Witi
Das Hintertürchen Pistenverlängerung bleibt offen

Am Montag standen Witi-Schutzzone und Pistenverlängerung auf der Traktandenliste der Regierung. Diese bekennt sich zwar zur Schutzzone – hält sich gleichzeitig aber die Hintertüren für eine Pistenverlängerung offen.

Lucien Fluri
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450 Meter weiter soll die Piste künftig in die Witi ragen. Die Perspektive dieser Drohnenfoto lässt die über einen Kilometer lange Piste im Hintergrund allerdings sehr klein aussehen.

450 Meter weiter soll die Piste künftig in die Witi ragen. Die Perspektive dieser Drohnenfoto lässt die über einen Kilometer lange Piste im Hintergrund allerdings sehr klein aussehen.

zvg

Man könnte denken, dass Felix Glatz-Böni dieser Tage etwas verstimmt durchs Leben geht. Mit viel Elan haben der grüne Bellacher Kantonsrat und seine Parteikollegen vergangenen Herbst 400 Unterschriften gesammelt für den «ungeschmälerten Schutz der Witi». Das Ziel dahinter: Mit dem eingereichten Volksauftrag soll die geplante Grenchner Pistenverlängerung zu Grabe getragen werden, bevor sie überhaupt in die Gänge kommt. Die Piste soll nicht in die Witi vordringen, nachdem das Gebiet mit einem 150 Mio. Franken teuren Strassentunnel vor der Autobahn geschützt wurde.

Alles gut also? Am Montag nun kam der Volksauftrag in die Regierung, die erste Instanz, bevor der Kantonsrat abschliessend entscheidet, ob das Anliegen umgesetzt wird. Und die Regierung legt nun eine eigene Version vor, die weniger weit geht.

Für die Regierung steht fest: Witi-Schutz ja, aber nur so lange er nicht allzu rigide ist. Sie will den Handlungsspielraum nicht verlieren – gerade auch in Bezug auf die Pistenverlängerung.

Regierung: «Ja, aber ...»

Grundsätzlich stellt sich die Regierung zwar hinter den Witi-Schutz. Sie erinnert aber daran, dass jede Grenzziehung – auch die der Witi – «nach Ermessen erfolgt». Schon beim Festlegen der heutigen Witi-Schutzzone sei «auf die Interessen der Wirtschaft, der Siedlungsentwicklung, des Verkehrs und der Erholung Rücksicht genommen» worden. So habe man 1994 die Zone so bestimmt, dass der Betrieb des Flugplatzes durch die Witi-Bestimmungen nicht eingeschränkt werde.

Der Volksauftrag Glatz-Bönis geht der Regierung zu weit, insofern er «auf ein Einfrieren eines Perimeters abzielt und vorweg jegliche Interessenabwägung aufgrund veränderter Erkenntnisse verunmöglicht.» Die Regierung blickt dabei auf die «bewegte Entstehungsgeschichte» der Witi-Schutzzone zurück. Seit 1994 sei der Plan nämlich zwölfmal angepasst worden. «Jede Plananpassung war eine Antwort auf veränderte Verhältnisse, neue Aufgaben oder insgesamt bessere Lösungen», schreibt die Regierung. Für sie ist klar: Sie will die Pistenverlängerung nicht verunmöglichen, sondern zuerst die Konsultationsgespräche abwarten und dann entscheiden. – Derzeit finden Gespräche zwischen Flughafen, Gemeinden und Verbänden statt, auf deren Basis die Regierung wohl im Herbst entscheiden will, ob das offizielle Verfahren für eine Pistenverlängerung überhaupt angegangen wird (wir berichteten mehrfach).

Konsequenz: Die Regierung empfiehlt dem Kantonsrat zwar die Annahme des Volksauftrags, allerdings in einer Variante mit gezogenen Zähnen: In der Version der Regierung fehlen zwei entscheidende Wörter: Statt für den «ungeschmälerten Schutz der bestehenden Witi-Schutzzone» will sie sich für den «Schutz» der Witi-Schutzzone einsetzen. Nun liegt es am Kantonsrat, zu entscheiden, ob er den Auftrag ablehnen, die ursprüngliche Variante oder den Vorschlag der Regierung annehmen will.

Glatz-Böni: «Ich bin optimistisch»

Trotz der geänderten Worte: Felix Glatz-Böni ist nach der regierungsrätlichen Stellungnahme nicht unglücklich gestimmt, sondern optimistisch. Für den Bellacher Kantonsrat ist wichtig, dass sich die Regierung überhaupt hinter den Witi-Schutz stellt. Alles andere erledigt sich in Glatz-Bönis Augen fast von selbst: Werde nämlich der Witi-Schutz genügend ernst genommen, müsse jede seriöse Interessenabwägung gegen den Flughafen ausfallen, ist er überzeugt. «Witischutz und eine Pistenverlängerung schliessen sich aus. Die Piste geht genau ins Herz der Witi», sagt Glatz-Böni. Qualitativer Ersatz könne nicht gefunden werden. Und die Bedenken der Regierung? «Ich verstehe gut, dass sich die Regierung nicht äussern will, während das Verfahren zur Pistenanpassung läuft.»