBS. Kurt Fluri seinerseits versprach, sich auch künftig für die Finanzierung und die Kultur einzusetzen, damit das Sinfonie Orchester Biel Solothurn noch viele derart prickelnde und schäumende «Geburtstags-Sinfonien» aufführen kann.