«Meine Zweifel an der Existenz des Panthers sind gross.» Dem Solothurner Jagdverwalter Marcel Tschan und vielen anderen fehlt der Beweis. Der Beweis, dass es die schwarze Raubkatze, die diesen Sommer die Schweiz auf Trab hielt, wirklich gibt.

Anfang Mai war zum ersten Mal die Rede von einem «ominösen Tier», das von Revierförster Robert Käser als schwarze Grosskatze identifiziert wurde. Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Jagd beim Bundesamt für Umwelt meinte, dass es «praktisch nur ein Panther sein kann.» Das Solothurner Jagdinspektorat war in Alarmbereitschaft und suchte im Wald um Kestenholz nach dem Tier. Eine Lebendfalle und mehrere Fotofallen wurden aufgestellt, in der Hoffnung doch ein Bild des herumstreifenden Panthers zu bekommen.

Fall abgeschlossen

Doch die Fallen blieben leer - die rund 30 bis 40 installierten Kameras lichtete nur Füchse, Vögel, Rehe und einen Hirsch ab. Die Suche weitete sich ins Bernbiet aus. Immer wieder wollten Menschen aus verschiedenen Ecken aus den Kantonen Solothurn und Bern das schwarze Phantom gesehen haben. So rannte es im Schwarzbubenland eine Strasse entlang, und tauchte nur einen Tag später in Thunstetten auf.

Die Bewegungsrichtung war damit alles andere als klar. Die Existenz des Panthers wurde immer unwahrscheinlicher. «Insgesamt gingen bei der Polizei rund 25 Meldungen wegen dem Panther ein», sagt Kapo-Mediensprecherin Thalia Schweizer auf Anfrage. Die letzte stamme von Ende Juli aus Hägendorf. Der Fall sei jetzt aber abgeschlossen.

Ebenso ist das Dossier beim Amt für Jagd und Fischerei zugeklappt. «Ich weiss schon gar nicht mehr, ob ich es überhaupt noch habe oder es schon fortgeworfen habe», lacht Tschan. Dass so viele Menschen die Raubkatze gesehen haben wollen, hat ihn überrascht. Ein Grossteil dieser eingegangenen Meldungen seien ernst genommen worden. «Die meisten Orte haben wir uns angeschaut», sagt er. «Bei einigen Meldungen haben wir aber von Anfang an gesagt, dass es nichts bringt auszurücken.» Man hätte schon aufgrund des Wortlauts sagen können, dass wohl nichts dran sei. Alles was die Tier-Fahnder aufspürten waren schwarze Katzen und Hunde.

Schon im Juni wurden die zusätzlichen Foto- und Käfigfallen, die wegen dem Panther aufgestellt worden waren, abgebaut. Wie viel der ganze Einsatz gekostet hat, kann der Solothurner Jagdverwalter nicht beziffern. Er schätzt die Kosten auf mehrere 10‘000 Franken.

«Seriöser Förster und Jagdaufseher»

Rückblickend beschreibt er die erste Woche, in der das ominöse Tier als Panther hingestellt wurde, als «unglaublich hektische Zeit». «Drei Tage lang war normales Arbeiten gar nicht mehr möglich. Dann hat es sich langsam normalisiert.» Die Medienpräsenz sei erdrückend gewesen. So etwas habe er noch nie erlebt. Einige Medienleute hätten sogar bis 23.30 bei ihm zuhause angerufen.

Dem «Panther-Entdecker» Käser macht Tschan keine Vorwürfe. Seine Aussage hätte für ihn sehr plausibel getönt und er hätte Mühe damit gehabt, daran zu zweifeln. «Ich sehe ihn jetzt noch als seriösen Förster und Jagdaufseher an, der nicht einfach etwas erzählt.»

Bestätigung wäre «schön»

Käser selbst ist sich immer noch sicher, dass es ein Panther war, der seinen Weg Anfang Mai kreuzte - drei Mal insgesamt. «Seither habe ich ihn nie mehr gesehen.» Dass er immer wieder hinstehen und Auskunft geben musste, ist dem Revierförster Oberes Gäu scheinbar recht. «Ich dachte, es sei meine Pflicht hinzustehen und zu sagen, was ich gesehen hatte. Sonst hätte es Leute gegeben, die die Wahrheit angezweifelt hätten», ist er sich sicher.

Für Käser ist auch klar, dass ohne Beweis immer Zweifel an der Existenz des Panthers bestehen. «Deshalb wäre es schon schön, wenn ich die Bestätigung für meine Sichtung erhalten würde», sagt der Mann, der den Panther-Hype in der Schweiz entzündete.