Pandemie
Das Risiko, sich im Spital anzustecken – trotz Schutz- und Hygienemassnahmen

Ansteckungen innerhalb der Spitäler sind möglich, sollen aber möglichst verhindert werden. Was die Solothurner Spitäler AG dazu sagt.

Rebekka Balzarini
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«Dass ich mich ausgerechnet im Spital hätte anstecken können, beschäftigt mich sehr», erzählt Walter Lehmann. (Symbolbild))

«Dass ich mich ausgerechnet im Spital hätte anstecken können, beschäftigt mich sehr», erzählt Walter Lehmann. (Symbolbild))

Keystone/GAETAN BALLY

Eigentlich wollte sich Walter Lehmann nach einem Eingriff an der Schulter nur kurz im Spital behandeln lassen, der Aufenthalt endete für ihn aber mit einem Schrecken. Statt sich daheim bei seiner Frau von der Operation an der Schulter zu erholen, musste er für 10 Tage in Quarantäne.

Der Grund dafür war sein Zimmernachbar im Bürgerspital in Solothurn, erzählt Lehmann. Nachdem er eine Nacht mit einem anderen Patienten im gleichen Zimmer geschlafen hatte, durfte er am nächsten Morgen nach einem Spaziergang auf dem Gang plötzlich nicht mehr in sein Zimmer zurückkehren. Das Pflegepersonal teilte ihm mit, dass sein Zimmernachbar positiv auf das Coronavirus getestet worden sei.

Situation könne im Spital vorkommen

Lehmann musste sich deshalb 10 Tage in Quarantäne begeben, zuerst im Spital, danach daheim in seiner Wohnung. Erkrankt sei er in dieser Zeit nicht, erzählt er erleichtert. Trotzdem ärgere er sich noch heute über den Vorfall. Dies, weil er in seinem Alltag sonst sehr darauf Acht gebe, sämtliche Schutzmassnahmen einzuhalten. «Ich bin über 70 Jahre alt und gehöre aufgrund einer Vorerkrankung zu der Risikogruppe», erzählt er. «Dass ich mich ausgerechnet im Spital hätte anstecken können, beschäftigt mich sehr.»

Auf Anfrage bestätigt die Solothurner Spitäler AG (soH): Die von Lehmann beschriebene Situation könne während einer Pandemie im Spital vorkommen. Im Spital halte man sich an die Richtlinien von Swissnoso, dem nationalen Zentrum für Infektionsprävention. Nicht alle Patienten, die in das Spital eintreten, würden automatisch auf das Coronavirus getestet. «Bei der Testung von stationären Patienten halten wir uns an die entsprechenden Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit. Patienten, welche bereits mit Covid-Verdacht eintreten, sind bis Vorliegen des Resultats auf einer speziellen Verdachtsstation in Quarantäne», schreibt die soH.

«Ansteckung kann bereits vor Aufenthalt erfolgt sein»

Es könne aber trotzdem vorkommen, dass Patienten, bei denen ein Verdacht besteht, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben, mit anderen Patienten in einem Mehrbettzimmer liegen. Etwa dann, wenn ein Patient erst während des Spitalaufenthaltes Symptome entwickelt, so die soH. «Unter Einhaltung der Platzisolation ist es möglich, dass Patienten, bei denen das Testresultat noch aussteht, im gleichen Zimmer hospitalisiert sind.» Dass es aufgrund von Platzmangel im Spital dazu kommt, dass Patienten in Quarantäne oder Isolation nicht mehr von den anderen Patienten isoliert werden können, sei nicht der Fall: «Auch wenn die Auslastung der Solothurner Spitäler aktuell sehr hoch ist, können wir die Schutz- und Hygienemassnahmen bis dato lückenlos umsetzen.»

Vorfall hat auch finanzielle Folgen

Die Frage danach, ob es unter den Patienten im Spital zu Übertragungen gekommen ist, beantwortet die soH nicht eindeutig. «Aufgrund der Eigenschaften von Covid ist oft nicht klar, auf welchem Weg sich Patienten angesteckt haben. Die Ansteckung kann bereits vor dem Spitalaufenthalt erfolgt sein», so die soH. «Die potenzielle Inkubationszeit für Covid-19 kann stark variieren und in Einzelfällen bis zu 10 Tage betragen. Auch ist nicht auszuschliessen, dass es durch Besucher zu Ansteckungen kommt.» Im Spital würden aber alle notwendigen Massnahmen getroffen, damit es zu keinen Übertragungen komme.

Für Walter Lehmann hat der Vorfall auch finanzielle Folgen, erzählt er. Statt sich von seiner Frau pflegen zu lassen, habe er die Spitex aufbieten müssen. Die Kosten dafür müsse er wohl selber tragen, befürchtet er.

Laut der soH muss das Spital die Kosten für die Behandlung nicht übernehmen, weil die Quarantänebestimmungen nicht vom Spital erlassen würden, sondern vom Kanton.

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