Mit Auto und Hund zum Wald fahren für einen 10-Minuten-Spaziergang. In den Wald zum Vitaparcours, Bräteln, Pilze sammeln. Bei manchen ist der Waldgang fix im Alltag eingebaut. Manche benutzen den Wald selten. Etliche tummeln sich nie darin. Gedanken über Besitz und Unterhalt machen sich wohl die wenigsten.

Dabei ist die Waldfläche gross: 40 Prozent des Kantons Solothurn ist bewaldet, während es im Schweizer Durchschnitt bloss 32 Prozent sind. Wir haben also 31 600 Hektaren Wald. Der Grossteil, nämlich 75 Prozent, gehören den Gemeinden, vor allem den Bürgergemeinden. Private besitzen 20, der Kanton 5 Prozent.

Lange Zeit über konnten die Waldbesitzer mit dem Holzerlös ihre Ausgaben decken.

Dieser ist jedoch dafür zu tief gesunken. Bernadette Nellen zeigte in einer Bachelorarbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz, dass die realen, also teuerungsbereinigten, Holzpreise gegen Ende der 1980er Jahre wieder so tief lagen wie 1910. Während sie zwischenzeitlich höher waren, vor allem nach dem 2. Weltkrieg.

Das Einsetzen der Globalisierung und die Öffnung des Schweizer Holzmarktes in den 1980er Jahren hätten wesentlich zum Preiszerfall beim Holz beigetragen. Und die Preise sanken weiter. Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses hat die Lage erneut zugespitzt. Die Mehrheit der Schweizer Forstbetriebe schreibt rote Zahlen.

Schutz, Nutzen, Erholung 

Parallel zum Holzpreiszerfall stiegen die Lohnkosten sowie die Ansprüche der Waldnutzer. Der Verband der Bürgergemeinden und Waldeigentümer des Kantons Solothurn (BWSo) widmet sich dieses Jahr speziell dieser Thematik.

An einer Infoveranstaltung im Hotel Möwenpick in Egerkingen stand das Jahresleitthema «In-Wert-Setzung von gemeinwirtschaftlichen Leistungen im Wald» im Mittelpunkt. Geschäftsführer Geri Kaufmann zeigte vor rund 150 Teilnehmenden auf, wie sich das Verhältnis Mensch und Gesellschaft zum Wald in den letzten paar Jahrhunderten verändert hat. Während der Wald früher vor allem materiell genutzt wurde, seien nun nebst der Schutzfunktion auch ökologische Aspekte sowie Erholung wichtig geworden. «Seit den 1990-er Jahren haben wir ein Gleichgewicht all dieser Waldfunktionen.» Ganz wichtig fand er: «Die Ansprüche der Gesellschaft bezüglich Erholung und Freizeit haben sich massiv verändert.»

Gemäss Ökonomen habe der Solothurner Wald einen Nutzen von 250 Millionen Franken pro Jahr. «Da stellt man sich einfach die Frage, was haben die Waldeigentümer von diesem grossen Wert?» Zu diesem Wert zählt unter anderem folgendes: Der Wald speichert CO2 und ist für die Klimaregulierung wichtig. Er filtert die Luft und gibt Sauerstoff ab und er filtert das Wasser. Der Wald ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, schützt vor Naturgefahren, formt das Landschaftsbild und die Menschen finden darin Erholung.

Allgemeiner Profit zum Nulltarif

Das sind meist Leistungen, von denen selbst jene profitieren, die nie einen Fuss in den Wald setzen. Manches davon erfordert aber Pflege. Kaufmann: «Viele Waldleistungen, die man früher einfach aus dem Holzertrag finanzieren konnte, sind gefährdet.» Er fragte, ob «wir als Waldeigentümer es zum Nulltarif akzeptieren müssen, dass wir Wege zur Verfügung stellen, auf denen man reiten oder biken kann. Dass wir Plätze zur Verfügung stellen, wo man bräteln und sich vergnügen kann.»

Deshalb, so Kaufmann, gelte es, die Öffentlichkeit vermehrt über die erbrachten gemeinwirtschaftlichen Leistungen zu informieren und zu sensibilisieren.

Der Bund bezahlt den Kantonen Beiträge gezielt für Leistungen für den Schutzwald und die Biodiversität. Nur zehn Prozent des Waldes auf Solothurner Kantonsgebiet ist aber Schutzwald, beispielsweise bei der Klus oder um den Montpelon.

Pioniertat «Wald-Fünfliber»

Kantonsoberförster Jürg Freoelicher erläuterte, welche Gelder noch fliessen. Die Idee für eine gesetzliche Regelung sei schon Anfang der 1990er Jahre entstanden. Aber bis zur tatsächlichen Umsetzung dauerte es bis 2003. Das Solothurner Waldgesetz sieht vor, dass der Kanton den Waldbesitzern jährlich 30 bis 50 Franken pro Hektare bezahlt. Derzeit sind es jedoch bloss 35 Franken.

Weiter lege jede Einwohnergemeinde 5 Franken pro Einwohner und Jahr in diesen Topf für Waldbesitzer. Der «Wald-Fünfliber» sei schweizweit einzigartig. Und schliesslich unterstützten die Bürgergemeinden einander im Sinne eines Finanzausgleichs. Die Solothurner Waldbesitzer erhalten somit insgesamt 2,4 Mio. Franken von Kanton und Einwohnern.

«Wo gibt es mögliche Anpassungen?», fragte Froelicher. Man könnte aus dem Fünfliber eine Zehnernote machen. Oder vom Kanton mehr verlangen. In den Kantonen Aargau und Baselland liefen Initiativen, die weit höhere Beiträge vorsehen als bei uns. Froelicher: «Politische Forderungen müssen glaubwürdig sein. Gut begründet, ausgewogen und nachvollziehbar.»

Sarah Niedermann-Meier vom Forstingenieurbüro ecolinnea in Zürich gab viele Beispiele, wie man durch Vermarktung des Waldes gezielt Geldgeber angehen kann, etwa einen Sponsor für einen «Lebensbaum». In Baden habe sie zahlreiche solche Projekte realisiert. Froelicher deutete an, dass solches kaum eine allseits gerechte Lösung sei, denn die Gemeinden seien zum Beispiel unterschiedlich reich.