Welche Kantonsrätinnen und Kantonsräte haben in den letzten vier Jahren gezeigt, dass sie «etwas auf dem Kasten» haben und deshalb wiedergewählt werden sollten? Und welche neu antretenden Politiker haben das Potenzial, im Parlament mit ihrem Können aufzutrumpfen? Die Kantonsredaktion dieser Zeitung hat ihre Wahl getroffen und präsentiert ihre insgesamt 20 «Herzdamen» und «Herzbuben» (siehe die Jasskarten).

An 64 Tagen sassen wir Journalisten in den letzten vier Jahren als Vertreter der Öffentlichkeit im Kantonsrat. Wir haben die Voten der Parlamentarier verfolgt und ihre Arbeit scharf beobachtet. Jetzt ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Unabhängig von Geschlecht, Alter, regionaler Herkunft und parteipolitischen Präferenzen haben wir für uns den Entscheid getroffen, welchen der bisherigen Kantonsräte wir auch im kommenden Mai wieder im Parlamentssaal sehen möchten – und wen lieber nicht.

Ohne Regierungskandidaten

In die «Top 20» der Kantonsredaktion hat es geschafft, wer sich durch besondere Sprachgewandtheit, Intelligenz, Durchsetzungsfähigkeit oder politische Erfahrung auszeichnet. Entscheidend ist aber auch der Einfluss eines Kantonsratskandidaten in Partei und Parlament oder sein Gewicht als Interessenvertreter.

Dutzende Namen wurden von uns in die Waagschale geworfen, geprüft und wieder verworfen: Am Schluss haben es 16 Bisherige und vier Newcomer in die «Top 20» (ein Fünftel des Kantonsrats) geschafft. Unter ihnen befinden sich führende Parteistrategen wie Franziska Roth (Präsidentin SP), Sandra Kolly (designierte Präsidentin CVP), Felix Wettstein (Co-Präsident Grüne) und Yves Derendinger (Fraktionschef FDP). Zum Team gehören aber auch gute Redner und originelle Querdenker wie Urs Huber (SP) oder Markus Knellwolf (GLP), einflussreiche Interessensvertreter wie Peter Brügger (FDP, Bauernsekretär) und Kuno Tschumi (FDP, Präsident Gemeindeverband) oder auch der allseits für seine Arbeit gelobte Kantonsratspräsident 2012, Christian Imark (SVP).

Kandidierende, die zugleich zu den Regierungsratswahlen antreten, haben wir von einer Wahl in unser Wunschteam ausgeschlossen. Damit ist eine indirekte Wahlempfehlung für die Regierungskandidaten Remo Ankli, Roland Fürst, Roland Heim, Albert Studer und Brigit Wyss ausgeschlossen. In den fünf Ratings der bisherigen und neuen Kandidierenden (siehe Kästen unten) tauchen ihre Namen jedoch allenfalls auf.

Rhetoriker gegen Hinterbänkler

In den vier Ratings aller bisherigen Parlamentarier stützt sich die Kantonsredaktion einerseits auf objektiv überprüfbare Kriterien: Welcher Parlamentarier hat mit einem persönlichen Vorstoss tatsächlich etwas bewegen können («Die Erfolgreichen»)? Und wie oft hat der Politiker die Sessionen geschwänzt (darunter fallen natürlich auch entschuldbare Gründe wie eine Krankheit)? Andererseits stützten wir uns auf unsere Beobachtungen im Kantonsrat: Wir haben eine Liste der besten Rhetoriker erstellt – und uns gefragt, wen wir in den letzten vier Jahren gar nicht oder nur höchst selten sprechen gehört haben («Die Hinterbänkler»). Schliesslich haben wir auch eine Hitliste derjenigen Politiker erstellt, die am 3. März neu zu den Wahlen antreten («Newcomer»). Von ihnen erwarten wir besonders viel frischen Wind im Ratssaal, falls sie gewählt werden. (sff, esf, mz, ums.)