Pädagogische Hochschule

Das neue Sek-I-Studium hat sich noch nicht etabliert

Nur gerade 2 Personen haben das Masterstudium Sek I begonnen (Symbolbild)

Nur gerade 2 Personen haben das Masterstudium Sek I begonnen (Symbolbild)

28 Personen nützen das Lehrangebot in Solothurn – aber nur 2 absolvieren den regulären Studiengang. Diese Zahl entspricht nicht den Vorstellungen der Bildungsstrategen. Dennoch ist man an der Hochschule vorsichtig optimistisch.

Auf dem Campus der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz in Solothurn tummeln sich seit einigen Wochen mehr Studierende als in den letzten Jahren. Starteten im letzten Herbst 86 Personen ihr Studium in Solothurn, haben Mitte September 124 Männer und Frauen eine Lehrerausbildung in Angriff genommen. 28 davon haben sich für das neu in Solothurn angebotene Studium auf der Sekundarstufe I eingeschrieben. 96 Studierende belegen die bisherigen Studiengänge zur Primarlehrperson, entweder auf der Vorstufe/Unterstufe (Kindergarten und die ersten beiden Primarschulklassen) oder der Primarstufe (1. bis 6. Klasse).

Nur 2 Studenten im Masterstudium

Mit Beginn des neuen Studienjahres ist es möglich, an der PH in Solothurn den zweijährigen Masterstudiengang zur Sek-I-Lehrperson zu absolvieren. Und das heisst: Männer und Frauen, die eine Primarlehrerausbildung – neu über ein dreijähriges Bachelor-Studium – abgeschlossen haben, können sich in einem anschliessenden Masterstudium zur Lehrerin oder zum Lehrer auf der Sekundarstufe I ausbilden lassen.

«Grundsätzlich wird es dadurch denkbar, zwei Abschlüsse in fünf Jahren zu machen», unterstreicht Hermann Forneck, Direktor der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz. In Solothurn wird dabei «nur» das zweijährige Masterstudium Sek I angeboten, in Aarau und Basel zusätzlich ein fünfjähriger Studiengang, unterteilt in ein Bachelor- und ein Masterstudium.

Das Masterstudium Sek I haben in Solothurn jetzt allerdings gerade mal 2 ausgebildete Primarlehrpersonen begonnen. Die übrigen 26 Männer und Frauen, die in Solothurn ein Sek-I-Studium an die Hand genommen haben, nützen zwar das neu geschaffene Lehrangebot, absolvieren aber nicht das reguläre Zweitstudium mit einem schweizweit anerkannten Abschluss. 16 Studierende holen vielmehr in einem verkürzten Zweitstudium die Lehrberechtigung für die Sekundarstufe I nach. «Es handelt sich dabei um Inhaber eines Primarlehrdiploms, die zum Teil schon seit Jahren auf der Oberstufe unterrichten», wie Hermann Forneck erörtert.

Das Studium, das ausschliesslich in Solothurn angeboten wird, dauert – berufsbegleitend – ein bis eineinhalb Jahre und schliesst mit einer kantonalen Lehrberechtigung ab. Weitere 10 Studierende gehören zur Gruppe der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die ein berufsbegleitendes Studium von zwei bis drei Jahren absolvieren – und dann ein Diplom in der Tasche haben, das in den vier Kantonen des Bildungsraumes Nordwestschweiz anerkannt ist.

Gefragt ist ein «Kulturwandel»

Auch wenn das neue Solothurner Lehrangebot aufgrund der insgesamt 28 Studierenden durchaus gut ausgelastet ist, entspricht die tiefe Zahl der Masterstudierenden nicht den Vorstellungen der Bildungsstrategen. «Wir haben etwas mehr Studierende im Masterstudium erwartet», gibt Yolanda Klaus, stv. Chefin im kantonalen Volksschulamt (VSA), unumwunden zu. «Es ist aber vielleicht ein Anfang.» Und: Es brauche ganz offenbar Zeit, bis sich ein neues Studienangebot etabliert, unterstreicht Klaus. «Interessenten an einem Sek-I-Studium sind traditionell nach Bern orientiert.» Eingeführt wurde der neue Studiengang denn auch, um den Standort Solothurn zu stärken –und die Abwanderung an die Pädagogische Hochschule Bern zu reduzieren.

Gemäss PH-Direktor Hermann Forneck braucht es für eine Veränderung der Studierendenströme einen «Kulturwandel». Dafür sei aber ein «langer Atem» gefragt. Grundsätzlich erfreue sich, so Forneck, das Zweitstudium Sek I bei den Studierenden grosser Beliebtheit. So stellen die ausgebildeten Primarlehrpersonen in Aarau ein Viertel und in Basel sogar die Hälfte der Studierenden im Masterstudiengang Sek I. «In den allermeisten Fällen unterrichten die Betreffenden zunächst einige Jahre in der Primarschule und entscheiden sich dann für ein Zweitstudium.» (Noch) eher selten sei es hingegen, dass Studierende das Zweitstudium Sek I direkt an die Primarlehrerausbildung anhängen.

Mehr Primarlehrerstudenten

«Vorsichtig optimistisch» stimmt Hermann Forneck, dass am Standort Solothurn die Studierendenzahlen in den beiden bisherigen Studiengängen im Bereich Kindergarten und Primarstufe steigen; auf den Studienbeginn im September um erneut 15 Prozent. «Möglicherweise sind hier einige darunter, die nach ihrer Primarlehrerausbildung ein Masterstudium Sek I anhängen wollen.» Positiv wertet der PH-Direktor zudem, dass sich in Solothurn zwölf Studierende für einzelne Lehrveranstaltungen des Sek-I-Studiums eingeschrieben haben. Es handelt sich dabei um Solothurner, die ihr Studium in den letzten Jahren in Aarau oder Basel begonnen haben. «Wenn es das Solothurner Angebot schon früher gegeben hätte, hätten sie ihr Studium womöglich hier gestartet.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1