Ebola, neu aufflammende Eurokrise, Ukraine-Konflikt, Terroristen. Die Zeiten sind unsicher geworden, aber auch spannend. Findet zumindest Thomas Straubhaar, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg und Stipendiat in Washington D.C. An einer Forschungsstätte thematisiert er mit internationalen Vertretern die Wichtigkeit des transatlantischen Verständnisses.

Die Beziehungen zwischen Europa und den USA haben sich im vergangenen Jahr so massiv verschoben, wie es weder Straubhaar noch die Experten und Apéro-Organisatoren der Baloise Bank SoBa je hätten voraussagen können. Denn die USA haben sich wirtschaftlich erholt. Sie sind wieder drauf und dran, die weltweite Wirtschaftslokomotive zu werden.

Alles zeigt auf Wachstum, der Dollar erstarkt, die Arbeitslosigkeit sinkt. Damit erhöhe sich der Druck auf Europa und Schwellenländer, sagt Straubhaar. «Da sich die Amerikaner wieder selbst versorgen können, ist ihr Interesse an Europa massiv gesunken.» Was heisst das konkret? Im Falle einer Krise etwa, sei es die militärische in der Ukraine oder die wirtschaftliche in Griechenland, ist Europa auf sich alleine gestellt. Und mit Europa, macht der Redner klar, sei vor allem Deutschland gemeint, das Zugpferd, dem er weiteres Wachstum durchaus zutraut.

Nicht nur um aktuelle Weltwirtschaftsthemen geht es beim Anlage-Apéro, sondern um lokalere: Wo sollen Schweizer Investoren künftig investieren, wovon besser die Hände lassen? Rainer Wyss, Anlage- und Handelsleiter der Baloise Bank, sieht in vielen Märkten zwar eine «Unsicherheit», in den tendenziell riskanteren Aktienanlagen aber wesentlich mehr Chancen als in den stagnierenden Obligationen.

Ein Eidgenössisches Papier etwa werfe heute nur noch eine Rendite von 0,2 Prozent ab: «Das Potenzial ist ausgeschöpft.» Alternativen bieten zusätzliche Investitionen im Immobilienmarkt, die Zinsen sind im Keller, die Schweizerische Nationalbank hat ab dem 22. Januar gar Negativzinsen angekündigt. Zudem lockt ein abgewerteter Erdölpreis. «Veränderungen», sagt Straubhaar, «müssen wir auch als Chance sehen.» Denn die Schweiz stehe international nach wie vor gut da, sei wettbewerbsfähig und weise eine sehr tiefe Arbeitslosenquote auf.

Alles steht und fällt mit China

Trotz aller Berechnungsmodelle und Vorhersagen renommierter Analytiker: Wie sich die Märkte am Ende entwickeln, lässt sich nur schwer prophezeien. «Die ganze Welt hat einen Zinsanstieg erwartet – das Gegenteil war der Fall», sagt Baloise-Bank-Geschäftsführer Jürg Ritz.

Von etwas scheint der weltweite Wirtschaftserfolg aber so oder so abzuhängen: China. Alle Redner sind sich einig, dass wenn das Reich der Mitte plötzlich tiefere Wachstumsraten schreibt, die ganze globalisierte Welt negative Konsequenzen spüren wird.

Straubhaar warnt, keiner chinesischen Statistik zu glauben. «Wenn die Regierung sagt, wir wachsen um sieben Prozent, wächst die Wirtschaft um sieben Prozent.» – Zumindest auf dem Papier. Für Investoren, die ihr Geld anderswo als auf den Schweizer Banken anlegen wollen, rät er: «Hände weg! Das ist höchstes Risiko.»

Anmerkung: Der Anlass fand statt vor dem Fall des Franken/Euro-Mindestkurses.