Kommentar
«Das ist Wohlstandsverwahrlosung» – So schätzt der Chefredaktor die Regierungsratswahlen ein

Die drei Bisherigen werden im ersten Wahlgang wiedergewählt. Für den 2. Wahlgang zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen drei Frauen ab. Der Kommentar zu den weiterhin spannenden Solothurner Regierungsratswahlen.

Theodor Eckert
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Haben es nicht im 1. Wahlgang in die Regierungsrat geschafft: Brigit Wyss, Susanne Schaffner, Marianne Meister und Manfred Küng (es fehlt Nicole Hirt).

Haben es nicht im 1. Wahlgang in die Regierungsrat geschafft: Brigit Wyss, Susanne Schaffner, Marianne Meister und Manfred Küng (es fehlt Nicole Hirt).

Thomas Ulrich

Reden wir nicht um den heissen Brei herum: Das ist Wohlstandsverwahrlosung unserer demokratischen Politkultur, wenn sich beinahe zwei Drittel der Wahlberechtigten darum foutieren, wer die Geschicke ihres Kantons bestimmen soll. Mit 34,7 Prozent hat eine zu dürftige Minderheit die Zusammensetzung von Regierung und Parlament definiert. Schade.

Dass Solothurnerinnen und Solothurner eh auf Kontinuität setzen und es schon gut kommt, kann als Ausrede nicht herhalten. Sicher, die drei bisherigen Regierungsräte haben ihre erste Wiederwahl auf Anhieb geschafft. Doch daneben ging es auch um zwei Sitze, die neu zu besetzen waren. Gründe, sich einzumischen, gab es dafür genügend. Zum Beispiel, um die bürgerliche Dominanz bröckeln zu lassen oder den Frauenanteil zu verbessern.

Reden wir nicht um den heissen Brei herum: Manfred Küng war nicht die SVP-Trumpfkarte. Wenn ein Regierungsratskandidat im Vorfeld öffentlich Verständnis für Putins Krim-Einverleibung zeigt und trumpsche Anwandlungen an den Tag legt, hat er es im Kanton Solothurn schwer. Wie schwach die Kandidatur wirklich war, zeigt der Blick nach Kriegstetten, wo er als Gemeindepräsident wirkt. Das Ergebnis vor seiner Haustüre ist geradezu brutal: Küng lieferte dort das zweitschlechteste Resultat aller acht Kandidaten ab. Zum Vergleich: Roland Fürst erzielte in seinem Gunzgen das absolute Spitzenresultat. Ebenso Susanne Schaffner in Olten und Remo Ankli in Beinwil. In der Stadt Solothurn schafften es Roland Heim und Brigit Wyss an die Spitze und selbst Nicole Hirt erzielte in Grenchen immerhin das beste Resultat der Neuen.

Doch auch in Messen schwang die Regierungsratskandidatin nicht obenaus. Darüber hinaus konnte FDP-Hoffnungsträgerin Marianne Meister erneut nicht überzeugen. Ihr Resultat war zwar besser als nach dem Ständeratsdebakel befürchtet, doch wirkliche Siegerinnen landen als Bürgerliche in einem Achterfeld nicht auf Rang sechs, hinter Vertreterinnen von Rot und Grün. Eine Schmach.

Reden wir nicht um den heissen Brei herum: Die SVP hat völlig aufs falsche Pferd gesetzt und die Freisinnigen zumindest in einem Fall nicht auf das beste. Die Konsequenz daraus: Das bereits jahrelange Plangen auf den erstmaligen Einzug in die Solothurner Regierung geht für die SVP in die nächste Runde. Und für die FDP wird der Erhalt des zweiten Sitzes zu einer Zitterpartie, aus der sie ohne anderweitige bürgerliche Unterstützung nicht als Siegerin herausgehen kann.

Reden wir nicht um den heissen Brei herum: Die Sozialdemokraten sind dank Susanne Schaffner im Hoch und die Grünen schnuppern mit Brigit Wyss erneut an einem Regierungssitz. Letzteres hatten wir doch schon mal. Wyss bog bereits vor vier Jahren in guter Position auf die Zielgerade ein – und wurde noch abgefangen. Dass gleich beide starken Frauen im zweiten Wahlgang ihr Ding durchziehen, mag zwar eine neckische Vorstellung sein, doch das düpierte bürgerliche Lager wird erneut reagieren. Ein mächtiger Bär ist gereizt.

theodor.eckert@azmedien.ch

Brigit Wyss in der Parteizentrale der Grünen im «Kreuz»
36 Bilder
Am Beamer verfolgen die Grünen die Wahlen
Brigit Wyss in der Parteizentrale der Grünen im «Kreuz»
Parteizentrale der Grünen im «Kreuz»
Die SVP-Parteizentrale im Hotel Ambassador
Die SVPler verfolgen die Ergebnisse der Kantons- und Regierungsratswahlen
Rémy Wyssmann (SVP)
SVP-Kantonsratskandidatin Marisol Fürst-Riviera
Die GLP-Parteizentrale während der Wahlen im Hotel Ambassador
Nicole Hirt in der GLP-Parteizentrale
Georg Aemissegger, Präsident der glp Kanton Solothurn
Susanne Schaffner in der Parteizentrale der SP im Volkshaus
Susanne Schaffner im Schuss in der SP-Zentrale im «Volkshaus»
SP-Parteisekretär Niklaus Wepfer am Telefon
Susanne Schaffner freut sich
Auf dem Tablet und am kleinen Radio verfolgten SP-Mitglieder die Resultate. Sie hatten Grund zur Freude.
Die BDP traf sich in der «Wirthen»
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Die FDP versammelte sich im Palais Besenval
Die Regierungsratskandiden Marianne Meister und Remo Ankli
Parteisekretär Charlie Schmid hochkonzentriert
Wie stehts? Auch Parteipräsident Christian Scheuermeyer (mitte) verfolgt genau, wie sich die Lage verändert.
In der Parteizentrale der CVP im «Roten Turm»
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Brigit Wyss in der Parteizentrale der Grünen im «Kreuz»

Thomas Ulrich