Der Uruguayer, Gonzalo, in unserem Zimmer wurde mit jedem Tag nervöser – die ‘Celeste’, sein Nationalteam, spielt am Mittwoch um 18.00 Uhr im Stadion, wo wir unsere Freiwilligenarbeit verrichten. «Sabes Leo, ese año es nuestro año!», was so viel heisst wie «Weisst du Leo, dieses Jahr ist unser Jahr!». Er geht also von einem uruguayischen Weltmeistertitel aus. Wir werden sehen.

Das Prozedere ist dasselbe. Vier Stunden vor Spielbeginn versammeln wir uns im Büro im Stadion, unterhalb der Zuschauerränge. Um dahin zu gelangen, benötigt man eine sogenannte Akkreditierung, welche jedem Volunteer verteilt wurde. Auf diesem Ausweis, der um den Hals gehängt wird, stehen im Optimalfall alle zehn Ziffern von 0 bis und mit 9.

Wenn dies der Fall ist, dann ist dieser Volunteer – oder sonstiger offizieller FIFA-Mitarbeiter – dazu bemächtigt, jede Zone des Stadions zu betreten. In unserem «brand management volunteer»-Team haben wir jedoch nur die Ziffern 0, 3 und 4 auf der Akkreditierung. Wir dürfen also folgende «Areas» betreten: 0: Outer Stadium Area, 3 = Stadium General Area, 4 = Operational Area (FIFA/LOC Offices). Das heisst, dass unsere Spielbesuche davon abhängen, ob unser ‚leader’ (offizieller FIFA Mitarbeiter) von seinem ‚manager’ Tickets für die Volunteers bekommt. Im ersten Spiel zwischen der Schweiz und Brasilien ist dies optimal ausgegangen. Im zweiten Spiel in der Rostov Arena wollte dem nicht so sein.

Zum Glück ist Gonzalo aber nicht ‚brand protection volunteer’, sondern arbeitet mit den Medien am Spielfeldrand. Das heisst, er hat neben der 0, 3 und 4 ebenfalls die Nummer 6 und 7 auf seiner Akkreditierung. Das heisst ‚Media Area’ und ‚Stadium Media Centre’ sind für ihn problemlos zugänglich. Diese ‚Areas’ scheinen mir sehr schwammig und unklar definiert. Wir haben also keine Tickets bekommen für Uruguay – Saudi Arabien. Dennoch, liessen uns die Stewards ohne Tickets durch. «Das isch aber e heisse», sagte man mir. Wir haben also nur eine Viertelstunde des Spiels geschaut, danach haben wir diese Zone verlassen. Man munkelt, dass einem sogar die Akkreditierung einzogen würde, falls man eine für sich nicht zugängliche Zone betritt.

Hoffen wir doch, dass es fürs nächste Spiel zwischen Mexiko und Südkorea reichen wird für Tickets ...