Auf einen Kaffee mit...
Das Haareis hat es dem leidenschaftlichen Pilzfotografen besonders angetan

Auf einen Kaffee mit... Anton Zweili (69) aus Oberdorf, der als Makrofotograf und amtlicher Pilzkontrolleur besondere Pilze fotografiert.

Sophie Deck
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Anton Zweili ist fasziniert von Pilzen und von der Makrofotografie.Bild: Sophie Deck

Anton Zweili ist fasziniert von Pilzen und von der Makrofotografie.Bild: Sophie Deck

Sophie Deck

Tony Zweili vereint in seiner Freizeit zwei Leidenschaften: Er brennt gleichermassen für die Fotografie wie fürs Pilzesammeln, und deshalb landen oft spezielle, ästhetische Pilze vor der Linse des Makrofotografen. Nun, als Rentner, habe er dafür viel Zeit, sagt der 69-Jährige freudig, doch beide Hobbys begannen schon viel früher. «Ich habe schon als Kind alles fotografiert und meine Eltern damit oft genervt», erzählt er grinsend. Und auch Pilze sammelt er gemeinsam mit seiner Frau, mit der er in Oberdorf wohnt, schon seit 40 Jahren.

Doch diese Pilze auch im Detail zu fotografieren, darauf kam Zweili erst durch eine kürzlich abgeschlossene dreijährige Ausbildung, die er mit seiner Tochter zusammen besuchte. Dort entdeckte er die Makrofotografie für sich, eine Fototechnik, mit der man kleinste Gegenstände und filigrane Strukturen in enorm hoher Schärfe fotografieren kann.

zvg

Durch die Enkel zum Pilzkontrolleur geworden

Die Liebe zur Fotografie habe Zweili schon von Anfang an mit einer seiner beiden Töchter geteilt, so erzählt er stolz. Obwohl die Makrofotografie eher sein Gebiet ist, fotografieren sie auch heute noch manchmal zusammen. «Es ist schön, als Familie so ein gemeinsames Thema zu haben», meint er. Und nicht nur das Fotografieren teilt er mit seiner Familie: Zum Pilzeln nehmen er und seine Frau oft ihre Enkelkinder mit. Diese seien von Anfang an sehr interessiert gewesen und haben immer gefragt: «Dädä, was isch das fürne Piuz?»

Kirschroter Saftling im Detail

Kirschroter Saftling im Detail

Anton Zweili

Zweili hat ihnen oft nicht antworten können, und das störte ihn. Also machte er nach seiner Pension noch eine Schulung zum amtlichen Pilzkontrolleur. Damit hilft er beim Pilz-Verein Grenchen, dem er und seine Frau seit drei Jahren angehören, bei Pilzkursen aus und kontrolliert auch Pilze für Freunde. «Um Geld geht es dabei nicht. Es macht mir einfach Spass», sagt er. Und so sei es auch mit seinen Fotos, die er nicht ins Internet stellt, sondern nur seinen Freunden, den Mitgliedern des Pilz-Vereins und seiner Familie zeigt – «einfach, damit sie Freude haben».

Nach Jahren erwischte er sein Lieblingsphänomen

Neben Pilzen, die einfach schön anzusehen sind, fotografiert Zweili besonders gerne Phänomene, die in der Natur durch Pilze verursacht werden. Davon gebe es viele, Zweili zählt fasziniert verschiedene auf und zeigt begeistert die dazugehörigen Fotos. So zum Beispiel das eines Schimmelpilzes, der auf einem anderen Pilz wächst.

Doch ein Phänomen hat es Zweili besonders angetan: das Haareis. Haareis sei sehr selten, erklärt Zweili, und seine Augen beginnen zu leuchten, als er weiter ausführt. Es könne nur dann entstehen, wenn die Temperatur draussen knapp unter dem Gefrierpunkt liegt, es windstill ist, kein Schnee fällte und die Luftfeuchtigkeit hoch ist.

In manchen Stücken von verfaulendem Laubholz lagert sich dann Wasser ab, das nur knapp noch nicht gefroren ist. Und weiter im Innern des Holzes versteckt: ein Pilz. Dieser baut das Holz ab, wächst und drückt das Wasser Stück für Stück nach draussen, wo es sofort gefriert. So entstehen haarförmige Gebilde aus Eis, erklärt Zweili, meint aber noch, dies sei sehr vereinfacht, man könne ganze Arbeiten über das Phänomen lesen.

«Ich wollte das Foto unbedingt»

Seit Zweili von der Existenz des Phänomens erfuhr, hielt er immer bei den richtigen Bedingungen Ausschau, um vielleicht ein Foto machen zu können. «Ich habe mich schon nicht wie ein Verrückter benommen und Tage im Wald verbracht», beteuert er. «Aber ich wollte das Foto unbedingt.» Nachdem der Erfolg über mehrere Jahre ausblieb, erhielt er diesen Winter an einem Nachmittag einen Anruf von einem befreundeten Pilzler-Paar. Sie hatten Haareis entdeckt.

Sofort packten Zweili und seine Frau die Fotoausrüstung ins Auto und fuhren los, denn das Phänomen ist nicht nur selten, es hält auch nicht lange an. «Schon ein kleiner Windstoss kann es zerstören», sagt Zweili. Doch sie schafften es rechtzeitig, und Zweili konnte dieses Jahr endlich sein Haareis mit der Kamera festhalten.

Anton Zweili

Seit einigen Wochen ist die Pilzsaison nun vorbei und allzu viel zu fotografieren gebe es für Zweili momentan auch nicht, doch langweilig werde es ihm bestimmt nicht, meint er. «Ich lerne immer noch mehr Pilzarten. Da gibt es noch so viel zu wissen.» Und ansonsten geniesse er jetzt einfach die Zeit mit seiner Familie. Wie auch direkt nach dem Kaffee im «Hofer» in Solothurn, als er gut gelaunt losgeht, um sich mit seiner Frau zu treffen.