Gutes exotisches Essen, einsame Strände, glückliche Familie und noch etwas bezaubernde Natur. Hand aufs Herz: Was sagt Ihr Facebook Profil über Sie aus? Ist es nur ein erstrebenswerter Zustand Ihrer eigenen Person oder entspricht das Profil Ihrem wahren Ich?

Auf Facebook oder anderen Plattformen leben wir alle in einer Art Glashauswelt. In allen erdenkbaren Situationen des Lebens geben wir uns öffentlich preis. Auf der privaten Ebene posten wir uns bewusst oder unbewusst in den perfekten Lebenslagen. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass wir uns möglichst im besten Licht zeigen möchten.

Dieser Drang oder gar die Forderung nach Selbstdarstellung macht auch vor Unternehmen und öffentlichen Institutionen nicht halt. Um der Anforderung der Transparenz gerecht zu werden, steigt oftmals die vermeintliche Selbstdarstellung in der Glashauswelt.

Transparenz ist heute ein Megatrend und Teil der Internetkultur. Diesem Phänomen können Privatpersonen, aber auch öffentliche Institutionen kaum ausweichen – die Forderung spüren und hören wir überall. Offenheit ist das Gebot der Stunde für Unternehmen, für Behörden, für Schulen, für staatliche Stellen, Politiker, aber auch für Privatpersonen.

Für Organisationen heisst dies, dass Visionen, Werte, Leitbilder und Philosophien auf den eigenen Websites publiziert werden müssen. Schnell und kompetent kommt man zum Ziel, wenn man sich für deren Erarbeitung einen Coach mandatiert und zwei bis drei Workshops durchführt, bis diese geforderten Werte und Leitsätze stehen. Die «must-haves» sind dann: Verantwortung, Nachhaltigkeit oder Offenheit. Nach getaner Pflicht werden die Botschaften transparent publiziert – wunderbar, die Sache ist erledigt, und man kann sich wieder dem «richtigen Schaffen» widmen.

Doch ist das Erkennen der eigenen DNA viel mehr als eine Kommunikationsaufgabe nach aussen. Wie fest diese Werte auch tatsächlich nach innen gelebt werden, zeigt sich spätestens im Ereignisfall oder wenn die Aussenwahrnehmung verändert wird. Im Handumdrehen sinken Vertrauen, Reputation oder gar der Aktienkurs eines Unternehmens. Das Paradebeispiel ist der Abgas-Skandal von VW. Die gläserne Manufaktur von Dresden steht im krassen Gegensatz zur propagierten Verantwortung und Transparenz.

Mit dieser neuen Durchsichtigkeit – auf allen Kanälen – müssen wir uns wohl zuerst anfreunden. Es gilt, den richtigen Umgang und vor allem das richtige Mass zu finden. Vollkommene Transparenz überfordert uns – und ist doch auch ein bisschen anstrengend. Wir tun gut daran, wenn wir diese Offenheit zuerst nach innen leben, bevor wir sie nach aussen manifestieren. Je mehr sich die Kommunikation nach aussen mit jener nach innen deckt, umso mehr gewinnt das Vertrauensverhältnis.

Trotz aller Transparenz werden wir die absolute Wahrheit auch in Zukunft nicht haben. Die eigene Wahrnehmung und damit unsere eigene Wahrheit müssen wir uns auch in der Glashauswelt selber bilden. Und manchmal trifft uns dasselbe Erstaunen wie Nietzsches Fliege, wenn sie vor das Glasfenster gerät.