Durchgeknallte Geschichte
«Das Kind wollte mich nur aufreissen» - der 3. Teil des Adventskrimis

Ein durchgeknallter Adventskrimi - 3. Teil.

Valerio Moser*
Valerio Moser*
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Das ist der zweitletzte Teil des durchgeknallten Adventskrimis.

Das ist der zweitletzte Teil des durchgeknallten Adventskrimis.

Frau Mandarine wird unter Tränen von zwei Erdnüssen, also vier Nüssli, abgeführt. Das Geschenk stellt sich vor die Menge, öffnet seine Schlaufe und macht sich bereit, sein Innerstes zu offenbaren.

Die Unruhe hält jedoch an. Tannenbaum streckt erneut seine mächtigen Arme aus, stampft mit seinem Stamm zweimal auf den Boden und versucht, den Saal zu beruhigen.

Tannenbaum: «Ruhe! RUHE!» Alle im Saal beruhigen sich.

T: «Geschenk: Was klagen Sie an?»

Geschenk: «Der Angeklagte hat mich missbraucht und ausgebeutet!»

T: «In welcher Form missbrauchte er Sie?»

G: «Ich habe eine harte Schale, aber darunter verbirgt sich ein nicer Kern. Ich bin ja eher schüchtern; bleibe lieber verschlossen und mysteriös und öffne mich eigentlich nur, wenn der Moment passt. Ich lag also gemütlich im Einkaufsregal, als mich der Angeklagte zum ersten Mal in seine gierigen Finger kriegte. Er hat sich sehr schnell für mich entschieden. An der Kasse wurde ich sogleich mit Schleife verschnürt – ich stehe aber gar nicht auf Fesselspiele!»

T: «Wie ging der Angeklagte weiter vor?»

G: «Zuerst hoffte ich, es ginge ihm um meine inneren Werte; ich dachte, der Angeklagte wüsste zu schätzen, welch Freude ich doch bereiten könnte. Doch es ging ihm nur um meine Grösse. Richtig oberflächlich. Dann liess er mich eine Woche lang einfach unbeachtet rumstehen, bis mich der Angeklagte einfach verschenkt hat. Einfach so! Verschenkt! An ein kleines, hysterisches Kind!»

T: «Und was geschah in der Folge des Verschenkens?»

G: «Das Kind war richtig gierig nach mir. Ich fühlte mich wie ein begafftes Meitli in der Disco: Das Kind wollte mich nur aufreissen! Zuerst schüttelte es mich also richtig durch, nur um zu hören, ob ich im Kern doch nur aus Lego bin. Danach ... Ich ... Es war zu schrecklich ... Ich kann darüber noch nicht sprechen ...»
T: «Beklagen Sie nun den Angeklagten oder das Kind?»

G: «Der Angeklagte hat einfach nur zugeschaut! Er hat nichts gemacht. Zudem bin ich kein Geschenk für einen doofen Goof! Ich bin ein Geschenk für jemanden, der mich zu schätzen weiss. Jedes Geschenk hat doch einen würdigen Empfänger verdient!»

T: «Ich bedanke mich für die Ausführungen und möchte nun den Angeklagten befragen.»

Der Angeklagte erhebt sich. Die Kerze erstarrt; Madame Mandarine schält sich vor Angst – ein Raunen durcheilt die Sitzbänke.

Schluss in der kommenden Ausgabe.

**Valerio Moser (27) ist Slam-Poet und Eventmanager aus Langenthal.

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