Bei einer Wahlbeteiligung von 35,10 Prozent erzielte Remo Ankli (FDP) am Sonntag das beste Resultat. Der 39-jährige Parteisekretär, Theologe und freischaffende Historiker erhielt 36'038 Stimmen. Ankli ist der einzige Vertreter des Schwarzbubenlandes.

Im ersten Wahlgang Anfang März hatte Ankli ein schlechtes Ergebnis eingefahren. Die FDP musste befürchten, nach 61 Jahren ihren zweiten Sitz im fünf Mitglieder zählenden Regierungsrat zu verlieren.

Auch die CVP konnte nach dem zweiten Wahlgang aufatmen. Die beiden CVP-Kantonsräte Roland Fürst und Roland Heim wurden neu in die Exekutive gewählt. Der 51-jährige Fürst, Direktor der Solothurner Handelskammer, holte 32'889 Stimmen.

Der 57-jährige Heim, Kantonsschullehrer für Wirtschaft und Recht, erhielt 31'717 Stimmen. Damit verteidigte die CVP ihre Doppelvertretung, die sie seit acht Jahren hält.

Grüne Kandidatin unterliegt

Brigit Wyss, die für die Grünen erstmals einen Sitz in der Regierung erobern wollte, scheiterte mit 29'172 Stimmen. Damit fehlten der 53-Jährigen zur Wahl über 2500 Stimmen. Die frühere Nationalrätin war im ersten Wahlgang noch vor Ankli und Heim gelegen.

Wyss reagierte auf die Niederlage "sehr enttäuscht". Die bürgerlichen Parteien hätten besser mobilisieren können, sagte sie. Die SP-Basis habe sich an der Wahl offenbar nicht beteiligt. Die SP hatte die grüne Politikerin offiziell unterstützt.

Bürgerliche können mobilisieren

Das Zusammenspannen der Wirtschafts-, Handels- und Gewerbeverbände habe gespielt, sagte FDP-Kantonalpräsident Christian Scheuermeyer. Es sei schliesslich darum gegangen, dass die Regierung bürgerlich bleibe. FDP und die CVP hätten ihre Wählerbasis mobilisieren können, hiess es auch bei der CVP.

Die Kantonsregierung setzt sich in den kommenden vier Jahren wie seit 2005 aus je zwei FDP- und CVP-Vertretern sowie aus einem Sozialdemokraten zusammen. Im März hatte das Volk die beiden bisherigen Regierungsmitglieder Esther Gassler (FDP) und Peter Gomm (SP) im Amt bestätigt.

Die 62-jährige Gassler und der 54-jährige Gomm gehören seit 2005 der Regierung an. Die neu gewählte der Kantonsexekutive wird ihre Arbeit am 1. August aufnehmen.
Regierung ohne SVP

Bei der Gesamterneuerungswahl der Regierung fuhr neben den Grünen auch die SVP eine Niederlage ein. Die SVP, mit einem Wähleranteil von 20,2 Prozent nach der FDP immerhin die zweitstärkste Partei im Kanton, hatte bereits nach dem ersten Wahlgang das Handtuch geworfen. Die SVP scheiterte bislang in fünf Anläufen, einen Exekutivsitz zu erobern. (sda)

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

14.30 Uhr: Schlussresultat ist da

Alle 118 Gemeinden im Kanton Solothurn sind ausgezählt.

Remo Ankli konnte seine Führung von Anfang an behaupten. Der FDPler wird mit 27.76 Prozent der Stimmen (36038 Stimmen) in den Regierungsrat gewählt.

Die CVP behaltet ihre beiden Sitze: Roland Fürst holt 25.34 Prozent der Stimmen (32889 Stimmen).

Roland Heim vereint 24.43 Prozent oder 31717 Stimmen auf sich.

Nicht gewählt wurde Brigit Wyss mit 22.47 Prozent der Stimmen (29172 Stimmen).

Die Stimmbeteiligung liegt bei 35.10 Prozent.

14.27 Uhr

Regierungssprecher Dagobert Cahannes ruft die Medien zum offiziellen Regierungsratsfoto zusammen.

