Auf jeden Fall erinnerten ihn Publikationen zum 200. Geburtstag des Politiker, Wirtschaftsführers und Eisenbahnunternehmers Alfred Escher an alte Erzählungen, die sich um jene Person ranken, die Bildhauer Richard Kissling seinerzeit Modell gestanden haben soll.

Hier Peter Nyffeneggers Schilderungen: «Ältere Kriegstetterinnen und Kriegstetter können sich noch an den jovialen Zahnarzt Dr. Bürgi erinnern, der in Solothurn an der Judengasse seine Praxis betrieb. Er war vor allem bekannt, weil er die Kriegstetter Schulkinder gratis behandelte – dies aber nur, wenn sie seine Behandlung ohne ‹z’gränne› überstanden. Die Leutseligkeit hatte er von seinem Vater, der ebenfalls Zahnarzt war.

An diesen Vater Dr. Bürgi konnten sich nur noch Leute erinnern, die bereits zu unserer Jugendzeit schon ergraut waren, zum Beispiel unser Lehrer Karl Brunner. Zusammen mit anderen Jungspunden seiner Zeit konnte Brunner von Vater Bürgi in gemütlicher Runde einiges über dessen Studentenzeit in Zürich erfahren. Der junge und lebensfrohe Student genoss das Leben in der Stadt und war so auch des Öftern in fröhlicher Trinkrunde in der altbekannten ‹Oepfelchammer› anzutreffen. Die wohl berühmtesten Stammgäste in der ‹Oepfelchammer› waren der Dichter Gottfried Keller und der aus ursprünglich Wolfwil stammende Bildhauer Richard Kissling.

Die passende Postur

Solothurner Studenten zog es angeblich ebenfalls dorthin, sei es auch nur, um das Gefühl zu haben, ‹dazu› zu gehören. Eines Tages jammerte der Bildhauer Kissling, er finde keinen, der ihm für sein Alfred-Escher-Denkmal Modell stehe – initiiert wurde das Denkmal vermutlich von Gottfried Keller kurz nach Eschers Tod. Darauf schlug ihm Keller kurzerhand vor, er solle doch einen ‹seiner› Solothurner nehmen, der Bürgi zum Beispiel wäre von passender Postur und vermutlich froh über einen kleinen finanziellen Zustupf. Und schon hatte Bildhauer Kissling sein Modell!

Soweit die mündlichen Überlieferungen von Karl Brunner. Dieser betonte stets, Alfred Eschers ‹Gsühn› erinnere ihn immer an Vater Bürgi. Und beim Betrachten des Denkmals dieses grossen Staatsmannes bemerke auch ich heute noch das Augenzwinkern des Kriegstetters.» (szr)