Der Vorstand und die Mitarbeiterinnen von Lysistrada, der Fachstelle für Sexarbeit im Kanton Solothurn, stellten der Mitgliederversammlung jüngst ihren Jahresbericht vor. Für den Vorstand stand das Jahr 2017 ganz im Zeichen der Konsolidierung. In den Jahren davor hatte man stets grössere Projekte umgesetzt und sich mit gesetzlichen Neuerungen im Sexgewerbe im Kanton Solothurn auseinandersetzen müssen.

2017 wollte man nun die Entwicklung dieser Projekte – einer festen Beratungsstelle als Ergänzung zum aufsuchenden Angebot und der neuen Homepage – und die Auswirkungen des neuen kantonalen Wirtschaftsgesetzes auf die Basisarbeit beobachten. 2018, so blickte der Vorstand voraus, sollen aus den Erkenntnissen Konsequenzen für die Arbeit von Lysistrada gezogen werden.

Die Umsetzung des Wirtschaftsgesetzes, in dessen Rahmen seit 2016 auch das Sexgewerbe geregelt ist, hat dazu geführt, dass die Kontakte der Mitarbeiterinnen der Fachstelle zu Sexarbeitenden abgenommen haben: «Das Gewerbe ist vordergründig geschrumpft, es kam zu Besitzerwechseln und insbesondere kleinere Etablissements, in denen Sexarbeitende relativ selbstständig und unabhängig arbeiten können, mussten schliessen», hiess es.

Das liegt, führte die Sozialarbeiterin der Fachstelle, Melanie Muñoz, aus, daran, «dass es den Betreibern und Betreiberinnen dieser kleineren Gewerbe oft nicht möglich ist, eine Betriebsbewilligung einzuholen». Zum einen sei das Gesetz nicht völlig eindeutig, wer diese Bewilligung einzureichen hätte, zum anderen seien die administrativen Hürden für viele kleinere Gewerbe schlicht zu hoch.

Dass das Gewerbe deswegen aber tatsächlich kleiner geworden sei, bezweifelt die Fachstelle. Vermutlich sei es in andere Kantone oder in Privaträume abgewandert und werde nur noch im Internet beworben. «Die Sexarbeitenden bewegen sich im Kanton Solothurn also wohl vermehrt in der Illegalität, wodurch sie auch für Lysistrada nicht mehr erreichbar sind und ihre Arbeitsbedingungen prekärer werden», lautet die Erklärung der Fachstellen-Mitarbeitenden.

Mehr Besuche pro Geschäft

Auch wegen der Abnahme der Kontakte konnte Lysistrada 2017 einen Gewinn verbuchen: Die Aufwände für die Betriebsführung haben abgenommen und der Verein durfte erneut ein gutes Spendenjahr verzeichnen. Um 2018 die Budgetvorgaben besser zu erfüllen, soll die Anzahl der Besuche in den Etablissements im Kanton erhöht werden.

Das Ziel dabei: «Durch vermehrte Kontakte kann die Beziehungsarbeit verbessert und das Vertrauen vertieft oder – bei den vielen neuen Betreiberinnen und Betreibern – überhaupt erst hergestellt werden.» Dies, so die Fachstelle-Mitarbeitenden in ihrer bilanzierenden Analyse, sei «eine positive Folge davon, dass das Angebot an sexuellen Dienstleistungen im Kanton Solothurn – zwar eben nur vordergründig, aber damit auch für die Arbeit von Lysistrada – geschrumpft ist.» (fgu)