Das Wetter ist eine Pracht, die Sonne wärmt. Der Bauernbetrieb mit dem Restaurant Sennhaus liegt auf 1255 Meter über Meer, direkt unterhalb des Kurhaus Weissenstein. Die Tische auf der Gartenterrasse stehen bereit. Es ist noch früh, ein erster Gast trinkt seinen Morgenkaffee. Die Stimmung ist friedlich, bald werden weitere Wanderer und Geniesser einkehren.

«Sehr erleichtert»

Die Aussicht ins Mittelland wird zwar aus topografischen Gründen weiterhin verwehrt bleiben, aber der wirtschaftliche Ausblick wird sich in absehbarer Zeit verbessern. Spätestens im Herbst 2014 wird der Solothurner Hausberg wieder mit einer Bahn erschlossen sein – und zusätzlich Gäste auch in die traditionsreiche «Sennhütte» lotsen. «Wir sind sehr erleichtert, dass der Weissenstein bald wieder mit der Bahn erschlossen sein wird», sagt denn auch Franz Niederberger-Meister. Zusammen mit seiner Frau Annemarie, seinem Bruder Willy Niederberger-Halter und dessen Ehefrau Theres führt er den stattlichen Bauernbetrieb mit Gastroangebot. Die frohe Botschaft ist durchaus ein schönes Geburtstagsgeschenk, denn das Restaurant auf dem Berg wurde vor ziemlich genau 30 Jahren, im Mai 1983, durch die Familie Niederberger wiedereröffnet.

Umsatzeinbussen

Die Freude ist mehr als nachvollziehbar, denn die Schliessung der Bahn Anfang November 2009 und der bis diese Woche dauernde juristische Bahnstreit hat dem «Unternehmen» Sennhaus zugesetzt. Die Umsatzeinbussen im Restaurationsbetrieb beziffert Franz Niederberger je nach Jahr auf 20 bis 40 Prozent. «Insgesamt haben wir in der bahnlosen Zeit bislang rund ein Drittel Umsatz verloren.» Das geht an die Substanz, erzielten doch die beiden Familien vor der Bahnstilllegung mit dem Restaurant mehr Einkommen als mit der Landwirtschaft. Aktuell verteile sich das Einkommen je hälftig auf den Bauern- und Gastrobetrieb.

Im April 1983 zogen die Eltern Josef und Agatha Niederberger mit ihren Kindern vom Kanton Zug auf den Weissenstein. «Die Züglete umfasste mehrere Fahrten mit Lastwagen und einem Traktorzug mit Ladewagen, vollgestopft mit Material, Vieh, Maschinen und Hausrat», erinnert sich Franz Niederberger. Mit der Besitzerin, der Bürgergemeinde Solothurn, wurde ein Erbpachtvertrag über 50 Jahre abgeschlossen. Anfang 1990 haben Willy und Franz Niederberger das Sennhaus von ihren Eltern übernommen und seither mehrfach erweitert und saniert. Umgebaut und modernisiert wurden auch Küche und Gaststube. Den alten Stall haben die Familien renoviert, und er wird heute als Bankett- und Partyraum genutzt.

Flächenmässig ein Grossbetrieb

Der Bauernbetrieb besteht aus Milchvieh, Aufzucht, Kälbermast, Futterbau und Sömmerung von Mutterkühen. Im Durchschnitt halten die Niederbergers 55 Kühe und Kälber, im Sommer kommen rund 70 «Sömmerungstiere» hinzu, erklärt der Landwirt. Flächenmässig ist das Sennhaus ein Grossbetrieb. Bewirtschaftet werden 47 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche und 43 Hektaren Sömmerungsweide.

Jetzt erhoffen sich die Bauernfamilien mit dem Bahnbetrieb ab Herbst 2014 wieder einen Aufschwung im Gastrobereich. Insbesondere im Winter, wenn der Berg vorerst nur zu Fuss erreichbar ist, wird eine deutliche Verbesserung erwartet. «Wir rechnen, dass wir wieder mindestens gleich viel Umsatz erwirtschaften können wie vor der Bahnschliessung», sagt Niederberger. Je nach Bahnbetrieb sei denkbar, dass auch das Angebot angepasst wird. Niederberger denkt etwa an zeitweise verlängerte Öffnungszeiten am Abend, weil die Bahn auch nachts fahren könne. Kein Thema sei dagegen ein Übernachtungsangebot: «Dafür haben das Kurhaus und das Restaurant Hinter-Weissenstein bereits die nötige Infrastruktur.»