14.10 Uhr: 117 Gemeinden sind ausgezählt

Jetzt ist nur noch Grenchen offen. Doch auch die eine Gemeinde kann nichts mehr daran rütteln, dass Remo Ankli, Roland Fürst und Roland Heim in die Solothurner Regierung einziehen.

Ankli holt 34393 Stimmen, Fürst folgt mit 31358 Stimmen und Heim mit 30215 Stimmen. Brigit Wyss hat derzeit 27658 Stimmen.

Die Grünen geben trotz Wahlschlappe aber nicht so schnell auf und wollen bald wieder antreten. Brigit Wyss: «Wir sind gut aufgestellt im Kanton Solothurn.»

14.06 Uhr: Siegesfoto

Die drei Bürgerliche werden zum Siegesfoto gruppiert. Brigit Wyss steht abseits im Saal.

Die neu gewählten: Roland Heim, Roland Fürst und Remo Ankli

Die neu gewählten: Roland Heim, Roland Fürst und Remo Ankli

Remo Ankli zieht mit seiner Entourage ein.

«Eine schwache Wahlbeteiligung hilft der CVP», sagt SP-Präsidentin Franziska Roth. Die SP habe Brigit Wyss bestmöglichst unterstützt. Der Frauenbonus unter den Bürgerlichwählenden habe im 2. Wahlgang nicht mehr geklappt.

SP-Präsidentin Franziska Roth

SP-Präsidentin Franziska Roth

13.56 Uhr: 116 Gemeinden ausgezählt

Remo Ankli führt mit 33552 Stimmen. 30632 Stimmen hat Roland Fürst. Mächtig aufgeholt hat Roland Heim: Er liegt mit 29366 Stimmen nur knapp hinter seinem Parteikollegen.

Brigit Wyss holte leicht auf und vereint 26692 Stimmen auf sich. Dennoch liegt sie mit 2674 Stimmen hinter Heim.

Grenchen und Zuchwil fehlen noch.

13.45 Uhr: Noch vier Gemeinden

Das Auszählen der letzten vier Gemeinden Solothurn, Olten, Zuchwil und Grenchen zieht sich hin. Das Schlussergebnis steht immer noch nicht.

13.30 Uhr: Brigit Wyss ist enttäuscht

Die Grüne Brigit Wyss lässt sich blicken und gibt schon Verlierer-Interviews. «Ich bin sehr enttäuscht», sagt sie. «Wir haben alles gegeben.»

Brigit Wyss

Brigit Wyss

SP-Regierungsrat Peter Gomm zeigt sich nicht sonderlich überrascht über das Abschneiden der linken Kandidatin im zweiten Wahlgang. «Das Muster kennen wir im Kanton seit 30 Jahren.» Kandidaten wie Doris Aebi oder Roberto Zanetti seien im ersten Wahlgang immer unter den ersten fünf gewesen. Im zweiten Wahlgang mussten alle über die Klippe springen.

13.28 Uhr: 114 Gemeinden ausgezählt

Reihenfolge wie gehabt: Remo Ankli führt unangefochten mit 29478 Stimmen. Fürst erhält 26823 Stimmen. Brigit Wyss bekommt 21773 Stimmen und fällt damit noch mehr hinter Heim (25200 Stimmen) zurück.

13.20 Uhr: Heim und Fürst sind die ersten

Langsam brummt es im Steinigen Saal. Immer mehr Kantonsräte wie bspw. Kuno Tschumi, Barbara Wyss-Flück und Sandra Kolly treffen ein.

Mit Roland Heim und Roland Fürst sind jetzt auch die ersten Regierungsratskandidaten da. Die Kameras der Fernsehstationen sind vornehmlich auf Fürst gerichtet, weil davon ausgegangen wird, dass er gewählt wird. Er selbst gibt sich noch zurückhaltend. «Schauen wir einmal», meint der CVP-Kandidat.

Klaus Fischer trifft ein.

13.12 Uhr: 109 Gemeinden ausgezählt

Mit 27800 Stimmen kann Ankli seine Führung bestätigen. Er hat 3000 Stimmen Vorsprung auf Roland Fürst. Roland Heim bekommt 23552 Stimmen, Brigit Wyss 20500. Damit vergrössert sich der Rückstand von Wyss auf Heim nochmals.

