Es geht nur aufwärts bei Benevol, der Beratungs- und Vermittlungsstelle für Freiwilligenarbeit; jedenfalls was die finanzielle Unterstützung durch den Kanton Solothurn angeht. Ende September hat der Regierungsrat entschieden, Benevol für 2017 und 2018 je 150 000 Franken jährlich aus dem Lotteriefonds auszuzahlen.

Das sind pro Jahr satte 70 000 Franken mehr als die bisherigen 80 000 Franken. Damit hängt die Fachstelle nun fast komplett vom Geldsegen aus dem Lotteriefonds ab.

Überhaupt: Seit die Organisation 2005 gegründet wurde, sind die Zuwendungen stetig gestiegen. Das hätte eigentlich anders sein sollen. Geplant war ursprünglich nur eine einmalige Anschubfinanzierung von 20 000 Franken.

Doch Benevol gelang es nie, selbst Geld aufzutreiben. Und so stiegen die Zuwendungen aus dem Lotteriefonds stetig. Seit 2009 ist es fast eine halbe Million Franken. Zuletzt waren es 80 000 Franken jährlich.

Obwohl sich Benevol über Jahre nie selbst finanzieren konnte, darf die Organisation jetzt sogar ihre Geschäftsstelle ausbauen. Es wird nicht nur eine neue Mitarbeiterin eingestellt, sondern auch geplant, neben der bisherigen Geschäftsstelle in Olten noch eine Zweigstelle in Solothurn zu eröffnen. Möglich ist das wegen der zusätzlichen Lotteriefondsgelder.

Zudem bekommt Benevol neu noch 50 000 Franken jährlich aus dem kantonalen Integrationsfonds, um Freiwilligenprojekte im Bereich Flüchtlingswesen aufzugleisen. Sowohl die Lotteriefondszahlung als auch der Beitrag aus dem Integrationsfonds stammen aus dem gleichen Haus: Anlaufstelle ist das Sozialdepartement von SP-Regierungsrat Peter Gomm.

Reihe von Institutionen profitiert

Der Lotteriefondsbeitrag an Benevol sei rechtlich korrekt, heisst es dort. Dass solche Zahlungen aus dem Lotteriefonds nicht ganz ohne argumentative Verrenkungen geschehen können, scheint sich jedoch im neusten Regierungsratsbeschluss zu zeigen, der die Gelder für Benevol beschliesst: Offiziell wird der Antrag nicht als Strukturerhaltung, sondern als Unterstützung von fünf Projekten verkauft.

Die ersten drei «Projekte» beschreiben jedoch nichts anderes als die Tätigkeiten, die Benevol immer getan hat. Überspitzt könnte man sich gar fragen, ob nicht eine Submission nötig wäre mit dem Titel «Betreiben einer Freiwilligenkoordinationsstelle»: Schliesslich finanziert der Kanton die Stelle inzwischen seit Jahren, zuletzt mit über 85 Prozent des Benevol-Budgets.

Der Schwellenwert von 150 000 Franken pro Jahr ist mit den neuen Lotteriefondsbeiträgen erreicht. Doch beim Kanton winkt man ab. Aufträge an Wohltätigkeitseinrichtungen fielen nicht unter das Submissionsgesetz, heisst es.

Benevol ist nicht die einzige soziale Institution, die seit Jahren auf regelmässige finanzielle Hilfe aus dem Lotteriefonds zählen kann. Die Fachstelle Kinder und Familien erhält seit 2013 jährlich 20 000 Franken, um eine Internetplattform über die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsplätzen zu betreiben.

Die Oltner Arkadis-Stiftung hat in den vergangenen Jahren 375 000 Franken erhalten, um sozial benachteiligte Kinder im ländlichen Raum zu unterstützen. Der Verein Kompass erhält seit 2014 und noch bis 2017 jährlich 160 000 Franken aus dem Lotteriefonds für Elternbildungsangebote. Die kantonale Jugendförderung wird mit jährlich 200 000 Franken gespiesen. Der Museumsverbund Musesol erhält seit 2010 70 000 Franken jährlich.

Keine Angst vor Sparprogrammen

Damit stellt sich die Frage, wer einen wie guten Zugang zum Lotteriefondstopf hat. Im Gegensatz zum Kanton Waadt entscheidet auch nicht eine unabhängige Kommission über die Vergabe. Im Kanton Solothurn ist der Lotteriefonds beim Sozialdepartement angesiedelt, der abschliessende Entscheid liegt beim Regierungsrat.

Dass die Nähe zum Departement, das für den Lotteriefonds verantwortlich ist, zumindest in Sachen Planungssicherheit Vorteile haben könnte, lässt ein aktuelles Beispiel vermuten. Die Aktionstage psychische Gesundheit, an der das Sozialdepartement selbst beteiligt ist, sind am 26. Oktober gestartet. Erst zwei Tage zuvor genehmigte der Regierungsrat offiziell den Lotteriefondsbeitrag, der in der Vergangenheit gegen 100 000 Franken betrug. Wer sonst kann so kurzfristig planen?

Klar ist: Wer aus dem Lotteriefonds Geld erhält, ist sicher vor Sparmassnahmen des Kantons. Die Fachstelle Kinderschutz wurde letztes Jahr wegen der Sparbemühungen des Kantons geschlossen. Jetzt erhält die Perspektive 100 000 Franken jährlich, um den Parcours «mein Körper gehört mir» weiterzuführen.

Klar ist auch: Eine breite Mitbestimmung, welche sozialen Angebote der Kanton fördern und unterstützten soll, gibt es im Kanton so nicht. Anders war dies im Aargau: Dort musste Benevol vor einigen Jahren um die Kantonsbeiträge zittern. Der Grosse Rat wollte sparen, tat es dann aber nicht. Solche Sorgen muss sich Benevol Solothurn nicht machen.

Beim Kanton spricht man von «wenigen Ausnahmefällen», die vom Lotteriefonds abhängig seien. «Es gilt zu bedenken, dass diese Organisationen, keine besonders günstige Ausgangslage haben, Drittmittel in substantieller Höhe zu generieren. Trotzdem erbringen sie wichtige Aufgaben.» Zudem sei die rechtliche Situation mit dem Aargau nicht vergleichbar.