Quia scharrt im Boden. Die vierjährige australische Schäferhündin hat die Schnauze in die Erde zwischen ihren Pfoten gegraben. Sie suche nicht nach Trüffeln, sagt Besitzer Markus Lätt, der neben Quia auf dem Boden kniet. Wohl eher nach Mäusen. Trüffel gibt es nämlich keine – noch nicht. Das ist aber der Plan. Auf dem Feld, auf dem Lätt mit seiner Hündin ist, stehen 200 Bäume. Hasel, Föhren, Buchen; alles Bäume, die mit Trüffelsporen geimpft wurden. So hat Landwirt Lätt sie vor fünf Jahren aus Österreich als kleine Setzlinge bestellt. Mit dem Ziel, auf dem Feld in Mühledorf im Bucheggberg einmal Trüffel ernten zu können.

Offenbar wohnt keine Maus im Loch zwischen den Trüffelbäumen, und schon flitzt die Hündin weiter über das Feld. Die Trüffelbäume stehen auf den 17 Hektaren Land, die Lätt gehören. Er lebt schon sein Leben lang in Mühledorf. Die Trüffel hat er am Fusse eines Hanges gesetzt, auf welchem das Wohnhaus steht. Auf der anderen Strassenseite befinden sich zwei Lagerhallen, aus denen es gackert. «Pouletmast», erklärt Lätt, der auf seinem Hof Hühner und junge Rinder hält. Es sei ein eher kleiner Betrieb. So seien seine Partnerin und er auf die Idee gekommen, etwas Spezielleres auszuprobieren. «Etwas mit Pilzen», haben sie sich gedacht. So kamen sie auf die Trüffel, die Lätt selbst auch mag.

Tausende Franken investiert

Diese Idee hatte nicht nur das Paar. Im Verein der Trüffelproduzenten mit Hauptsitz in Büren an der Aare finden sich Mitglieder – Private und Landwirte – aus der ganzen Schweiz. Die beiden aus Mühledorf sind derzeit noch die einzigen Solothurner im Verein; Lätt kennt aber mindestens einen anderen Landwirten in der Region, der es auch mit Trüffeln versucht. Versucht – denn: «Ob und wie das funktioniert, kann dir noch keiner so genau sagen», erklärt Lätt.

Er und seine Partnerin haben in Büren einen Kurs besucht und dann entschieden, ihr Glück ebenfalls mit den edlen Knollen zu versuchen. Über ein weiteres Unternehmen – im Internet finden sich bei einer kurzen Suche übrigens verschiedene Firmen, Vereinigungen und Foren, die sich mit Trüffel beschäftigen – wurden Bäume aus Österreich bestellt, deren Setzlinge mit Trüffelsporen versehen sind. So sollen die Trüffel mit den Wurzeln eine Symbiose eingehen und wachsen.

Lätt hat seine Setzlinge im Frühling 2014 gesetzt, als sie noch ganz klein waren, das erste Jahr über bewässert und seither regelmässig gepflegt. Zwischen sechs- und achttausend Franken hätten sie investiert, dazu kommen unzählige Arbeitsstunden. Ob sich das gelohnt hat, weiss Lätt noch nicht.

«Das ist schon ein Risiko», so der 42-Jährige. Dieses sei mit vorerst 200 Bäumen aber «überschaubar». Zum grössten Teil mit Sporen von Burgundertrüffeln – diese Art kommt in der Schweiz am häufigsten vor. Auch mit zehn Bäumen, die mit Sporen weisser Trüffel geimpft sind, hat der Landwirt es versucht. «Denen passt es hier vom Klima her wohl weniger», meint Lätt, da der weisse Trüffel – die edelste Trüffelsorte – vorwiegend in Italien vorkommt. «Wobei, mit der Klimaerwärmung…», fügt der Landwirt an. Trüffel mögen es halbschattig und nicht zu nass.

Der Boden sollte eher von hohem PH-Gehalt und auch reich an Kalk sein. Lätt hat vor dem Setzen zuerst eine Bodenanalyse gemacht und schliesslich noch etwas Kalk hinzugefügt. So sind Trüffel in Regionen am Jurasüdfuss häufig zu finden, weshalb die «wilde» Trüffelsuche im Wald bei Hundehaltern in der Region beliebt ist.

Konkurrenz zwischen Trüfflern

Auch Lätt hat begonnen, Hündin Quia auf Trüffelsuche zu trainieren. Ab und zu versteckt er eine gekaufte Knolle. Im Wald gestalte sich die Suche schwieriger. Dort sei Quia schnell abgelenkt – und man finde kaum Trüffel, wenn man die guten «Plätzchen» nicht kenne. Diese würden von einigen emsigen Trüfflern im Geheimen bewirtschaftet – den guten Platz an Mitstreiter verlieren will man nicht. Je mehr Trüffler es gibt, desto weniger Trüffel.

Im Gegensatz zur Schweiz ist «wild» Trüffeln in Deutschland gar verboten, dort steht die edle Knolle auf der roten Liste. In der Landwirtschaft dürfte die Konkurrenz weniger Thema sein – sollte sich der Anbau etablieren. Lätt: «Es wäre eine Illusion zu glauben, dass man damit das grosse Geld macht.» Trotzdem sieht er den Anbau als Chance. «Wir importieren sehr viele Trüffel in die Schweiz. Das wäre eine gute Sache, die Knolle hierzulande anzubauen.» Weil Trüffel in der Regel nur bis zu zehn Tage lang frisch blieben, könnte man so auch die Qualität steigern.

Sollte er in den nächsten Jahren tatsächlich Trüffel ernten, hätte er schon einige Privatpersonen, die Abnehmer wären. Ziel sei auch, Restaurants anzufragen und die Trüffel so regional zu vermarkten. Fürs erste hoffe er dann, die Investitionen in die Anlage wieder einzuholen. Hündin Quia wird dabei übrigens mithelfen. Sie soll, mit etwas Training, statt nur Mäusen auch Trüffel zwischen den 200 Bäumchen auf dem Feld im Mühledorf aufstöbern.