366 Meldungen hat die Medienstelle der Solothurner Kantonspolizei im Jahre 2018 verschickt. Am 3. Januar die erste, sie betraf das Sturmtief Burglind und die zahlreichen Schadensmeldungen, die in diesem Zusammenhang eingingen. Die bis dato Letzte stammt vom 27. Dezember und macht Werbung in eigener Sache: Die Polizei umwirbt darin Nachwuchs.

Nun sind Polizeimeldungen grundsätzlich immer eine ernste Sache. Sie berichten von Verbrechen und Unfällen, verletzten Personen, manchmal sogar Todesopfern. Und trotzdem kommt man manchmal nicht umhin, sich zu fragen, wie gerade dieser Unfall zustande kommen konnte oder was sich jener Verbrecher in Gottes Namen dabei gedacht hat. Wir haben einige der aussergewöhnlichsten und skurrilsten Polizeimeldungen des abgelaufenen Jahres herausgesucht. Aufgelistet in chronologischer Reihenfolge.

17. Januar: Zugstrecke gesperrt – wegen Dach auf den Gleisen

         

Wer am 17. Januar mit dem Zug auf der Strecke Solothurn-Olten unterwegs war, musste längere Wartezeiten in Kauf nehmen, denn die Strecke war zeitweise gesperrt. Daran ist an sich noch nichts aussergewöhnlich. Die Ursache für die Sperrung dann schon eher. Ein Dach eines Unterstandes wurde von einem Sturm davongeweht, beschädigte einen Strommasten und landete schliesslich auf dem Gleis.

31. Januar: Wald wird zur Pneu-Deponie

Aufräumen ist nicht jedermanns Sache. Und erst recht nicht, wenn es um die Entsorgung von kontrollpflichtigen Abfällen geht. Anstatt über 100 alte Pneus etwa an eine Garage oder einen Reifenhändler abzugeben, entsorgten Unbekannte am 31. Januar die Ware kurzerhand im Buchegger Wald.

3. März: Passanten machen Lenker auf sein brennendes Auto aufmerksam

Ein Fahrer eines weissen Peugeots war am 3. März auf der Günsbergstrasse in Hubersdorf unterwegs, als er beim Bremsen einen seltsamen Geruch feststellte. Doch erst von Passanten wurde der Lenker darauf aufmerksam gemacht, dass sein Fahrzeug doch tatsächlich brannte. Er konnte sein Auto daraufhin unverletzt verlassen.

8. März: Hund an der Leine überfahren

Wer hat Hündin Cindy auf dem Gewissen?

Wer hat Hündin Cindy auf dem Gewissen?

Ursula P. verlor ihre Cindy auf tragische Weise: Als ihr die Hündin über die Strasse folgte, wurde diese überfahren. Der Lenker beging Fahrerflucht.

Diesen Spaziergang wird die Frau wohl nie mehr vergessen. Sie war am 8. März mit zwei Hunden in Härkingen unterwegs, als ein Autofahrer auf einem Fussgängerstreifen einen der angeleinten Hunde überfuhr. Das Tier verstarb noch auf der Unfallstelle, der Fahrzeuglenker flüchtete.

12. März: Polizist erschiesst entlaufenes Rind

Mehrere Rinder sind am 12. März von einer Weide in Langendorf ausgebüxt. Eines der Tiere verletzte sich dabei offenbar und rannte benommen umher. Dabei nahm es Kurs auf Passanten. Ein Polizist hat daraufhin das Tier erschossen. «Aus Gründen der Gefahrenabwehr musste das unberechenbare Tier von einem Polizisten erschossen werden», schrieb die Polizei damals in der Medienmitteilung.

26. Mai: Räuber mit Pistole bei Überfall von Verkäufer überwältigt

Mutiger Münzhändler überwältigt bewaffneten Räuber

Mutiger Münzhändler überwältigt bewaffneten Räuber

In Solothurn an der Schmiedegass wird Philipp Eppler überfallen. Geistesgegenwärtig kann er jedoch den Dieb festhalten bis die Polizei kommt.

