Elektro-Bikes
Das hohe Tempo bei E-Bikes wird oft unterschätzt

Unfälle mit E-Bikes häufen sich. Diese Feststellung ist derzeit oft zu hören. Erstaunlich ist sie nicht, zumal immer mehr E-Bikes im Einsatz stehen. Elektro-Bikes sind eine Herausforderung, an die sich alle Verkehrsteilnehmer erst gewöhnen müssen.

Beatrice Kaufmann
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Auto gegen E-Bike: Ein Zusammentreffen der unerfreulichen Art, das immer häufiger vorkommt. (Symbolbild)

Auto gegen E-Bike: Ein Zusammentreffen der unerfreulichen Art, das immer häufiger vorkommt. (Symbolbild)

Hanspeter Bärtschi

«Kommen neue Fahrzeuge in den Strassenverkehr, müssen sich alle Beteiligten erst einmal daran gewöhnen», wie Roland Fuchs, Leiter der Schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen, betont. «In den 60er- Jahren waren es ‹Töffli›, später kamen Rollbretter hinzu und jetzt sind es halt die Elektrovelos.» Problematisch sei es seit etwa vier oder fünf Jahren, seit der Boom richtig ausgebrochen sei und die breite Masse auf den E-Bikes fahre.

«Die Autofahrer müssen sich jetzt erst einmal daran gewöhnen, dass Velos mit einer höheren Geschwindigkeit unterwegs sind», so Fuchs. Denn der Boom werde noch länger andauern. Da E-Bikes anderen Fahrzeugen gegenüber viele Vorteile hätten, würden sie vermehrt auch im Alltag eingesetzt. «Die meisten Kilometer werden für den Einkauf oder den Arbeitsweg zurückgelegt», so Fuchs. Ausserdem wagen sich nun oft auch ältere Menschen, die länger nicht mehr Velo gefahren sind, wieder, in die Pedale zu treten. Fuchs: «Diese müssen sich im Verkehr langsam wieder einfinden.»

Solothurn: 11 E-Bike-Unfälle

Fakt ist: Unfälle mit E-Bikes und solche mit handelsüblichen Velos wurden erstmals 2011 in den Unfallstatistiken der Polizei unterschieden. Demnach sind letztes Jahr 3442 Personen mit dem Fahrrad verunfallt, deren 201 mit einem E-Bike. Elf E-Bike-Unfälle ereigneten sich im Kanton Solothurn. Getötet wurde dabei niemand, Schwerverletzte gab es drei, leicht verletzt wurden acht Personen. Schweizweit lagen allerdings die Zahlen der Getöteten und Schwerverletzten durch E-Bike-Unfälle bei rund 34 Prozent. 26 Prozent waren es bei Velounfällen, woraus Rolf Moning, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), schliesst, dass «E-Bike-Unfälle gravierendere Folgen haben».

Eine Nachfrage bei den Notfallstationen der Solothurner Spitäler AG (soH) konnte dies nicht bestätigen, da die Unfälle dort nicht nach den entsprechenden Zweirädern differenziert erfasst werden. Grundsätzlich fielen die persönlichen Erfahrungen dort nicht anders aus, als sie bei Velounfällen auch aussehen dürften: «Eine Unfall-Häufung ist an sonnigen Wochenenden im Frühling und Sommer zu verbuchen. Dabei gibt es von Schürfwunden bis zu Hirnerschütterungen fast alles», so die Auskunft von Monika Hug-Portmann, Leiterin Kommunikation der soH.

Problem: Die hohe Geschwindigkeit

Auf jeden Fall ist Vorsicht geboten. Thalia Schweizer, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn, bestätigt, dass bei Verkehrsunfällen mit E-Bikes oftmals die unterschätzte Geschwindigkeit der motorisierten Velos eine Rolle spiele. Hierbei dürfte zudem die Ähnlichkeit zwischen Velos und E-Bikes mitspielen. E-Bikes sind auf den ersten Blick nicht immer als solche zu erkennen, weshalb sie von Autofahrern fälschlicherweise als Velos wahrgenommen werden. Dazu hat die Beratungsstelle für Unfallverhütung eine Broschüre publiziert (siehe Kontext unten).

Anhand der Motorleistung und der Tretunterstützung – letztlich also der Geschwindigkeit – werden E-Bikes in zwei Kategorien eingeteilt. In erstere fallen gemäss der BfU solche, mit denen durch Tretunterstützung eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern erreicht werden kann. Zum Vergleich: Die durchschnittlich mit einem Velo gefahrene Geschwindigkeit liegt bei rund 15 Stundenkilometern. Für diese, langsameren, E-Bikes ist weder ein Ausweis nötig noch ist ein Helm obligatorisch. Das Helmtragen wird jedoch vom Bundesrat und von der BfU ausdrücklich empfohlen.

Für Benützer von Elektrovelos, die mit Tretunterstützung eine Geschwindigkeit von 25 bis 45 Stundenkilometern erreichen, ist seit dem 1.Mai dieses Jahres ein Helm obligatorisch. Diese E-Bikes sind geschwindigkeitstechnisch fast mit einem Roller vergleichbar, erfordern daher auch einen Führerausweis der Kategorie M, der ab 14 Jahren erworben werden kann. Zudem müssen die schnellen E-Bikes – wie auch Mofas – mit einem Kontrollschild versehen sein, was zumindest hier eine klarere Unterscheidung zu Velos zulässt.

Der Bremsweg ist viel länger

Zur unterschätzten Geschwindigkeit kommt auch der Bremsweg, der sich durch höheres Tempo und Gewicht der E-Bikes verlängert. Rund 10 Meter beträgt der Bremsweg eines Fahrrades mit einer Geschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. Ohne Tretunterstützung sind die meisten E-Bikes nun schneller und damit der Bremsweg länger. Rund 19 Meter und damit fast 50 Prozente länger ist dieser bei einem Tempo von 25 Stundenkilometern.

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