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«Das muss doch möglich sein»: Ueli Diener unterstützt die Idee eines Solothurner Hospiz

Im Sommer verlor Ueli Diener seine Frau. Ihre letzten Tage verbrachte sie im Luzernischen. Ein Solothurner Hospiz gibt es nach wie vor nicht.

Noëlle Karpf
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Ueli Diener wünscht sich ein Sterbehospiz im Kanton Solothurn.

Ueli Diener wünscht sich ein Sterbehospiz im Kanton Solothurn.

Tom Ulrich

Nach einem Sterbehospiz begannen sie zu suchen, als sie wussten, dass es «endgültig ist». Dass der Krebs nicht besiegt werden kann. Diese endgültige Nachricht erhielten Ueli und Kathrin Diener Ende März.

Der Name Diener ist bekannt in der Region. Er, Ueli, war über 40 Jahre im Kanton als Kulturvermittler tätig. Sie, Kathrin, Ausstellungsmacherin in der Balsthaler Galerie Rössli. Ende Januar erhielt sie die Diagnose «Hirntumore». Nach einer Operation, Bestrahl- und Chemotherapie und Reha die schlechte Nachricht: die Tumore wuchsen weiter. Und die Dieners suchten nach einem Hospiz. «Im Spital konnte sie nicht bleiben», erzählt der 72-Jährige bei sich zu Hause in Solothurn.

Viele Bilder hängen an der Wand. Eines von Kathrin steht im Wohnzimmer in der Ecke. «Die einzige Möglichkeit im Kanton wäre die Palliativ-Station in Olten gewesen.» Das sei für seine Frau nicht in Frage gekommen. Die Palliativ-Station ist kein Hospiz, kein Pflegeheim. Zwar werden auch hier unheilbar kranke Menschen aufgenommen, bis zum Tod begleitet. Im Schnitt dauert der Aufenthalt bis zu drei Wochen, in Einzelfällen auch länger. Aber: Rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten verlässt die Station wieder, kann nach Hause oder in ein Heim. Aber nicht in ein Hospiz zum Sterben, zumindest nicht in eines im Kanton Solothurn.

Also haben Diener und seine Tochter in anderen Kantonen gesucht. Fündig wurden sie dann im Luzernischen, wo die Tochter auch wohnt. So verbrachte Kathrin ihre letzten Wochen in Littau, Luzern, wo sie ihre Grundschuljahre verbracht hatte.

Spenden für das Hospiz, das es noch nicht gibt

«Ein guter Entscheid» sei dies gewesen, das betont Diener im Gespräch mehrmals. Persönlich, familiär, so beschreibt er das Hospiz. Seine Frau habe ein Einzelzimmer gehabt, als es ihr den Umständen entsprechend noch gut ging, habe man gemeinsam draussen im Innenhof zu Mittag essen können. Dann verschlechterte sich ihr Zustand zusehends. Diener erzählt, er sei gegen Ende jeden Tag nach Luzern gefahren mit seinem Auto. Kathrin verstarb Ende August. In der Einladung zur Abdankung waren mit der Bitte um Spende die Angaben eines Vereins abgedruckt: Sterbehospiz Solothurn.

Er habe gelesen, dass da etwas «im Tun» sei, erklärt Diener. Der Verein wurde 2016 gegründet und sucht seither nach einer geeigneten Liegenschaft für ein Sterbehospiz, in dem Menschen, ob junge Kranke, oder ältere, kurz vor ihrem Lebensende bis zum Schluss betreut werden. «Es ist grauenhaft, dass es diese Möglichkeit bisher nicht gibt im Kanton Solothurn», sagt Diener. Deshalb unterstützt er die Idee und hat zum Spenden aufgerufen. Aktuell kenne er wieder Personen aus seinem Umfeld, die auch froh gewesen wären um ein Hospiz in der Region. «Wir investieren so viel ins Gesundheitswesen – da sollte es doch möglich sein, dass die öffentliche Hand auch ein solches Projekt unterstützt.» Diener wünscht sich, dass das Projekt – das ja bereits besteht – mehr Unterstützung erhält, auch vom Kanton.

Dieser habe doch den Auftrag, solch eine Idee zu fördern – genau so, wie er etwa auch Ausbildungsplätze für junge Menschen unterstütze. «Für so etwas sollte man Geld haben, oder gar eine kantonale Liegenschaft kostenlos zur Verfügung stellen», bekräftigt Diener, «das sollte doch möglich sein im Kanton.» Wichtig sei ihm aber auch, dass das Hospiz dann privat geführt würde, eben von einem Verein. Familiär, persönlich. So solle ein Hospiz sein. So wie er es auch mit seiner Frau Kathrin im Luzernischen erlebt hat.

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