Münzenhändler Philipp Eppler, der ein Geschäft in der Solothurner Altstadt betreibt, wurde am 26. Mai Opfer eines Raubüberfalls. Doch der Täter hätte sich an diesem Tag lieber ein anderes Opfer ausgesucht. Denn Eppler reagierte reflexartig, überwältigte den Räuber und hielt ihn gemeinsam mit einem Passanten bis zum Eintreffen der Polizei fest. Dass der Täter eine Schusswaffe dabei hatte, sei ihm erst danach aufgefallen. «Wenn ich von Anfang gesehen hätte, dass eine Waffe im Spiel ist, hätte ich anders reagiert», sagte Eppler danach.

15. Juni: Car-Fahrer baut Unfall – und fährt gleich selber ins Spital

Das nennt man Service. Am 15. Juni verlor der Chauffeur eines italienischen Reisecars die Kontrolle über sein Fahrzeug und fuhr in eine Leitplanke. Vier seiner Passagiere verletzten sich dabei. Der Chauffeur suchte daraufhin eigenständig das nächste Spital auf und lieferte seine Passagiere höchstpersönlich dort ab.

27. Juli: Mit geklautem Arbeitskarren auf Strolchenfahrt

Eine Schnapsidee hatten unbekannte Täter am 27. Juli in Olten. Sie brachen in das Baustellenareal der Oltner Kantonsschule ein und brachten einen Arbeitskarren zum Laufen. Anschliessend fuhren sie damit auf dem Areal herum. Dabei waren sie aber nicht in der Lage, das Fahrzeug zu kontrollieren. Denn es kippte um, grosser Sachschaden entstand. Der Eigentümer hat daraufhin eine Belohnung von 1'000 Franken zur Ermittlung der Täter ausgesetzt.

2. August: Mann in Schwimmring lässt sich von Motorboot ziehen – und wird ans Ufer geschleudert

Ein Unfall der Kategorie: Was hatte sich diese Person bloss dabei gedacht? Am 2. August setzte sich ein Mann auf einen aufblasbaren Schwimmring, der mit einem Seil an einem Motorboot befestigt war. Der Bootsführer gab Gas – und es kam, wie es kommen musste. In der ersten Kurve wurde der Mann aus dem Ring ans Ufer geschleudert. Mit erheblichen Verletzungen wurde er ins Spital gebracht.

7. August: Liebe macht blind

Solothurnerin zahlt Liebhaber 150`000 Euro

Solothurnerin zahlt Liebhaber 150`000 Euro

Immer mehr Verliebte werden von Internet-Bekanntschaften über den Tisch gezogen. Wie die Kapo Solothurn gegen diese Art von Kriminalität vorgeht.

Die Liebe ist ein seltsames Ding. Bringt sie doch tatsächlich Menschen dazu, an Personen, die sie noch nicht einmal persönlich kennen, gigantische Geldbeträge zu überweisen. Passiert so einer Solothurnerin, die einem Betrüger insgesamt 150'000 Euro überwiesen hatte. Dieser hatte sie online kontaktiert und ihr grosse Gefühle vorgegaukelt.

12. September: Pflug gestohlen

Räuber hatten am 12. September ein gar ungewöhnliches Diebstahls-Objekt auf dem Radar: Sie haben einen blauen Pflug gestohlen. Der Eigentümer hatte das Gerät bei einer alten Scheune abgestellt. Als er es abholen wollte, fehlte jede Spur davon. Speziell am Pflug: Der Landwirt hatte am hinteren Teil eigenhändig ein zusätzliches Gerät montiert.

26. September: Für seine Hanfanlage stahl er einen Gabelstapler

Mitte September hat die Polizei in Däniken eine Hanf-Indooranlage mit über 700 Hanfpflanzen ausgehoben. Weiter wurden rund drei Kilogramm Haschplatten sichergestellt und vernichtet. Doch damit nicht genug: Für den Betrieb der Anlage hatte der Verantwortliche einige Wochen zuvor bei einer Landi einen Gabelstapler gestohlen. Auch dieser wurde bei der Razzia sichergestellt.

