Kanton Solothurn
Das Jahr der Wasserschlange hat begonnen

Nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender begrüssten in der Nacht von Samstag auf Sonntag Chinesen in aller Welt das Jahr der Schlange. Doch die chinesische Gemeinde in der Region ist klein. Wie feiert diese eigentlich ihr Neujahr?

Mattias Ruchti
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Rote Laternen dekorieren zur Feier des beginnenden Jahrs der Schlange den Ditan-Park in Peking.Key

Rote Laternen dekorieren zur Feier des beginnenden Jahrs der Schlange den Ditan-Park in Peking.Key

In der Nacht zum Sonntag endete nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender das Jahr des Drachen. Chinesen in aller Welt begrüssten das Jahr der Schlange. Mit dem Element des Wassers ist es diesmal eine Wasserschlange, welche viele Umwälzungen mit sich bringen könnte. Im chinesischen Horoskop besitzt die Schlange vor allem Feuer; da sie dieses Jahr auf das Gegenelement Wasser stösst, sagen Astrologen für 2013 ein Jahr der Konflikte voraus. Allerdings gilt das Wasser auch als sanft, flexibel, gemächlich und bescheiden, so dass die Aussichten für Auseinandersetzungen doch eher gemässigt sein sollen. Wenn die Energie in richtige Kanäle geleitet wird, kann sie sogar innovative Ideen und Reformen bringen, sagt der Volksmund. So ereigneten sich in den letzten Jahren der Schlange immer wieder bedeutende Momente der Weltgeschichte. 1953 endete der Korea-Krieg, Stalin starb. 1989 fiel die Berliner Mauer und im letzten Schlangenjahr 2001 wurden die beiden Türme des World Trade Centers Opfer eines Terroranschlages.

In China begannen die Festlichkeiten für das Neujahr bereits 15 Tage vorher und endeten mit dem Laternenfest. Dabei wurde fleissig gefeiert und gegessen. Doch wie sah es in unserer Region aus? Im ganzen Kanton leben zurzeit 132 Chinesinnen und Chinesen, 51 davon Männer und 81 Frauen. Feierte diese kleine ethnische Gemeinde überhaupt das chinesische Neujahr und wenn ja wie ging dieser feierliche Akt von statten?

Chinesinnen und Chinesen in der Region

Kim-Ngoc Huynh's Augen glänzen wenn sie vom Chinesischen Neujahrsfest erzählt. Dennoch, dasselbe wie in China sei es nicht, betont sie. Die Atmospäre sei eine andere. Hier arbeiten viele in der Gastronomie und hätten daher fast keine Zeit irgendwelche Feierlichkeiten zu begehen. Wiederum andere würden gleich zwei bis drei Wochen Ferien einplanen und zurück in die Heimat, nach China, fliegen. Dennoch wenn man Zeit finde, dann sitzt man zusammen und es wird gegessen.

Was die Bräuche betrifft so gebe es Familien, die mehr Wert auf die Götterverehrung legen und solche die vorallem auf die Sauberkeit fokussiert sind. Sauberkeit? - In China wird statt im Frühling, wie bei uns, während des Festes für Neujahr geputzt. Dies damit das Haus rein bleibt und durch die offenen Türen und Fenster, dass Glück hereinfinden möge, erklärt Kim-Ngoc Huynh. Dabei werden extra für den fünfzehnten Tag des Festes, dem Laternenfest und dem Ende also, neue Kleider gekauft. Darunter auch ein neues Nachthemd für die Nacht auf den letzten Tag.

Kein Feuerwerk

Ein weiterer Brauch, erzählt Huynh, ist das Schenken von roten Taschen, welche mit Kleinigkeiten wie Geld etc. gefüllt sind. Diese erhalten alle Kinder bis sie verheiratet sind. Jeder entscheidet selbst wieviel er wem schenken möchte. Berühmt ist das chinesische Neujahr jedoch vorallem für die ausgelassenen Feuerwerke, welche jedes Jahr in riesigen Mengen in Richtung Himmel geschossen werden. «Feuerwerke lassen wir keine ab, ich weiss auch nicht wo in der Schweiz Chinesen dies tun würden», erzählt Huynh. Denn die Stimmung sei nicht gleich wie in China und auch chinesisches Feuerwerk finde man hier kaum. Auf die Frage, was sie sich von dem Jahr der Wasserschlange erhoffe, kommt prompt und an erster Stelle für sie die Gesundheit. Dies für alle Familienmitglieder. Darauf folgt Glück im Beruf und in der Schule.

Chinesinnen und Chinesen bei uns in der Region feiern zwar nicht so offensichtlich wie ihre Landsleute in ihrem Heimatland, Feuerwerke gibt erst gar keine. Dennoch sind auch bei ihnen die Bräuche ihrer Heimat allgegenwärtig und werden gelebt.

Klug, aalglatt und listig

Wer im Jahr der Schlange geboren ist, gilt als klug, tiefsinnig und logisch denkend. Unter ihrer ruhigen Oberfläche sollen Wachsamkeit, Geschwindigkeit und manchmal auch Unberechenbarkeit lauern, weil die Schlange unerwartet vorschnellen kann. Ihnen wird auch nachgesagt, aalglatt, undurchsichtig und listig zu sein. Im Umgang mit Geld seien Schlangen nicht verschwenderisch, heisst es. Im Beruf werden ihnen Organisationstalent, schnelle Entscheidungen und ein besonderes Gefühl für den richtigen Zeitpunkt nachgesagt. Berühmte Schlangen sind der Musiker Bob Dylan, der US-Präsident John F. Kennedy, der Philosoph Jean-Paul Sartre, der Schauspieler Ben Stiller, Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew, die indische Politikerin Indira Gandhi oder der Opernsänger Placido Domingo.

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