100 Überstunden darf ein Kantonsangestellter im Laufe eines Jahres anhäufen und ins Folgejahr mitnehmen. Dies entspricht einer Arbeitszeit von ungefähr zweieinhalb Wochen. Wer mehr arbeitet und seine Überzeit nicht kompensiert, dem werden die Stunden unter gewissen Bedingungen ausbezahlt, ansonsten verfallen sie.

Seit drei Jahren wendet der Kanton Solothurn dieses Konzept an, berichtet der Personalchef Urs Hammel auf Anfrage. «Wir haben eigentlich keine Probleme wegen zu vielen Überstunden», so Hammel. «Wir fahren gut mit unserem Modell.» Dieses erarbeitete sein Amt im November 2013 als Ergänzung zum Gesamtarbeitsvertrag. Damals wurden immer wieder Gesuche für Auszahlungen von Überstunden eingereicht. Dem wollte das Personalamt entgegenwirken und gleichzeitig die Bedingung für Auszahlungen vereinheitlichen.

Je nach Kaderposition kann nun erst nach einer bestimmten Anzahl geleisteter Überstunden eine Auszahlung gefordert werden. Verrichtet ein Mitarbeiter aus dem hohen Kader zusätzliche Leistungen, welche einem Pensum von zehn Prozent oder 200 Stunden entsprechen, erhält er keine Auszahlung.

Ein Mitarbeiter in mittlerer Kaderposition darf ab 150 zusätzlichen Stunden eine Auszahlung fordern, ein Angestellter im unteren Kader ab 100. Die «positive Gleitzeit», die unter diesen Werten liegt, soll kompensiert werden. Wer seine Stelle wechselt oder pensioniert wird, dem können die angesammelten Stunden restlos ausbezahlt werden.

Keine Auszahlung ohne frühzeitigen Antrag

«Generell pflegen wir einen eher zurückhaltenden Umgang mit der Auszahlung von positiven Gleitzeitsaldi», so Hammel. Wer eine Auszahlung für die zusätzliche Arbeitszeit wünscht, muss von seinem Vorgesetzten einen Antrag bewilligen lassen, der dann an das Personalamt gelangt.

Dies sollte bereits geschehen, bevor die Mehrarbeit erbracht wird. Also dann, wenn Aufträge anstehen, für die voraussichtlich Überstunden geleistet werden müssen. Über alle Amtsstellen hinweg gilt die Regelung, dass ein Kantonsangestellter nicht mehr als zwölf Stunden pro Tag, und 60 Stunden in der Woche arbeiten darf.

Die Arbeitszeiten werden elektronisch mit einem Badge erfasst. Zwar sind der Weisung des Personalamts gewisse Richtlinien für die verschiedenen Verwaltungsstellen zu entnehmen, das letzte Wort haben allerdings die Amtschefs. Diese sind laut Hammel dafür verantwortlich, ihre Mitarbeiter auf anstehende Überstunden hinzuweisen und bestimmen über den Stichtag, an welchem die Überzeit abgerechnet wird. Dieser kann durch das zuständige Departement verschoben werden.

Grosse Unterschiede zwischen den Ämtern

Laut Hammel gibt es bei der Verwaltung «sehr wenig» Überzeit. Genaue Daten besitzt das Personalamt aber nicht. Wie sieht die Situation in den einzelnen Ämtern aus? Im kantonalen Geschäftsbericht ist eine Anzahl «ausbezahlter Überstunden» der verschiedenen Abteilungen aufgeführt. Im Steueramt wurden 2014 61 Stunden entschädigt. Das Steueramt zahle durchschnittlich etwa 60 Franken pro Stunde, sagt Steueramtschef Marcel Gehrig.

Er fügt hinzu, dass es beim Staatspersonal keine «Überstunden im grossen Stil» gibt. «Es gehört dazu, dass man manchmal Mehrarbeit leistet und diese wenn möglich auch kompensiert.» Im Amt für Justizvollzug war das im letzten Jahr nicht immer möglich. 704 Stunden wurden ausbezahlt, teilt das Amt mit. 2014 waren es 75. Der «markante» Unterschied liege an der Kompensation von Mehrarbeit aufgrund mehrerer Abwesenheiten von Mitarbeitern, die aus gesundheitlichen Gründen ausfielen. Pro Stunde wurde ein Betrag von 49 Franken gezahlt.

Auch im Personalamt wurden 2014 Überstunden entschädigt. Laut dem Personalchef handelt es sich dabei um 105 Stunden und einen ausbezahlten Betrag von 6111 Franken. «Es ging um den Ausgleich des Gleitzeitsaldos bei einem Austritt», erörtert Hammel die Summe. Keine ausbezahlten Überstunden gab es 2014 im Strassenbauamt. Das liege daran, dass das Jahresarbeitszeitmodell konsequent umgesetzt werde, so der Leiter für zentrale Dienste Stefan Schneider.

Das Amt für Umwelt zahlte 2015 ebenfalls keine Überstunden aus. Der Verantwortliche für Administration, Meinrad Flück, meint dazu: «Überstunden sind immer zu kompensieren, daher sprechen wir nur von einem Gleitzeitsaldo und nicht von Überstunden. Für alle Mitarbeitenden wird ein entsprechendes Gleitzeitkonto geführt.» Die Kantonspolizei Solothurn und das Amt für soziale Sicherheit nahmen bis Redaktionsschluss nicht an der Umfrage teil.

«Überzeit» besteht nicht nur aus Überstunden

Im kantonalen Geschäftsbericht ist unter der Rubrik «Überzeit» zwar aufgeführt, wie viele Stunden die einzelne Ämter ausbezahlt haben. Diese Zahlen beinhalten jedoch nicht nur Überstunden, die die Mitarbeiter geleistet haben, sondern auch die Stunden, die vor einem Austritt noch nicht kompensiert wurden und deshalb ausbezahlt werden.

Auch werden die Anzahl Stunden, die einer temporär arbeitenden Person bezahlt wurden, in dieser Rubrik aufgeführt. Dies ist laut der stellvertretenden Personalchefin Regula Nünlist mit ein Grund, weshalb sich die «Überzeit» in den einzelnen Ämtern zum Teil massiv unterscheidet. Denn nicht in jedem Amt gibt es in einem Jahr gleich viele Austritte, für die restliche Stunden ausbezahlt werden, oder Stellenwechsel, bei welchen dasselbe erfolgt.

Auch Personalchef Hammel relativiert die Zahlen, die der Geschäftsbericht hergibt. Daraus sei nicht auf die effektiv geleisteten Überstunden zu schliessen. Diese sollen künftig in einem neuen System, getrennt von Rubriken wie Absenzen, Feriensaldo oder Fluktuation, ersichtlich sein. Derzeit arbeite das Personalamt «am Aufbau eines zentralen Personalcontrollings», berichtet Hammel. Man befinde sich momentan in der «Grobkonzeptphase».