Das allerneueste Angebot in der Bibliothek der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten: Seit Mai dieses Jahres ist die selbstständige Abholung von Büchern durch die Kundschaft direkt möglich. «Wir ordnen die abholbereiten Bücher mittels eines Codes in unser neues Abholfach ein», erklärt Bibliotheksleiterin Marianne Hertner. «Ich vergleiche diesen Ablageort mit einem Transfer-Bereich eines Flughafens. Hat der Nutzer dann seine bestellten Bücher behändigt, kann er sie beim Self-Check-Gerät auch noch selbst ausleihen.» Auch dieser Vorgang kann völlig autonom, also ohne Hilfe von Personal, erledigt werden. «Unsere neue Selbst-Abholung bewährt sich ausgezeichnet. Niemand muss mehr für eine Ausleihe an der Theke anstehen.», freut sich die Leiterin.

Eine Woche lang stehen dann die bereitgestellten Bücher zum Abholen parat; nach dieser Zeit werden sie zurückgeschickt. «An den Kunden geht dann ein Mail, in dem er darauf aufmerksam gemacht wird, dass er eine geforderte Bibliotheksdienstleistung nicht genutzt hat und so unnötig Kosten verursacht hat. Denn die eigentliche Ausleihe kostet ihn nichts.» In aller Regel aber werden die bestellten Bücher auch abgeholt, denn sie werden ja zum Studium gebraucht.

Öffentliche Fachbibliothek

Die Bibliothek in Olten der Fachhochschule Nordwestschweiz ist die modernst eingerichtete Bibliothek des Kantons Solothurn. Sie ist eine öffentliche wissenschaftliche Fachbibliothek für die Bereiche angewandte Psychologie, soziale Arbeit und Wirtschaft. Sie bietet ein umfassendes Angebot an Print- und E-Medien, speziell für die Studierenden und die Dozierenden der Fachhochschule zu diesen Bereichen an. Doch auch externe Personen, die sich speziell für diese Fachliteratur interessieren, sind in der FHNW-Bibliothek Olten herzlich willkommen. Es sei ein wachsender externer Kundenstamm, der die Bibliothek mitnutzt, sagt Hertner. 

Der Nutzer recherchiert meist zunächst selbstständig auf dem Portal des Netzwerks von Bibliotheken und Informationsstellen in der Schweiz, der sogenannten NEBIS-Datenbank. Findet er das Gewünschte in den Beständen der FHNW-Bibliothek Olten, bringt er es zum Selbstverbuchungsautomaten, wo er den Titel mittels seiner analogen oder digitalen Bibliothekskarte einlesen kann. Auf diesem Portal kann er auch sein aktuelles Medienkonto einsehen. Er sieht, welche Titel er sonst noch ausgeliehen hat und wann deren Rückgabetermin ist. «Auch Verlängerungen können dort eingegeben werden», erklärt Marianne Hertner.

Viele Fachzeitschriften

Ein wichtiges Angebot dieser Bibliothek sind Fachzeitschriften zu den verschiedenen Studien-Disziplinen. «Viele davon sind nur noch elektronisch vorhanden und die Artikel daraus können auch so abgerufen werden», erklärt die Bibliotheksleiterin. Dies sei deshalb so wichtig, da die aktuellste Forschung zunächst in den Fachzeitschriften publiziert wird.

Doch welche Arbeiten verrichten die Bibliothekare in so modern eingerichteten Institutionen noch? Das Beschaffen und bibliothekarische Aufbereiten gehört immer noch zu den wichtigsten Aufgaben. «Wir erfassen den Titel, kleben Standortsignatur, Barcode und Magnet-Chip, ein. Das Katalogisieren ist nicht mehr bei jedem Titel nötig, denn dank den Bibliotheksverbünden kann man auf die Kataloge anderer Bibliotheken zurückgreifen und deren Daten übernehmen. «Wir folieren nur noch einen Teil des Bestandes. Diese Arbeit haben wir grösstenteils ausgelagert. Defekte ältere relevante Bestände lassen wir von einer regionale Buchbinderei reparieren.»

Support der Kunden

Wichtigste Aufgabe der Bibliothekare sei heute der Support für die Kunden bei der Literatur-Recherche, sagt Hertner. «Wir bezeichnen unseren Arbeitsplatz in der Bibliothek deshalb auch nicht mehr als ‹Ausleihe›, sondern als Info-Theke. Durch die Automatisierung der Ausleihe konnten wir Ressourcen für die Beratung und die Recherche-Hilfe in den dynamischen Suchportalen freimachen.» Tatsächlich sind 140 Bibliotheken mit mehr als 10.5 Mio. Titel in NEBIS vernetzt. Da ist bibliothekarisches und dokumentarisches Fachwissen nötig. Sehr Vieles werde heute elektronisch ausgeliehen, doch noch gebe es Studierende, die ihre Fachliteratur lieber physisch in den Händen halten, erzählt Marianne Hertner.

Tatsächlich ist der grösste Anteil des Buchbestandes der FHNW-Bibliothek Olten gar nicht sichtbar, da er lediglich elektronisch vorhanden ist. Dafür zahlen die Bibliotheken den Verlagen konsortial ausgehandelte Lizenzgebühren. Doch die gedruckten Buchbestände, die in der Regel auf Wunsch und Anregungen von Dozenten oder Studenten pro Disziplin angeschafft werden, werden in den einheimischen Buchhandlungen beschafft. «Darauf legen wir viel Wert», sagt Hertner. Und eines ist in dieser modernsten Bibliothek des Kantons nicht anders als in anderen: Der Lesesaal ist gut genutzt und die Studierenden schätzen die ruhige Atmosphäre.