10. Oktober: Erster Raubüberfall war erfolglos, also überfiel er den Volg im nächsten Dorf

Volg ausgeraubt

Volg ausgeraubt

Ein Unbekannter hat heute Morgen den Volg in Lohn-Ammansegg überfallen und ist mit Bargeld geflüchtet.

Fehlende Entschlossenheit kann diesem Mann wahrlich nicht vorgeworfen werden. In den frühen Morgenstunden des 10. Oktobers versuchte ein Täter, ein Lebensmittelgeschäft im Bernischen Aefligen zu überfallen – erfolglos. Davon liess er sich aber nicht beirren. Knapp zwei Stunden später überfiel der Mann den Volg im rund zehn Kilometer entfernten Lohn-Ammannsegg – und konnte diesmal mit Bargeld flüchten. Das Glück währte allerdings nicht lange: Anfangs November schnappte die Berner Kantonspolizei den Mann. Nebst den Läden in Aefligen und Lohn soll er in diesem Jahr noch eine ganz Reihe anderer Läden überfallen und insgesamt mehrere zehntausend Franken erbeutet haben.

7. November: Ein Jugendstreich verärgert eine ganze Gemeinde

Dass ihre jugendlichen Dummheiten solche Folgen haben würden, hätten sich ein 15- und ein 17-Jähriger wohl selber nicht gedacht. In mehreren Gemeinden im Thal verschmierten sie verschiedene Gebäude und Einrichtungen mit einem Filzstift. Davon betroffen war auch der neue Gemeindespielplatz in Matzendorf, der noch nicht einmal eingeweiht war. Dies stiess den Betroffenen besonders sauer auf. So sauer, dass die Gemeinden eine Belohnung von rund 1500 Franken für Hinweise zur Ermittlung der Täter aussetzten. Mit Erfolg: Eine Woche später konnte die Jugendpolizei die beiden Sünder ermitteln.

21. November: Viel Lärm – wenig Ertrag: Tierschützer besetzen Schlachthof

Aktivisten hindern Bell beim Schlachten

Aktivisten hindern Bell beim Schlachten

Diverse Aktivisten belagern das Gelände der Bell Food Group in Oensingen (SO). Der Schlachtbetrieb ist eingestellt.

Für viel Lärm sorgten über 100 Tierschutz-Aktivisten am 21. November. Sie drangen in der Nacht in den Schlachthof von Bell in Oensingen ein und ketteten sich in den sogenannten «Todesgängen» selber fest. Mit Bolzenschneidern schnitt die Polizei die Menschen im Verlauf des Tages los und führte sie vom Gelände. Einige Personen wurden dabei leicht verletzt. Ausser viel Lärm hat die Aktion allerdings wenig Zählbares gebracht: Die Rinder wurden an diesem Tag einfach in anderen Schlachthöfen getötet.

17. Dezember: Trickbetrüger ergaunert über 100'000 Franken von Seniorin

«Hallo, hier ist die Polizei. In Ihrer Umgebung treiben Einbrecher ihr Unwesen. Wir bieten Ihnen an, vorbeizukommen, Ihre Wertsachen mitzunehmen und sicher zu verstauen, bis die Gefahr gebannt ist.» Wenn auch wohl nicht wortwörtlich so, hat diese Masche im Schwarzbubenland bei einer Seniorin doch tatsächlich funktioniert. Die betagte Frau verlor Bargeld und Schmuck im Wert von über 100'000 Franken an einen Betrüger. Damit aber nicht genug: Dass die Masche funktionierte, machte die Runde. In den Folgetagen versuchten Betrüger diesen Trick rund 20 mal in der Gemeinde Kleinlützel – jedoch erfolglos.