Kein Gebäude in der Stadt Solothurn übt eine solche Anziehung aus und ist so identitätsstiftend wie die St.-Ursen-Kathedrale.» Das sagte anlässlich der Preisverleihung der Solothurner Architekturpreise diese Woche in Grenchen Jurymitglied Daniel Kündig, Zürich.

Der mutige Entscheid der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Solothurn, die Kathedrale nach dem Brandanschlag vom Januar 2011 einer ganzheitlichen Restauration zu unterziehen und gar den Chorraum neu gestalten zu lassen, wurde jetzt belohnt.

«Die Auszeichnung gilt dem ganzheitlichen vorbildlichen Umgang mit sensibler und historischer Bausubstanz sowie der geschichtlichen wertvollen teilweisen Rückführung zum Urzustand», heisst es im Jurybericht. Entsprechend gross war die Freude beim Architekten- und Künstlerteam.

Preis an Gebäude in desolatem Zustand

Ebenfalls mit einem Preis wurde die Umnutzung der ehemaligen Schuhfabrik Hug in Dulliken bedacht. «Als Zugsreisender zwischen Olten und Zürich kennt jeder die Hugi», sagte Kündig dazu und zollte dem Kanton Solothurn Respekt, dass dieser im Jahr 2011 dieses Gebäude trotz des desolatem Zustandes unter Schutz stellte.

Nun hat sich ein Investor gefunden und darin 45 moderne Wohneinheiten einbauen lassen. Im Jurybericht heisst es darüber: «Der Schutz und die Wiederbelebung eines Industriedenkmals unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Ansätze ist das besondere und auszeichnungswürdige Verdienst des Umbaus.»

Neben diesen beiden Preisträgern vergab die Jury Anerkennungen an fünf weitere Projekte.

Es sind dies: der Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, mit dem beste Voraussetzungen für Studierende und Mitarbeitende geschaffen worden seien; die Fassadensanierung des Säli-Schulhauses in Olten, einem Musterbau der so genannten «Solothurner Schule» von Zaugg/Barth, der damit subtil ins 21. Jahrhundert überführt wurde; der Umbau des Kantonsratssaals im historischen Rathaus von Solothurn aus dem 16. Jahrhundert, neu gestaltet und vor allem technisch dem heutigem Standard angepasst; das Wohnhaus Stöckli an der Römerstrasse in Balsthal, ein Bau, der aufzeigt, wie Traditionen gelebt werden können und wie sich lokale und nachhaltige Ressourcen zeitgemäss integrieren lassen.

«Ein Beispiel leidenschaftlicher Architektur», meinte Jurymitglied Kündig. Und der Solothurner Kunstschaffende Ruedi Fluri, der zusammen mit dem Quartierverein Weststadt Solothurn mit zwei Projekten im öffentlichen Raum, geschaffen aus Recyclingpapier, für viel Aufsehen sorgte. Insgesamt wurden 21 Projekte, die in den vergangenen drei Jahren entstanden sind, eingereicht.

Alle prämierten Objekte werden im Kunsthaus Grenchen gezeigt. Bis 17. Nov.