Noch-Regierungsrat Walter Straumann und SP-Präsidentin Franziska Roth treffen im Rathaus ein.

Die Fernsehstationen stellen ihr Lichtequipment auf.

13.10 Uhr: Gewählte Gassler und Gomm treffen ein

Felix Wettstein, Co-Präsident der Grünen Kanton Solothurn, sieht noch keinen Grund traurig zu sein.

Die bisherigen und auch künftigen Regierungsräte Esther Gassler und Peter Gomm treffen im Steinigen Saal ein.

Überraschend wichtiges Thema heute im Steinigen Saal: Die Ahnengalerie der Solothurner Regierungsräte. Peter Gomm hat nämlich seinen Kollegen Christian Wanner gemalt - ohne sein Wissen. Gomm zeigte Wanner erst das fertige Bild.

Christian Wanner, gemalt von Peter Gomm

Christian Wanner, gemalt von Peter Gomm

12.56 Uhr: 104 Gemeinden sind ausgezählt

Remo Ankli führt mit 24636 Stimmen immer noch an. Der 2. Platz geht nach wie vor an Roland Fürst mit 22137 Stimmen. Roland Heim (20945 Stimmen) lässt Brigit Wyss 2600 Stimmen hinter sich.

Im Medienzentrum herrscht so kurz vor den 13-Uhr-Nachrichten ein Wirrwarr. Die aktuellsten Zahlen kommen und gleichzeitig müssen Radio32 und das Regionaljournal auf Sendung...

Noch nicht ausgezählt sind neben den Städten Solothurn, Grenchen und Olten auch Selzach, Biberist, Deitingen, Zuchwil, Balsthal, Egerkingen, Däniken, Fulenbach, Gunzgen, Hofstetten-Flüh und Nunningen.

Die Stimmbeteiligung liegt bei 35.33 Prozent.

12.51 Uhr: Wanner wieder da

Christian Wanner lässt sich wieder blicken. «Es ist noch offen», meint der scheidende Regierungsrat zum aktuellen Stand. Unten an der Tabelle könne es eng werden.

Für Staatsschreiber Andreas Eng bringt der heutige Tag persönliche Freude: Sein Sohn wurde für die FDP in den Günsberger Gemeinderat gewählt.

12.41 Uhr: 81 Gemeinden ausgezählt

An der Reihenfolge hat sich auch nach 81 ausgezählten Gemeinden nichts geändert. Remo Ankli liegt mit 15337 Stimmen vorne (mittlerweile sind 16 der 23 Schwarzbubenland-Gemeinden ausgezählt). Roland Fürst zählt 13216 Stimmen.

Die Frage stellt sich jetzt, ob Brigit Wyss (10529 Stimmen) ihren Rückstand in den Städten noch wettmachen kann. Zumindest in der Stadt Solothurn dürfte sie auf Roland Heim, der 2200 Stimmen vor ihr liegt, nicht viel Stimmen gut machen.

Die Stimmbeteiligung liegt bei 36.62 Prozent.

Im Steinigen Saal macht man sich übrigens langsam bereit für Interviews: TeleBärn hat seinen Banner bereits aufgestellt. SRF hat direkt nachgezogen.

Die Banner von TeleBärn und dem SRF stehen

Die Banner von TeleBärn und dem SRF stehen

12.25 Uhr: 51 Gemeinden ausgezählt

Die ersten 51 von 118 Gemeinden sind ausgezählt. Remo Ankli liegt mit 29 Prozent geholter Stimmen vor Roland Fürst (26 Prozent), Roland Heim (25 Prozent) und Brigit Wyss (19 Prozent). Damit zeichnet sich ab, dass FDP und CVP ihre Sitze halten könnten. 

Erstaunlich: erst 6 der 26 Gemeinden im Schwarzbubenland sind ausgezählt. Kann Remo Ankli damit seine Führung noch mehr ausbauen? 

