Als ich vor 11 Jahren zu Greenpeace kam, nahm man das Wort Spiritualität besser gar nicht in den Mund.

Spirituell? – Das war irgendwie gleichbedeutend mit esoterisch.

Dabei war Greenpeace schon immer spirituell. Die ersten Aktivisten, die nach Amichitka (Alaska) aufgebrochen waren, um einen Atomtest zu verhindern, haben auf hoher See dem Buch der Wandlungen, dem I Ging, die Schicksalsfrage gestellt. Die Antwort war eindeutig, und so segelten die Weltveränderer weiter bis zur Stelle, wo sie die russischen Walfangschiffe fanden. Weiter auf der Reise produzierte ein Synthesizer Töne, die unter die Wasseroberfläche gespielt wurden, um diese göttlichen Tiere anzulocken.

Die Wale hörten den Ruf – und kamen. Das «Geistige», das nicht Greifbare hatte gewirkt – und der Organisation Greenpeace einen erfolgreichen Start beschert.

Kinder spüren die spirituelle Kraft, wenn sie sich tagelang auf den Samichlaus freuen. Kranke spüren sie, wenn sie auf Genesung hoffen. Spaziergänger, wenn sie durch den Wald gehen und sich von der Natur berühren lassen. Konzertbesucherinnen, wenn sie den Stimmen und Klängen lauschen. Yoginis, wenn sie sich den Asanas hingeben. Kirchgänger, wenn sie beten. Liebende, wenn sie einander Gedanken übertragen ... Immer ist Unsichtbares im Spiel – etwas, das wir mit rationalem Denken nicht erfassen und mit unserer Sprache nur schwer beschreiben können. Doch wir wissen: Etwas ist da.

Das «Etwas» lebt auch im Wald: Dass Bäume und Pflanzen miteinander kommunizieren, ist inzwischen wissenschaftlicher Fakt. Wenn ein Baum schwächelt oder Parasiten im Anflug sind, kommen ihm die anderen Wurzelwesen zu Hilfe. Unter dem Boden bilden Pilze das «Wood-Wide-Web», das die blättrigen Lebewesen für den Austausch von Informationen nutzen. Mit dieser Entdeckung ist die «kommunizierende Pflanze» auf einmal kein Hirngespinst mehr, sondern akzeptierte Tatsache. Wirklichkeit war sie schon immer, auch wenn wir länger gebraucht haben, um die Spuren zu sichern.

Wir wissen schon, dass wir nicht viel wissen. Ja, nicht einmal der Samichlaus weiss alles. Ich kenne einen, der die Kinder auffordert, dem Esel ins Ohr zu flüstern, was sie dem Samichlaus lieber nicht sagen möchten. Die Kinder stehen dann bei Esels Ohr Schlange! Was sie wohl einflüstern? «Eseli, gut bist du da.» Oder: «Hast Du gesehen, wie auf dem Waldweg eine Putzmaschine die Blätter weggeblasen hat? – Das mit der Putzmaschine ist kein Witz, sondern wurde Ende November im Wald beim Solothurner Spitalhof so beobachtet.

Nein, Hokuspokus ist sie nicht, die Spiritualität. Teil unseres Lebens ist sie, mit oder ohne Glauben. Im Monat Dezember beleuchtet das Christentum einige schöne Aspekte des Geistigen. Unabhängig davon können wir als Menschen das ganze Jahr mit unserer Spiritualität in Kontakt bleiben und daraus Kraft schöpfen. Reden wir mit den Topfpflanzen und hören wir auf unsere Träume, schenken wir Liebe, und versinken wir in der Stille!
So werden wir immer wieder feststellen: Wir sind nicht allein.

* Markus Allemann Der Solothurner ist Co-Geschäftsführer von Greenpeace Schweiz.