SBB

Das «Hirn» des Zugverkehrs ist gezügelt

Vergangenheit – das Betriebszentrum Tannwaldstrasse (r.) – und Zukunft: Die neue Betriebszentrale (Bildmitte im Hintergrund).

Vergangenheit – das Betriebszentrum Tannwaldstrasse (r.) – und Zukunft: Die neue Betriebszentrale (Bildmitte im Hintergrund).

Seit Sonntag ist das Operative Betriebszentrum Olten an der Tannwaldstrasse Geschichte. Es wurde durch die neue Betriebszentrale an der Gösgerstrasse ersetzt, wo auch viel mehr Mitarbeiter beschäftigt sein werden.

«Ich freue mich auf das neue Gebäude, aber ein bisschen Wehmut ist schon dabei», sagt Schichtleiterin Anja Frischknecht. Seit 24 Jahren arbeitet sie in der Zugsverkehrsleitung, seit achteinhalb Jahren im markanten Gebäude des Operativen Betriebszentrums (OBZ) Olten, das über die Tannwaldstrasse hinweg hart an die Gleise herangebaut ist. Am Sonntag, kurz nach 12 Uhr, hat sie die allerletzte Schicht im OBZ Olten abgemeldet. Mit einem Telefon nach «drüben», in die neue Betriebszentrale an der Gösgerstrasse.

Hat das «Lichterlöschen» an der Tannwaldstrasse für Anja Frischknecht auch etwas Emotionales? «Ja, schon», meint sie. «Wir sind hier wie eine grosse Familie. Es gibt einige Freundschaften, und wir machen auch in der Freizeit mal etwas Gemeinsames.» Am neuen Arbeitsort auf der andern Seite der Gleise des Bahnhofs Olten werden es künftig viel mehr Mitarbeiter sein. Auch die erfahrene Schichtleiterin kennt sie nicht alle. «Aber das gibt dann vielleicht auch neue Freundschaften.»

Olten – Kopf der Bahnregion Mitte

Rund 100 Personen arbeiteten bisher im OBZ Olten, vor allem Zugsverkehrsleiter, erklärt Daniel Zimmermann, der Bereichsleiter Betrieb Olten. Von der Tannwaldstrasse aus wurden die Signale einer grossen Region gesteuert: Im Osten bis Killwangen AG, im Norden bis Gelterkinden, im Westen bis Grenchen Süd, im Südwesten auf der SBB-Neubaustrecke bis kurz vor Bern, im Süden bis Sursee und im Südosten durchs ganze Freiamt bis Immensee SZ.

16 solcher Operativen Betriebszentren haben die SBB. Neu werden sie in vier grosse Betriebszentralen zusammengefasst: West in Lausanne, Ost in Zürich Flughafen, Süd in Pollegio TI und Mitte in Olten. Jetzt kommen die drei benachbarten OBZ etappenweise nach Olten: Basel Ende September, Bern im November und Luzern im Januar 2016. Rund 350 Zugsverkehrsleiter(innen) werden dann von Olten aus in der neuen Betriebszentrale Mitte für einen möglichst störungsfreien Bahnverkehr sorgen. Neu wird die Disposition der Züge örtlich mit der operativen Betriebsleitung zusammengeführt: «Das Ziel ist, noch besser zu werden in der Pünktlichkeit», erklärt Zimmermann.

Alle Bahnhöfe auf dem Bildschirm

Als «Vorhut» war vor zwei Wochen ein erster Teilbereich des OBZ Olten in die neue Betriebszentrale gezügelt; seit Sonntagmittag arbeiten nun alle Oltner Zugsverkehrsleiter an der Gösgerstrasse. Von ihren neuen Arbeitsplätzen im 4. Stock aus blicken sie Richtung Kantonsspital, nicht mehr auf die Gleisanlagen. Das sei auch nicht nötig, sagt Daniel Zimmermann: «Ein Zugsverkehrsleiter muss keine Züge mehr sehen.»

Tatsächlich: Zehn Bildschirme hat Zugsverkehrsleiter Jakob Aebi an seinem Arbeitsplatz vor sich, am neuen Standort werden es noch ein paar mehr sein. Darauf sieht er die Gleissituation in allen Bahnhöfen seines Sektors, aber auch die fahrenden Züge mit der Verspätung oder dem Vorsprung auf den Fahrplan. Im Normalfall steuert das System die Signale autonom. Sobald aber Störungen auftreten, greift Aebi ein. Kollege Hugo Soares hat Dienst als Infospezialist – er löst Durchsagen auf Perrons und Informationen auf den Displays aus. Wenns dort wieder mal heisst «Stellwerkstörung», sind die Zugsverkehrsleiter am Rotieren …

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