12.00: Wahlurnen geschlossen

So, die Wahlurnen sind geschlossen. Jetzt gilt es, die ersten ausgezählten Gemeinden abzuwarten. Der abtretende FDP-Regierungsrat Christian Wanner hat sich schon kurz im Steinigen Saal umgeschaut, ist aber schnell wieder verschwunden.

Regierungssprecher Dagobert Cahannes dreht seine Fototour: Jeder der Medienvertreter wird mit seinem iPad abgelichtet. Noch hat er Zeit dafür. Bald muss er sich mit Ergebnissen herumschlagen. 12.30 sollen die ersten Ergebnisse vorliegen.

Dagobert Cahannes mit dem iPad unterwegs

Dagobert Cahannes mit dem iPad unterwegs

11.35 Uhr: Noch herrscht Ruhe

Noch ist es extrem ruhig im Steinigen Saal. Neben azonline sind noch Radio32, das Schweizer Radio und Fernsehen und das Regionaljournal Aargau-Solothurn vor Ort. Die ersten Ergebnisse werden ab 12 Uhr erwartet. Es wird damit gerechnet, dass das Schlussergebnis um 14 Uhr steht. Spätestens dann sollten wir also wissen, welche drei es geschafft haben, und wer das Nachsehen hat. Auf 14.30 ist der erste Fototermin für die neue Regierung im Regierungsrats-Sitzungszimmer angesagt.

Hier ein paar Impressionen aus dem Steinigen Saal:

Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang

Im ersten Wahlgang vom 3. März erreichten einzig die beiden bisherigen Regierungsräte Esther Gassler (FDP) mit 40‘992 Stimmen und Peter Gomm (SP) mit 38 246 Stimmen das absolute Mehr.

CVP und die FDP wollen im zweiten Wahlgang ihre Sitze verteidigen. Die CVP tritt mit dem Direktor der Handelskammer, dem 51-jährigen Roland Fürst, und dem 57-jährigen Solothurner Kantilehrer Roland Heim an. Fürst hatte im ersten Anlauf das beste Resultat der Nichtgewählten erreicht.

Die FDP will ihren Sitz mit einem Kandidaten aus dem Schwarzbubenland vertreten: Remo Ankli. Der 39-jährige Ankli lag im ersten Wahlgang auf dem fünften Platz. Der Parteisekretär, Theologe und freischaffende Historiker ist der einzige Bewerber aus dem Schwarzbubenland.

Die Grünen sind mit der früheren Nationalrätin Brigit Wyss im Rennen. Die 53-jährige Wyss hatte im ersten Wahlgang vom 3. März ein überraschend gutes Resultat erzielt. Die Projektleiterin bei Pro Natura lag auf dem vierten Platz der insgesamt neun Kandidierenden. Die Grünen haben mit Wyss eine reelle Chance, in die Kantonsregierung einzuziehen - zum allerersten Mal in der Geschichte.

Nach dem 1. Wahlgang waren der SVP-Kandidat Albert Studer, der Parteilose Hugo Ruf und Andreas Bühlmann (SP) aus dem Rennen gestiegen.

In der Exekutive sind drei der fünf Sitze frei, weil die Regierungsräte Christian Wanner (FDP), Walter Straumann (CVP) und Klaus Fischer (CVP) zurücktreten.

FDP droht erneute Wahlschlappe

Wenn die Grünen zum ersten Mal einen Regierungssitz erobern, so verliert entweder die FDP oder die CVP den zweiten Sitz. Für die FDP wäre dies erneut eine historische Wahlschlappe.
Bei den Ständeratswahlen 2011 musste die FDP nach 163 Jahren ihren Ständeratssitz abgeben. Pirmin Bischof (CVP) gewann den Sitz.

In der Regierung hält die FDP seit 61 Jahren zwei Sitze. Bis 1952 hatte die FDP drei Sitze, bis 1917 vier und bis 1887 sogar alle fünf Sitze belegt.

Dagegen verlor die CVP bereits 2003 ihren zweiten Sitz an den eher glücklos agierenden Regierungsrat und heutigen SP-Ständerat Roberto Zanetti. Nur zwei Jahre später eroberte die CVP ihren zweiten Sitz von der SP zurück. (sda)


Es tickert für Sie Lea Durrer.

Mitarbeit: Lucien Fluri.