Ferien

Das mobile Zuhause ist der neue Trend

Rudolf und Sandro Bärtschi an der Arbeit: Sie bauen ein Lavabo in einen VW-Bus ein, der Bodenbelag und das Bett sind bereits montiert.

Rudolf und Sandro Bärtschi an der Arbeit: Sie bauen ein Lavabo in einen VW-Bus ein, der Bodenbelag und das Bett sind bereits montiert.

Seit über 20 Jahren gestaltet der Camper Service Bärtschi VW-Busse nach den Bedürfnissen der Kunden um. Immer mehr Menschen schätzen die Spontanität, die ein mobiles Zuhause ermöglicht.

Während sich die einen über den Schnee freuen, freuen sich die anderen auf die kommenden Frühlings- und Sommerferien vor. Der Trend der letzten Jahre zeigt: Immer mehr Menschen verreisen mit einem Bus, einem Camper oder Wohnmobil. Das Geschäft mit den mobilen Übernachtungsmöglichkeiten erlebt ein Hoch. Das spürt auch der Camper Service Bärtschi aus Thörigen. In diesem Familienbetrieb, der seit 1996 besteht, werden hauptsächlich VW-Busse umgestaltet – ganz nach dem Motto: Klein, aber fein, ausgefallen und individuell auf die Bedürfnisse der unterschiedlichsten Kunden abgestimmt.

Vom Hobby zum Beruf

Rudolf Bärtschi baute zusammen mit seiner Frau 1984 seinen ersten VW T1 ganz nach den eigenen Ansprüchen und dem eigenen Gutdünken aus. Viele Freunde und Bekannte zeigten sich darauf begeistert und wollten den neu ausgebauten Bus ausleihen. Nach knapp zehn Jahren, in denen hobbymässig immer wieder an Bussen gearbeitet wurde, begann die Familie die Fahrzeuge professioneller auszubauen und zu vermieten. Aufgrund einer Pensumsreduktion in der damaligen Anstellung, entschied der gelernte Elektriker, 1996 eine Einzelfirma zu gründen: «Mein Hobby wurde so zum Beruf», erzählt Bärtschi. Nach 14 Jahren gelang es ihm als Einzelunternehmer – der seit 2006 mit einer Deutschen Firma kooperierte und zur GmbH wurde – am grossen und berühmten Suisse Caravan Salon in Bern auszustellen. «Meine Frau hat mich immer unterstützt», sagt Bärtsch. Bis heute erledigt sie in Teilzeit die Administration und leitet das eigene Nähatelier für die Umgestaltung der Busse. Vor rund vier Jahren kam ein zusätzlicher Helfer hinzu: Sandro Bärtschi arbeitet nun zusammen mit dem Vater in der kleinen Werkstatt. «Wir haben viel zu tun und ich brauchte Unterstützung», erklärt Rudolf Bärtschi, «die Administration und Organisation möchte ich lieber nicht machen, ich bin eher der handwerkliche Typ.»

Ein praktisches Fahrzeug mit Bett

«Die meisten Kunden wollen einen Schlafplatz eingebaut haben», sagt Bärtschi, sehr beliebt sei hierfür das Schlafbanksystem oder das Schlafdach – ein aufklappbares Dach, das zum Bett wird. Eingebaut werden aber auch kleine Kochinseln, Lavabos, Schränke und schöne Bodenbeläge. «Seit einiger Zeit ist auch der Luxusmarkt präsent», beobachtet Bärtschi, es gäbe viele Kunden, die spezielle Wünsche haben – etwa Betten mit Schienensystemen – und, die edle Materialien verwenden wollen – so wie Ledersitze. Ein solcher High-End-VW-Bus koste dann gut bis zu 100 000 Franken. Da sich aber das Alter – von 20 bis 84 – und der Kundentyp stark voneinander unterscheiden, gibt es die verschiedensten Arbeiten und folglich differente Preisklassen, «auch für 10 000 Franken kann vieles gemacht werden», so Bärtschi.

Der Hype um diese Busse hat auch einen praktischen Aspekt, «für einige ist es nicht nur ein Ferienauto, sondern ein alltagstaugliches Fahrzeug», wie Bärtschi bemerkt. So ein Bus passe in die Parkfelder hinein und könne durchaus das gewöhnliche Auto ersetzen. Auch steuerlich sei ein Bus günstiger als ein grosses Wohnmobil oder ein Camper.

Wildnis und Abenteuer

«Am Anfang waren wir mit dem Zelt unterwegs. Dann fuhren wir mit einem kleinen VW Bus durch Amerika – das hat uns begeistert», sagt Bärtschi. Zusammen mit der Frau sei er schon in den Achtzigern gerne in der Wildnis spontan unterwegs gewesen. «Reisen ist unsere grosse Leidenschaft», schwärmt Bärtschi.

Genau die Unabhängigkeit, Spontaneität und Abenteuerlust, die durch ein solch mobiles Zuhause möglich werde, verleite heute wahrscheinlich viele zum Kauf oder zur Miete eines VW-Busses oder eines Wohnwagens, erklärt Bärtschi. Auch Urs Jäger, Wohnmobilvermieter und Ausbauer stimmt dieser These zu.

Für ein erhöhtes Freiheitsgefühl, seien die kleineren Fahrgestelle praktischer, weil sie gut überall eingesetzt werden können, sowohl in der Stadt wie auch auf dem Land. Genau deshalb floriere wahrscheinlich das Geschäft rund um die handlichen Busse. Für den Lenker sind solche Fahrzeuge handlicher, schneller (bis zu 204 PS) und sie besitzen unweigerlich einen gewissen Charme. Mit solchen Fahrzeugen zieht es Jung und Alt seit längerer Zeit vermehrt in den tiefen Norden oder aber auf eine der einsamen und wilden Inseln Europas.

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